Viele Muff Potter-Fans waren gespannt, seit der Abschiedstour spielte die Band nicht mehr in Saarbrücken – ausverkauft war das Konzert trotz Allem nicht. Anfangs war die Garage sehr überschaubar gefüllt obwohl die Location schon auf 3/4 ihrer Größe verkleinert wurde.

Ich will nicht lügen, die Bestätigung des Supportacts Die Arbeit hat meine Entscheidung das Konzert zu besuchen sehr gestärkt und nach den ersten Tönen wusste ich bereits, dass es die Richtige war. Das Quartett aus Dresden gehört allerdings nicht auf die große Bühne, in einem kleinen Club würde die Musik wohl viel eher funktionieren – eventuell wurde die Wirkung aber auch ein wenig gebremst, da ein Großteil der Konzertbesucher:innen das komplette Konzert über Unterhaltungen geführt haben.

Die Arbeit | (c) Alexander Koch

Der Sound war überraschend gut, stellt er normalerweise in der Garage immer einen Problempunkt dar, wie auch später am Abend. Die professionelle Post-Punk-Perfektion von Die Arbeit konnte schwer übertroffen werden, die stoischen Basslines und straighten Drums ergänzen das virtuose und experimentelle Gitarrenspiel perfekt. Maik Wieden performt als Frontmann gezügelt und doch überzeugend und erinnert an den jungen Falco, textlich bietet er viel und erinnert gesanglich an einen zahmen Hendrik Otremba und steht in der Tradition Jochen Distelmeyers, welcher mindestens genauso gekonnt stilistische Mittel eingesetzt hat um schon in den 90er Jahren zu zeigen, dass deutsche Texte nicht peinlich sein müssen.

Inzwischen hat sich die Location ganz gut gefüllt, die Stars des Abends betreten die Bühne. Muff Potter, schon fast am Ende ihrer Bei aller Liebe Tour angelangt, freuen sich laut eigener Aussage trotzdem (oder vor allem?) auf das Konzert in Saarbrücken, denn das Saarland hat anscheinend einen ganz besondaeren Platz im Herzen der Band gefunden.

Wie zu erwarten besteht der Großteil der Setlist aus Songs des neuen Albums, welche, zumindest in der saarländischen Provinz, live nicht allzu gut zu funktionieren scheinen. Auch bei älteren Hits die bei vorherigen Konzerten wohl immer als Garant dienten kommt nur bedingt Stimmung vor der Bühne auf.

Nagelschmidt gibt sein Bestes und schießt auch ein paar Mal darüber hinaus, suhlt seine eigene Band in Lob und versucht alles um doch noch ein bisschen Bewegung hervorrufen zu können. Das Problem des ewig Währenden – viele wollen nichts Neues und erwarten Altbekanntes, der Großteil scheint sogar ein wenig enttäuscht, dass Muff Potter ihre sehr überzeugende, neue Platte auch auf die Bühnen bringen wollen, erwarten eine Best Of Show wie vor einigen Jahren auf der Reunion Tour. Auch der Sound spielte der Band nicht zwingend in die Karten, wobei sich der unverständlich gewählte Live-Mix im Laufe des immerhin fast zweistündigen Konzerts verbesserte. Eine Band sucht sich ihr Publikum nicht aus. Vor allem wird es nach einer so langen Laufbahn schwierig, „plötzlich“ musikalisch in eine neue Richtung zu steuern, die out of the comfortzone einiger zu sein scheint.

Bei aller Liebe ist ein starkes Album mit starken Songs, leider konnten Muff Potter in Saarbrücken mit der Darbietung nicht gänzlich überzeugen, einiges schien aufgesetzt und konditioniert, was bis zu einem gewissen Grad verständlich ist. Vielleicht braucht es ein weiteres Album abseits des Emo-Punks um sich eine neue Hörer:innenschaft zu erspielen oder die gewohnte davon zu überzeugen, dass Weiterentwicklung nicht zwingend Sellout bedeutet sondern auch einfach ein Zugewinn an musikalischer Qualität darstellen kann.

  1. Killer
  2. Ich will nicht mehr mein Sklave sein
  3. Flitter & Tand
  4. Gute Aussicht
  5. Wenn dann das hier
  6. Hammerschläge, Hinterköpfe
  7. Privat
  8. Der einzige Grund aus dem Haus zu gehen
  9. Niemand will den Hund begraben
  10. Ein gestohlener Tag
  11. Wie Kamelle raus
  12. Das seh ich erst wenn ich’s glaube
  13. Von wegen (aus Gründen)
  14. Take a run at the sun
  15. Schöne Tage
  16. Notbeck City Limits
  17. Fotoautomat
  18. Wir sitzen so vorm Molotov
  19. Die Guten

Titelbild: Muff Potter | (c) Alexander Koch

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