Name=Programm? Pogendroblem gehören zur neuer Garde junger Deutschpunkbands, die Mittelfingerattitüde mit Idealismus verbinden.

Deutschpunk, wirklich? Ja, wirklich. Aber bitte nicht abschrecken lassen: Der Assi-Faktor bleibt auf erträglichem Niveau und dient eher als Mittel zum Zweck. Ähnlich wie bei den Geschwistern im Geiste wie Deutsche Laichen und Mühlheim Asozial zeigen sich die Exil-Provinzpunks von pogendroblem musikalisch stark von den 80ern beeinflusst, ohne dabei retro zu klingen – der Fokus liegt auf der Aussage.

Wobei, ein wenig muss man hier schon differenzieren: Ich-Wir vereint nämlich sowohl die neue vier-Song-Konzept-EP gleichen Namens auf der A-Seite, sowie die Debüt-EP raus aus 2016, die damit erstmalig auf Vinyl erscheint, auf der B-Seite.

Hört man die insgesamt 10 Songs hintereinander weg, macht sich der Bruch deutlich bemerkbar: Die Stücke von Ich-Wir klingen deutlich ausgereifter und auch die Texte sind dank angemessener Produktion und dem weitgehenden Verzicht auf Gröhlgesang direkt verständlich. Tempo und Schrammelfaktor sind allerdings auch hier konstant hoch, wie im Einstieg Focault im Großraumbüro oder dem unterschwellig melodischen Ich, welches zusammen mit dem eingängigen Wir den namensgebenden Kern der EP bildet. Letztgenannter Song fungiert auch als Soundtrack für den selbstproduzierten Interviewfilm pogendroblem präsentiert: Auf der Suche nach der Utopie:

Dagegen wirken die sechs Songs von raus beinahe wie von einer anderen Band: Aufgenommen in nur sieben Stunden im elterlichen Keller – komplett live, inklusive des dominierenden Gröhlgesangs. Damit sichern sich pogendroblem natürlich Extrapunkte auf der Punkskala, genauso wie mit den kreativen Songnamen wie Kotzen, Schales Bier oder Den öffentlichen Personennahverkehr durch Drücken der Stop-Taste sabotieren. In den besten Momenten kommen einem hier durchaus ältere Pascow in den Sinn.

Wo Ich-Wir reflektiert Großstadtprobleme (Gentrifizierung, Ausbeutung) ausleuchtet und gesellschaftliches Zusammenleben hinterfragt, gibt raus eher den pöbelnden, aber irgendwie sympathischen Provinzpunk.

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