No Omega – Shame

No Omega – Shame

Vier Jungspunde aus Stockholm bündeln all ihr Können, all ihre Wut und Verzweiflung und lassen einen herrlich kurzweiligen, extrem bissigen und seltsam berührenden Straßenköter von der Leine, der „Shame“ zur besten Erscheinung in Sachen Hardcore seit „I, guilt bearer“, dem letzten Album ihrer Landsleute This gift is a curse macht.

Eingebettet in einer nahbaren und ergreifend aufrichtigen Produktion, die ohne Schnickschnack direkt zur Sache kommt, reißt vor allem eine geschickt im Subtext verankerte Melancholie mit, die das zweite Album der Schweden überzeugend von der Masse der Erscheinungen abhebt und trotz all der Raserei und unbändigen Wut nie vernachlässigt wird. Unterstrichen durch verzweifelt melancholische und sozialkritische Texte umrahmt von einem bedrückend schönen Artwork widersetzt sich „Shame“ erstaunlich versiert und packend erzählt allen Trends und üblichen Formen des Genres und ist somit sehr viel mehr als die Summe seiner offensichtlichen Einflüsse, die irgendwo zwischen Killing the dream und Birds in Row liegen mögen und dennoch nicht wirklich viel über No Omega sagen.

Das Geheimnis ihrer eigentümlichen Kraft mag eher darin liegen, dass hier pointiert Talent und Stilistik komprimiert wurden, um ein mental und atmosphärisch dichtes Werk zu schaffen, in dem man eine gute halbe Stunde lang nur selten Luft holen kann. No Omega haben sichtlich Spaß daran den Hörer nur solange aus der Schlinge um seinen Hals zu befreien, wie es nötig ist, um ihn nicht kollabieren zu lassen. Mit kurzen sphärischen Interludes, schwebenden Gitarrenparts und effektiv eingesetzten Tempodrosselungen nimmt „Shame“ seinen Hörer kurz an die tätowierte Brust, um ihn dann sofort wieder kopfüber in eine dunkle und eiskalte See aus völlig humorlosen shouts, rasender blastbeat-Wut und polternden grooves zu werfen, um ihn genüsslich beim Ertrinken zuschauen zu können. Hervorragend in dem packenden Doppel aus „V (Controll)“ und “ A Man reprieved“ gegen Ende eines furios atemberaubenden und spielfreudigen Albums zu beobachten, das einen unglaublichen Schritt nach vorne bedeutet und mit mehr Zug zum Tor und seinem deutlich dunkleren Tenor den Vorgänger weit hinter sich lässt und sich damit ganz unverblümt der Champions League des Hardcores empfiehlt. Spread the word!

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Von Veröffentlicht am: 10.03.2013Zuletzt bearbeitet: 02.12.2018365 WörterLesedauer 1,8 MinAnsichten: 961Kategorien: Alben, KritikenSchlagwörter: , , , 0 Kommentare on No Omega – Shame
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Über den Autor: Simon Kelitsch

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