„Strangers To Ourselves“ ist ein tolles Geschenk von Modest Mouse für die Musikwelt. Jeder darf und soll erleben, mit welch‘ kindlichem Spieltrieb eine Band mit nicht mehr ganz so jungen Herren an den Instrumenten, ganz große Kunst produziert hat.

Könnt Ihr Euch noch an Eure Kindheit erinnern? Vor jedem eigenen Geburtstag fragte sich doch jeder, ob er die Geschenke die man sich so sehnlichst gewünscht hatte, auch tatsächlich bekommt. Und wenn man dann sein Geschenk auspackte, und es genau das war, was man sich so verzweifelt gewünscht hatte…könnt Ihr Euch noch daran erinnern? Und könnt Ihr noch nachempfinden, wie lange man auf den nächsten Geburtstag warten musste? „Ja, genau ein Jahr“ werden jetzt einige denken, aber gefühlt waren es mindestens 8 Jahre. Das Zeitempfinden eines kleinen Kindes ist und war eine ganz eigene Erfahrung.

8 Jahre sind seit dem letzten Modest Mouse Album vergangen. 8 Jahre warten auf den erhofften, ja sehnlichst gewünschten, nächsten Geniestreich dieser außergewöhnlichen Indie Rock Band aus den USA. Und mit „Strangers To Ourselves“ fühlt man sich erneut in seine Kindheit zurückversetzt. Wie ein kleiner Junge, voller Vorfreude und mit glänzenden Augen, drücke ich die Play Taste. Dieser Moment ist wie das Auspacken eines Geschenks vor mehr als 30 Jahren. Und wie damals, bin ich beim ersten Kontakt mit dem von Modest Mouse gemachten Geschenks unglaublich glücklich. Der Sound macht dem Wort Hi-Fi alle Ehre, der Bass drückt und diese einzigartige überdrehte Stimme von Frontmann Isaac Brock hat über die Jahre wirklich nichts an Charme verloren.

Der Opener und Titelsong „Strangers To Ourselves“ startet so unglaublich getragen und sanft in ein 15 Songs umfassendes Album, das ich mich wirklich frage, wie man als Band diesen wunderschön gesungenen Song an den Anfang eines Albums setzen kann. Als schwungvollen Opener kann man diesen Song jedenfalls nicht bezeichnen. Diese Intro artige, von eine Cello verzierte Ballade leitet dann nach etwas mehr als drei Minuten in den absoluten Hit und Ohrwurm „Lampshades On Fire“ über und die Geburtstagsparty ist eröffnet. Das klingt nach Konfetti und Geburtstagstorte mit zynischem Text. Der Bass und das Schlagzeug legen hier die Grundlage für einen Tanzflächen tauglichen Indie Hit der Extraklasse. Das darauf folgende „Shit In Your Cut“ wirkt in seinem Aufbau und der Struktur irgendwie chaotisch und spröde. Wenn dann aber im Mittelteil diese schönen Gitarrenakkorde für den nötigen Wiedererkennungswert sorgen und dazu Isaac’s Gesang einsetzt, wirkt dieser Song plötzlich wie ein alter Bekannter aus dem Modest Mouse Universum. Der Song „Pistol“ ist eine seltsame Hip Hop Persiflage, der durch seine, durch Effektgeräte gejagte Gesangsspur irgendwie einzigartig und genial wirkt. Seltsam und sperrig waren ja immer ein Trademark der Band, aber sowas hätte selbst ich nicht erwartet. Der Uptempo Hit „The Ground Walks, With Time In A Box“ ist typisch Modest Mouse und überzeugt mit seinen prägnanten Gitarrenriffs und energisch vorgetragenen Vocals. So kennt und liebt man die Band die uns so lange hat warten lassen. „Sugar Boats“ klingt exakt wie Jahrmarktmusik für Indie Nerds. Verspieltes Piano, Tuba, Trompeten und allerhand lustig klingende Percussion Instrumente machen diesen Song zum idealen Soundtrack für meine imaginäre Geburtstagsparty. „Wicked Campaign“ klingt nach wildem Westen, verstaubten Saloons und sich duellierenden Cowboys.

Und genau das ist es, was Modest Mouse im Jahre 2015 ausmacht: Vielschichtigkeit und das Spiel mit unterschiedlichen Stilen und Einflüssen. Von Disco und Rock über Hip Hop, Country und Pop. Modest Mouse saugen alles auf, so wie Mutti damals die Kuchenkrümel und Luftschlangenfetzen mit ihrem Staubsauger in den sich darin befindlichen Beutel beförderte. Nur das Modest Mouse aus den aufgesaugten Musikstilen anscheinend etwas völlig Neues kreieren. Modest Mouse haben es geschafft, das ich mit glücklichem Blick und feuchten Händen ins Bett gehe. Wie damals an meinem Geburtstag. Voller Vorfreude auf den folgenden Morgen, an dem ich endlich wieder mit meinem Geschenk spielen konnte.

„Strangers To Ourselves“ ist ein tolles Geschenk von Modest Mouse für die Musikwelt. Jeder darf und soll erleben, mit welch‘ kindlichem Spieltrieb eine Band mit nicht mehr ganz so jungen Herren an den Instrumenten, ganz große Kunst produziert hat. Das ist eine große Geburtstagsparty voller Überraschungen und großen Momenten. Und wenn es etwas gibt, das ich mir von Modest Mouse sehnlichst wünsche wäre es folgendes: Lasst mich bitte nicht noch einmal 8 Jahre auf ein Album warten. Das würde ich nicht verkraften. Danke Modest Mouse. Die Party hat mir sehr gut gefallen. Wenn ihr einen netten Gast für Eure Geburtstagsparty sucht, fragt mal Modest Mouse. Als Geschenk bringen Sie garantiert „Strangers To Ourselves“ mit. Klare Kaufempfehlung.

Modest Mouse – Strangers To Ourselves
01 Strangers To Ourselves
02 Lampshades On Fire
03 Shit in Your Cut
04 Pistol (A. Cunanan, Miami, FL. 1996)
05 Ansel
06 The Ground Walks, with Time in a Box
07 Coyotes
08 God is an Indian and You’re an Asshole
09 Sugar Boats
10 Wicked Campaign
11 Be Brave
12 Pups to Dust
13 The Tortoise and the Tourist
14 The Best Room
15 Of Course We Know

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