KRITIK: Christian Kjellvander – Hold your Love Still

KRITIK: Christian Kjellvander – Hold your Love Still

Der schwedische Singer-Songwriter Christian Kjellvander spielte Gitarre in der Alternative-Country Band Loosegoats, mit der er bis 2001 einige Alben veröffentlichte. 2012 erschien nach 11 Jahren ein neues Album der Band. 

Bereits im Jahre 2000 nahm Kjellvander zusammen mit seinem Bruder Gustaf unter dem Namen Songs of Soil das Album The Painted Trees of Ghostwood auf. Die nächsten Jahre tourte er mit seiner Band durch Schweden und Skandinavien und ging zusammen mit The Cardigans auf Tour in den USA. Seither veröffentlicht er regelmäßig Soloalben, mit denen er auch in den schwedischen Albumcharts erfolgreich ist. 

Das aktuelle bei Tapete Records erschienene Album Hold your Love still ist seine erste Soloarbeit seit dem 2020er Album About Love and Loving again und mit nur 8 Tracks eine recht kurze aber intensive Standortbestimmung, die einen Blick in die Seele des Künstlers zulässt. In sehr reflektierter Form werden die großen Themen der Zeit unter anderem der Klimakatastrophe, de existenziellen und kulturellen Spannungen und der Überflutung mit Nachrichten, die eine klare Orientierung oftmals unmöglich macht. 

Mit seiner sanften dunklen Stimme trägt Kjellvander die Songs, die Großteils in Dur gehalten sind über die Laufzeit des Albums und hinterlässt dabei einen nachhaltigen Eindruck angesichts der Wandelbarkeit, mit der er die einzelnen Tracks präsentiert.  

Der untypische Opener Western Hemisphere ist ein stark reduzierter Song, der wie ein eindringliches Gebet mit Chorelementen klingt und dieses getragene Tempo bis zum Schluss durchhält. Der zweite Track Notes from the Drive between Simat and Alcoi nimmt gleich zu Beginn Tempo auf und erzählt elegant aber wenig sommerlich von dem Roadtrip zwischen den genannten Städten im Südosten Spaniens. 

Baleen Whale ist eine apokalyptische Erzählung über die Belastung durch die ständige Überflutung mit Nachrichten und der fehlenden Abgrenzung gegenüber den Problemen anderer Menschen. Bildlich wird dabei der ständig neue Nahrung aufnehmende Wal thematisiert, der schließlich strandet. Geradezu zart und intim wirkt der Track Terns took Turns, in dem es um Kommunikation ohne Worte geht, wenn man sich sehr gut kennt. 

Der Track Disgust For The Poor ist ein nahezu klassischer Indie-Rock-Song mit einem stampfenden eindringlichen Rhythmus, der die Auswirkungen des Kapitalismus auf uns alle analysiert. Er stellt sich dabei auch die Frage, ob man das System wirklich verändern kann. In dem Song On Wine and Jesus Christ beschäftigt sich Kjellvander mit seinem Umgang mit Alkohol und fragt offen, ob es möglich ist, den Alkohol zu genießen ohne seiner Gefährdung zu erliegen. Ein ehrlicher und bewegender Track. 

Den Höhepunkt erreicht das Album mit dem vorletzten Track We are Gathered, der sich zu einem 9-minütigen Epos ausdehnt und sich von eintöniger Langsamkeit zu einem langsam anschwellenden Höhepunkt entwickelt. Der letzte Track Dream 2066 hat nochmals über sieben Minuten zu bieten und ist ein versöhnlicher und harmonischer Abschluss, der die Macht der Gemeinschaft als Gegenkraft zu den Widrigkeiten des Lebens präsentiert.  

Ein gelungenes nachdenkliches und besinnliches Album, dass aber keine radiotauglichen Songs enthält, so dass sich Christian Kjellvander auch weiterhin mit seinem – durchaus erfolgreichen- Nischendasein abfinden werden wird. 

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Von Veröffentlicht am: 05.11.2023Zuletzt bearbeitet: 05.11.2023522 WörterLesedauer 2,6 MinAnsichten: 422Kategorien: Alben, KritikenSchlagwörter: 0 Kommentare on KRITIK: Christian Kjellvander – Hold your Love Still
Von |Veröffentlicht am: 05.11.2023|Zuletzt bearbeitet: 05.11.2023|522 Wörter|Lesedauer 2,6 Min|Ansichten: 422|Kategorien: Alben, Kritiken|Schlagwörter: |0 Kommentare on KRITIK: Christian Kjellvander – Hold your Love Still|

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Über den Autor: Richard Kilian

"Das Leben ist zu kurz für schlechte Musik" Wer mit Stephen King, Charles Bukowski, Andrew Vachss und Elmore Leonard sowie Marillion, Cigarettes after Sex, Motorpsycho, The Jayhawks, Sufjan Stevens, Rush und God is an Astronaut etwas anzufangen weiß, der ist bei mir richtig.

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