Kristofer Åström – Quadrilogy

Kristofer Åström – Quadrilogy

Der traurige Singer-Songwriter Kristofer Åström aus Schweden veröffentlichte Anfang Juni 2018 eine EP mit dem Titel „Hold On Lioness“.

Vö: 31.08.2018 Startracks iTunes LP kaufen

Das veröffentlichende Label Startracks feiert gerade 25. Geburtstag und nimmt diesen zum Anlass, „Hold On Lioness“ in Verbund mit den drei zwischen 2003 und 2006 veröffentlichten Kristofer Åström-EPs „Dead End“, „There For“ und „Black Valley“ unter dem Namen „Quadrilogy“ feierlich als Doppel-LP zu veröffentlichen.

Zu finden sind darauf 18 Songs im typischen Singer-Songwriter-Gewandt, also in den meisten Fällen reduziert auf die eindringliche Stimme Åströms und dessen Akustikgitarre, ab und an flankiert von einer Mundharmonika und einem Klavier.

16,5 Songs davon waren auf bisher keinem der acht Alben des Meisters der nordischen Melancholie zu hören. Den Song „Satan“ kennt der aufmerksame Åström-Fan vom Album „Leaving Songs“ aus dem Jahr 2001. „Defender“ existiert in einer doppelt so langen Fassung der Neuversion auf dem 2002er Album „Northern Blues“. Dementsprechend ist die „Quadrilogy“-Veröffentlichung zu allererst etwas für Fans, Sammler und Komplettisten.

Aber auch denjenigen, die bisher nicht die komplette Diskografie des trübseligen Schwedens auswendig mitsingen oder auf der Gitarre nachspielen können, seien diese 18 Kristofer-Åström-Schmachtfetzen gerade in den kommenden Herbstmonaten wärmstens ans Herz gelegt. Bei schwerwiegendem Liebeskummer könnten sie eventuell als der fehlende mitfühlende Freund dienen, an dessen Schulter man sich verstanden anschmiegen möchte.

„Quadrilogy“ beginnt mit der aktuellen EP, um dann chronologisch von 2003 nach 2006 zu wandern.

Los geht es also mit dem „Hold On Lioness“ Titelstück, in dem sich Åström erst von der besungenen Löwin verabschiedet, nur um ihr anschließend noch die motivierenden Worte mitzugeben, sie solle doch bitte durchhalten. Die weiteren drei aktuellen Stücke sind „Northern Lights“, das Gary-Stewart-Cover „An Empty Glass“ und die angesprochene gekürzte „Defender“-Version mit der vielen Fans von Konzerten bekannten Textzeile „Thank you for listening to my complaints“.

Die fünf Songs „One Good Moment“, „Satan“, „You Are My Sunshine“, „If You Really Wanna Know“ und „One More Drink“, mit denen es dann weiter geht, erschienen 2003 noch bandlastiger als das Åström Folgewerk, eingespielt mit seiner Folk-Begleitband The Hidden Truck. Hier verirren sich vereinzelt also auch Trompete, Akkordeon oder Orgel zwischen Gitarre und Gesang. „You Are My Sunshine“ sticht mit seinem Mundharmonika-Intro und seiner flehenden Lovesong-Intimität auf einer ohnehin starken EP positiv heraus. „One More Drink“ erinnert in seiner barseligen Selbstmitleids-Verherrlichung an Elliott Smiths „Between The Bars“. Mindestens eine Packung Taschentücher zum Tränentrocknen sei zur Eindämmung von Risiken und Nebenwirkungen des Hörers bzw. der Hörerin unbedingt zur Seite zu legen.

Die Songs „You Won’t Last Long“, „Never Gonna Get To You“, „Ode To…“, „Still Miss“ und „Is It Really Over?“ veröffentlichte der angeblich noch nie an einer Schreibblockade leidende Åström 2004 auf der EP „There For“. Nicht etwa die neuen Songs, sondern die Songs dieser EP sind es, die sowohl textlich als auch musikalisch am selbstbewusstesten und positivsten klingen. „You Won’t Last Long“ erinnert fast schon an singer-songwriternde Punkrock-Sänger wie Frank Turner oder Brian Fallon. Bis auf die Tatsache, dass die Stimmen der Kollegen ver(b)rauchter klingen. Nur „Ode to…“ driftet mit seinem sich pathetisch wiederholendem „I love you so“ auf einer Geigenmelodie ein wenig ins Weinerliche.

Die vier Songs „So Much for Staying Alive“, „Black Valley Theme“, „Finally Home“ und „The Blackest Pond“ entstammen der 2006 erschienenen EP „Black Valley“. In einem ebensolchen soll sich Kristofer Åström wohl auch persönlich befunden haben. Das Instrumentalstück „Black Valley Theme“ ist dabei sogar noch düsterer und furchteinflößender als der Rest der EP und wohl auch auf der gesamten in Moll-Töne gehüllten Doppel-LP der Weltschmerz-Höhepunkt. Bei all dem Trübsal, den Kristofer Åström durch seine schwermütigen Texte bläst, ist es nämlich immer noch dessen weiche und herzliche Stimme, die den Hörer an die Hand nimmt, durch die Compilation und damit wahrscheinlich auch durch so manche schwere Zeit trägt.

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Von Veröffentlicht am: 24.09.2018Zuletzt bearbeitet: 02.12.2018665 WörterLesedauer 3,3 MinAnsichten: 888Kategorien: Alben, KritikenSchlagwörter: 0 Kommentare on Kristofer Åström – Quadrilogy
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Über den Autor: Thomas Lingstädt

Hat fürs Mainzer Campusradio gearbeitet und für verschiedene Musikblogs wie roteraupe.de, indiestreber.de oder schallhafen.de geschrieben. Betreibt mit drei Freunden das "Liebhaber"-Label My Favourite Chords. Hört auch auf Streaming-Portalen Alben vom ersten bis zum letzten Song durch.

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