Ein Album mit 8 Songs und einer Spielzeit von 45 Minuten, welches beim geneigten Post-Rocker bereits nach der ersten Minute zu absoluten Lobeshymnen, Freudentränen und Gänsehaut führt, habe ich in so einer Form noch nie genossen. Ein Sound, der so dicht gestrickt ist und einen fast zu erschlagen droht und ein wirklich cleveres und kompaktes Songwriting, machen dieses Werk zu einem wahren Erlebnis ohne auch nur eine Sekunde langweilig oder belanglos zu wirken.

Aber nun Schluß mit meiner unbändigen, ja überschäumenden Euphorie und zurück zu den Fakten.

God Is An Astronaut ist eine irische Post-Rock Band die in der Szene seit Jahren kultartig verehrt wird. Ähnlich wie Mogwai, Jakob oder Explosions In The Sky gehört die Band wohl zu den bekannteren Acts und hat sich über die Jahre auch auf den Bühnen dieser Welt die wohlverdiente Anerkennung erspielen können. Mit Helios/Erebus sollte der Sprung an die Spitze durchaus in greifbarer Nähe sein. Ein Album, das nach den ersten Hördurchgängen einen unfassbar tiefen Eindruck hinterlässt, wie es bei mir zuletzt bei Radioheads „OK Computer“ der Fall war. Diese Melancholie gepaart mit einfallsreichen, ganz subtil wirkenden elektronischen Spielereien gepaart mit brachialer Härte und Riffs, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen, macht den Iren so schnell keiner nach. Die Kombination von Ambient-artigen Flächen, Riffs mit leichtem Metal Touch und klassischem Post-Rock ist beileibe nicht neu aber niemand schaffte es meiner Meinung nach das so perfekt und eingängig in Szene zu setzen.

Der Opener „Agneya“ baut sich zu Beginn bedrohlich langsam auf, um dann plötzlich zu einem für Post-Rock Verhältnisse untypischen Uptempo Song zu mutieren. Hier gibt es Riffs und Gitarrenmelodien die absolut hitverdächtig sind und die einem schon nach dem ersten Hören nicht mehr aus dem Kopf zu gehen scheinen. Wahnsinn!

Das darauf folgende „Pig Powder“ überzeugt durch einen ruhigen, fast Ambient mäßigem Einstieg mit einer Gitarrenmelodie, die so dermaßen traurig und verzweifelt klingt, dass dem geneigten Post-Rocker sofort sämtliche Endorphine in jeden Teil des Körpers fließen. Wenn dann aber plötzlich dieses Riff einsetzt, bei dem selbst ein gestandener Stoner-Rock Fan Freudentränen unterdrücken muss, dürfte klar sein, dass man hier gerade Zeuge eines wahren Meisterwerks geworden ist.

Und auf diesem hohen Niveau geht es mit „Vetus Memoria“ auch direkt weiter. Ein leiser Beginn, Post-Rock typische verhallte Gitarren und auf einmal diese einzigartige Piano Melodie, mit der sich der Song unaufhaltsam zu einem Uptempo Song mausert. Wenn dann aber plötzlich gegen Ende dieses Songs ein wahnsinniges Riffgewitter losbricht und der Song einen fast zu erschlagen droht, dürfte jedem Post-Rocker die Nerdbrille durch heftigstes Herdbangen von der Nase rutschen. Der bedrohliche Ambient/Drone Song “Finem Solis” begleitet einen über 3 Minuten auf einer galaktischen Soundreise um über einen übersteuerten, explosionsartigen Audiobrei plötzlich in einer herzerweichenden Gitarrenmelodie zu münden. Wie ein Astronaut, der alleine, abgekapselt vom Mutterschiff, in Zeitlupe seinen drohendem Ende durch das All entgegen schwebt. Der achtminütige Titelsong steigert sich von einem depressiven, nur von Gitarren aufgebautem Intro langsam aber sicher zu einem wahrhaftigen Hit. Gitarren mit Genre-typischen Delays kommen hinzu und verleihen dem Song eine intensive Wirkung. Wenn dann ein “Refrain” bestehend aus verzerrten Gitarren dem Begriff “Shoegazer” eine neue Bedeutung geben, dürfte jedem Postrocker das Herz in die Hose rutschen. Doch God Is An Astronaut überraschen nach diesem Wall-Of-Sound mit einem todtraurigem Piano, welches auf magische Art und Weise aufgrund der packende Tonfolge unweigerlich zu Gänsehaut führt um danach wieder die Gitarren sprechen zu lassen. Wer hier nicht mit offenem Mund und feuchten Augen vor seiner heimischen Stereoanlage sitzt, dem kann ich auch nicht mehr helfen.

Da ist die Platzierung des darauf folgenden “Obscura Somnia” ein willkommener Ruhepol nach diesem bombastischen Song. Ambient Flächen erzeugen die wohlverdiente Ruhe nach dem Sturm. Feinfühlig gespielte Gitarrenpickings und der Verzicht auf das Schlagzeug sorgen für fast meditative Entspannungszustände.

“Centralia” ist in seiner Melancholie ein weiteres Highlight. Ein treibendes Schlagzeug, Piano und virtuos gespielte Gitarren gipfeln in einen rockigen Part mit einem Synthesizer der mich an eine Art Sirene erinnert. Die Stakkato Gitarren im Schlusspart erzeugen zusätzlichen Druck und machen diesen Song zu einem New-Metal Post-Rock Hybriden der alles zerstört.

Der Schlusssong “Seas Of Trees” bildet den krönenden Abschluss eines unfassbar großen Albums. Hier kommt auch Gesang zum Einsatz und macht diese fast schon klassische Rockballade zu einem Fallbeispiel im Grundkurs “Melancholie in der Musik” im Musikstudium.

God Is An Astronaut haben mit Helios/Erebus ihr Meisterstück abgeliefert und wer sich mit der Band schon einmal befasst hat, wird überrascht sein, dass eine Band nach so vielen Jahren noch so eine Steigerung hinlegen kann. Wer Trauern will, kann weinen – wer Rocken will, kann tanzen – wer Entspannung sucht, wird sie hier finden. Das hier ist ein Post-Rock Album von allerhöchstem Niveau und es wird bestimmt im Dezember in sämtlichen Best-of Listen der Post-Rock Gemeinde ganz oben erscheinen. Wer den Begriff Post-Rock noch niemals gehört hat und wer mit instrumentaler Rockmusik nie irgendeinen Kontakt hatte, den kann man hiermit sicher zum Post-Rockertum bekehren. Kein Zweifel – meine Augen sind feucht und die Gänsehaut ein treuer Begleiter über die gesamten 45 Minuten von Helios/Erebus. Ich bin begeistert. Wer das verpasst, ist selber Schuld. Ich ziehe voller Respekt meinen imaginären Hut und verneige mich voller Ehrfurcht: God Is An Astronaut – ihr habt mich zutiefst berührt und verzaubert. Danke.

01 Agneya
02 Pig Powder
03 Vetus Memoria
04 Finem Solis
05 Helios | Erebus
06 Obscura Somnia
07 Centralia
08 Sea Of Trees