Mit der Bahn zu Konzerten fahren ist immer wieder ein Abenteuer. Da macht der heutige Abend keine Ausnahme und so dauert die Fahrt von Mülheim nach Dortmund statt einer knappen halben mehr als zwei Stunden. Endlich angekommen an der Halle wird mir ein weiteres Mal bewusst, wie angesagt Kadavar im Moment sind. Das Konzert ist ausverkauft und vor der Halle suchen etliche Leute händeringend nach Tickets.

Als ich das FZW schließlich betrete hat die Vorband The Picturebooks bereits mit ihrem Auftritt begonnen. Der kleinere Raum der Location ist bereits ordentlich gefüllt und die Besucher scheinen Gefallen zu finden an dem, was die zwei Herren an Gitarre und Schlagzeug fabrizieren. Geboten wird Noise Rock, wobei sich wildes Gejamme und recht psychodelisch angehauchten Parts abwechseln. Es bleibt auf jeden Fall festzuhalten, dass die Band einen passendes Support für Kadavar abgibt. Ich bin zu Beginn auch positiv überrascht, da mir ein Auftritt der Band vor einigen Jahren doch eher in schlechter Erinnerung geblieben ist. An dieser Stelle sei aber im Sinne der Band erwähnt, dass dieser Auftritt während eines Umsonst & Draußen Festivals stattfand und dies sicher nicht der beste Ort für diese Art von Musik ist. Nach einigen Songs macht sich aber doch etwas Langeweile breit. Den Songs fehlt zum Teil einfach etwas Schwung um vollends zu überzeugen und so bleibt es am Ende der 40 Minuten Spielzeit ein durchschnittlicher Auftritt.

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Nach einer erfreulich kurzen Umbaupause betreten Kadavar die Bühne. Der Raum ist mittlerweile völlig überfüllt und dementsprechend warm ist es. Ob der Ventilator, welcher vor Drummer Christoph Bartelt platziert ist, aus Stylegründen oder zur Abkühlung dort steht, kann ich nicht ausmachen. Ich hoffe aber inständig, dass Letzteres der Fall ist. Das Bühnenbild ist eigentlich nicht vorhanden. Hier wird noch vor dem Beginn des ersten Songs deutlich, dass die Musik im Vordergrund steht. Eine kurze Begrüßung, dann startet das Set mit Liquid Dream, einem der schnelleren Songs der Band. Grundsätzlich ist es nie verkehrt das Publikum mit einem krachenden Einstieg direkt auf seine Seite zu ziehen. Heute will dies aber nicht so recht gelingen und auch beim darauf folgenden Living in Your Head ist die Stimmung noch etwas verhalten. Danach starten Kadavar allerdings voll durch. Geboten wird ein guter Mix aus beiden Alben, wobei mir persönlich die Stücke vom selbstbetitelten Erstling aus dem Jahr 2012 besser gefallen. Mein Highlight ist heute auf jeden Fall Black Sun. Die Band versteht es einfach Stoner mit 70er Jahre Rock zu mischen, sodass eine angenehm psychodelische Stimmung den Raum erfüllt. Dazu trägt auch die Stimme von Frontmann Christoph Lindemann, welche sich perfekt in den Sound einfügt. Und wenn der gute Herr einmal nicht singt werden wohldosierte Instrumentalparts eingestreut. In den Pausen zwischen den Songs wird sich artig bedankt, die Ansagen wirken aber noch relativ verhalten. Die Band scheint noch etwas überrascht zu sein, wie viele Leute mittlerweile ihre Musik abfeiern. Oder wollen sie ein Image bewahren als coole, düstere Band aus Berlin? Man weiß es nicht und im Prinzip ist es auch egal, solang die Musik live weiter so unglaublich groovig daherkommt. Langsame Riffs, schleppend, doch niemals langweilig. Dabei kommen die Band und insbesondere der Bassist zwar ziemlich starr daher. Allerdings wäre es bei dieser Musik auch unangebracht wild über die Bühne zu springen. Zusätzlich zu den bereits bekannten Songs wird auch noch ein neuer zum Besten gegeben, welcher sich nahtlos ins Set einfügt und man muss sich einfach eingestehen, dass die Band mit ihrem Sound den Nerv der Zeit getroffen hat und der momentane Hype absolut gerechtfertigt ist. Mit Purple Sage beendet die Band vorerst ihr Set, um anschließend noch zwei weitere Songs zum Besten zu geben. Endgültig abgeschlossen wird das Set mit dem Kracher All Our Thoughts, welches das sehr angenehme Publikum ein letztes Mal zu härterem Kopfnicken verleitet. Insgesamt ist es trotz der beschriebenen Einstiegsschwierigkeiten ein sehr guter Gig und es wäre nicht verwunderlich, wenn Kadavar beim nächsten Konzert im FZW die größere der beiden Hallen füllen.

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