BERICHT: Ieperfest | 09.08.2012-11.08.2013, Ieper Belgien

BERICHT: Ieperfest | 09.08.2012-11.08.2013, Ieper Belgien

Ieper, eine kleine Stadt in Westflandern, wird einmal im Jahr zum Mekka für Hardcorefans. Obwohl auf der Website mit dem Namen „Ieper Hardcore Fest“ geworben wird, bedeutet dies keineswegs, dass nur das Genre Hardcore bedient wird. Auch Fans des Sludge, Post, Death oder Stoner Metal, Grindcore und Punk kommen auf ihre Kosten. Abwechslung ist also garantiert. Doch nicht nur auf musikalischer Ebene überzeugt das Festival. Es gibt Mülltrennung auf dem Campingplatz und Festivalgelände, eine Sammelstelle für Gegenstände und Essen, die nach dem Festival eventuell im Müll landen und so gespendet werden können und Kabinenduschen mit warmen Wasser. An dieser Stelle können/sollten sich davon einige andere Festivals, vor allem in Deutschland, mal eine große Scheibe abschneiden.

Donnerstag:

Der Donnerstag verlief wie jeder typische Festivalanreisetag. Die Fahrt zog sich allerdings aufgrund von Naviproblemen etwas in die Länge. Der Eingang zum Campingplatz, welcher direkt an das Festivalgelände grenzt, ist etwas verlegt worden, was aber keinen Nachteil nach sich zieht. Abends spielen noch im Jugendzentrum der Stadt vier Bands auf der Pre-Show, die ich allerdings nicht besuche.

Freitag:

Um viertel vor elf betrete ich zum ersten Mal das Festivalgelände. Das Gelände beinhaltet zwei Bühnen, die Main Stage und eine etwas kleineren Tent Stage, die abwechselnd bespielt werden, sodass es möglich ist, alle Acts zu gucken. Auf Absperrungen vor der Bühne wird verzichtet. Das Essensangebot besteht nur aus veganen Speisen, die aber allesamt ihr Geld mehr als Wert sind. Ich habe bisher auf keinem anderen Festival so leckeres Essen gegessen. Im Merchzelt ist jeder Band ein eigener Platz zugewiesen und zusätzlich noch Platz für einige Distros, sodass die Herzen aller Vinylsammler höher schlagen. Das auffälligste Zelt auf dem Gelände ist allerdings das „More Than Music“ Zelt. Dort gibt es Inormationen zum Thema Veganismus und Tierschutz, eine Ausstellung zum Thema Nationalsozialismus und viele Vorträge, unter anderem vom Greg Bennick, Sänger der Band Trial. Ein viel besprochenes Thema sind in diesem Jahr außerdem die Proteste in Brasilien während des Confed Cups, doch dazu später mehr. Insgesamt wird sofort deutlich, dass die Musik hier nicht alleine im Vordergrund steht. Doch nun zu der Bands:

Pünktlich um elf Uhr beginnen The Homeless ihr Set. Schon zu dieser für Festivalverhältnisse frühen Zeit zieht es knapp 200 Leute vor die Bühne. Insgesamt tummeln sich jeden Tag schätzungsweise 3000-4000 Leute auf dem Gelände. Man möge mir an dieser Stelle meine schlechten Fähigkeiten was das Schätzen angeht verzeihen. Die fünf Belgier machen Post-Hardcore im Stile von Pianos Become The Teeth und liefern eine ordentliche Vorstellung ab. Dem Festival Guide, der an jeder Kasse kostenlos erhältlich ist, entnehme ich, dass die Band gerade ihr Debütalbum released hat. Nach 25 Minuten ist der Spaß auch schon wieder vorbei. Die Spielzeiten sind allgemein kurz, was aber nicht weiter stört, da die meisten Bands auch bei Solokonzerte nicht länger spielen, als es ihnen hier gestattet wird.

Die Main Stage darf ebenfalls eine belgische Band eröffnen. Get Wise spielen recht Old School lastigen Hardcore und bringen mit ihren Breakdowns zum ersten Mal einige Zuschauer in Bewegung. Die Band wirkt insgesamt motivierter als bei ihrem ersten von mir besuchten Auftritt im April. Schließlich ist es für die Band sicher etwas Besonderes eine Bühne mit den später spielenden Black Flag zu teilen.

Im Zelt machen sich anschließend Hessian bereit für ihren Auftritt. Die Belgier liefern mit ihrem etwas düsternden Hardcore trotz anfänglich etwas schlechtem Sound eine gute Show ab. Bewegung ist hier fehl am Platz. Stattdessen lauscht die immer größer werdende Menge an Besuchern gebannt den vier jungen Herren. Wer auf Bands wie Oathbreaker steht, die einen Tag später an gleicher Stelle spielten, sollte die Band im Auge behalten.

Full of Hell sah ich bereits letztes Jahr auf ihrer Tour mit New Lows in Jülich. Damals scheiterte ein guter Auftritt am katastrophalen Sound. Heute sieht es soundtechnisch besser aus und dementsprechend ist der Auftritt für mich auch deutlich ansprechender als noch im November. Es ist bereits die dritte Europatour der Band. Dieses Mal ist man zusammen mit den noch folgenden Code Orange Kids und Circle Takes the Square unterwegs. Die vier Herren bieten Hardcore mit einer ordentlichen Portion Sludge. Vor allem die langsamen Sludgeparts sagen mir dabei zu.

Der heutige Tag ist im weiteren Verlauf geprägt von diversen alten Punk Bands. Im Zelt spielt mit Channel 3 die erste und gleichzeitig auch die schlechteste dieser Bands. Der Auftritt der in die Jahre gekommenen Herren plätschert ohne Höhepunkte vor sich hin. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass die Band vor der kleinsten Zuschauermenge des gesamten Wochenendes spielt.

Wieder im Freien erwartet mich nun das erste wirkliche Highlight des Wochenendes. Der Auftritt von Code Orange Kids aus Pittsburgh dauert zwar nur knapp 20 Minuten, aber die haben es wirklich in sich. Mit den Songs ihres Albums „Love Is Love // Return To Dust“ lassen sich ein Feuerwerk aus Hardcore und Sludge auf die Menge los, dass seinesgleichen sucht. Drei der vier Mitglieder beteiligen sich am Gesang. Dabei überzeugt vor allem das einzige weibliche Mitglied der Band. Der Rest der Zuschauer sieht es ähnlich wie ich und so erhalten Code Orange Kids durchweg positives Feedback. Da alle Bandmitglieder um die 20 Jahre alt sind, kann hier auch in Zukunft noch viel erwartet werden.

Noch ziemlich geflasht von der vorherigen Show geht der folgende Auftritt von Loma Pietra etwas an mir vorbei. Dabei bietet die Screamo Band aus San Francisco eine durchaus solide Show und kann heute auch sicherlich einige neue Fans für sich gewinnen.

Den folgenden Auftritt erwarte ich mit gemischten Gefühlen. Brutality Will Prevail aus Wales gaben gegen Ende letzten Jahres bekannt, dass Sänger Ajay Jones die Band verlassen hat und durch Louis Gauthier von Breaking Point ersetzt wird. Es ist das erste Mal, dass ich die Band mit neuem Sänger sehe. Zusätzlich wurde in der Zwischenzeit das neue Album „Scatter The Ashes“ veröffentlicht. Die Spannung ist also gleich doppelt so hoch. Der Auftritt ist auch geprägt von Songs des neuen Albums, wobei ältere Songs wie „Heavy Eyes“ zum Glück nicht vollständig aus der Setlist verschwunden sind. Der neue Sänger sorgt zwar für ordentlich Stimmung auf der Bühne und im Publikum, kann allerdings stimmlich nicht ganz mit dem alten mithalten. Hier ist noch Potential nach oben. Mit meinem Lieblingssong „Trapped Doors Moving Walls“ beenden Brutality Will Prevail ihr Set und spätestens hier kommt zum ersten Mal richtig Leben in die Zuschauermenge. Mosh, Stage Dives, Singalongs. Alles was das Herz begehrt.

Das Set der im Anschluss im Zelt spielenden Jucifer leidet am Anfang unter dem schlechten Sound, der sich im Verlauf des Sets bessert. Die Frau-Mann Kombination bietet Sludge der recht uneingängigen Kategorie. Ich bin hin- und hergerissen. Einige Parts gefallen sehr gut, während bei anderen ziemliche Ratlosigkeit herrscht. Insgesamt ist es aber doch ein ordentlicher Auftritt.

Auf der Main Stage spielt nun mit T.S.O.L. die nächste ältere Punk Band. Als erstes fällt dabei der recht dicke Frontmann auf, der statt einer Hose einen weiten Rock trägt. Musikalisch macht die Band da weiter, wo Channel 3 aufgehört haben. Viel spannender wird es allerdings auch nicht.

Circle Takes the Square sagen mir da mit ihrem experimentellen Screamo deutlich mehr zu. Die Band hat mit „Decompositions: Volume One“ ihr erstes Album seit 2004 veröffentlicht und präsentiert aus diesem nun einige Songs. Die Kombination aus weiblichen und männlichen Gesang gefällt auch live und so steht einem guten Auftritt nichts mehr im Weg.

Als Nächstes sind First Blood an der Reihe, deren Drummer sich drei Tage vor dem Abflug das Bein gebrochen hat. Ersatz wurde aber schnell gefunden. Geboten wird relativ stumpfer Hardcore, was für einen ziemlich vollen Pit sorgt. Stage Dives und Singalongs dürfen dabei natürlich auch zu keiner Zeit fehlen. Mir persönlich ist auch nach dem dritten Konzert der Band, das ich live sehe, nicht klar, warum diese so erfolgreich ist. Allerdings muss man sagen, dass es heute der beste der drei Auftritte ist und dass Sänger Carl Schwartz gute Aussagen tätigt und auf seinen Auftritt im More Than Music Zelt zu späterer Stunde hinweist.

Der Hard Rock mit einer Prise Stoner von Valient Thorr sagt mir nicht wirklich zu. Allerdings sorgen die Amerikaner für eine derart gute Stimmung im Zelt, dass man einfach gute Laune bekommen muss. Zudem gewinnt die Band den Award für die Bärte des Wochenendes.

Downset nehmen den Schwung vom vorherigen Set mit und bieten eine gute Show. Die alten Crossoverlegenden lassen sich dabei auch nicht vom dem guten Herren beirren, der nackt auf der Bühne einen Radschlag vollführt. Highlight ist für die meisten wahrscheinlich der letzte Song „Anger“, bei dem Sänger Rey Oropeza neben zahlreichen Besuchern auch tatkräftig von First Bloods Carl Schwartz unterstützt wird.

Die Finnen von Terveet Kadet können die Stimmung leider nicht aufrecht halten. Ihr recht eigenwilliger Hardcore wird schnell langweilig und so verlasse ich nach 20 Minuten das Zelt und statte dem Merchzelt einen Besuch ab.

Danach ist es wieder Zeit für eine Punkband. Adolescents stehen auf der Bühne und die Menge geht bei alten Hits wie „Amoeba“ steil. Die fünf Herren, denen man ihr fortgeschrittenes Alter deutlich ansieht, machen einen deutlich besseren Job auf der Bühne als T.S.O.L. und Channel 3. Richtige Begeisterungsstürme löst ihre Performance bei mir allerdings nicht aus.

Quizfrage: Wie bekommt man das Zelt innerhalb von 10 Sekunden komplett voll? Richtig. Man nimmt „Blitzkrieg Pop“ als Intro. Mit dem Hit der Ramones starten die Street Dogs in ihr Set. Die Band, deren Sänger Mike McColgan bei den Dropkick Murphys spielte, ist mit Gründungsjahr 2002 die jüngste der heute auftretenden Punkbands. Im Gegenzug liefern sie den meiner Meinung nach besten Auftritt aus dieser Reihe. Ihr rotziger Punk Rock geht gut ins Ohr und hebt die Stimmung im Zelt gewaltig. Während auf der einen Seite das Publikum einen Circle Pit um das Mischpult startet, erklimmt Mike McColgan beim nächsten Song das Bühnengerüst und singt von dort aus weiter. Die 40 Minuten Auftrittszeit vergehen so wie im Fluge.

Wieder draußen steht mit Face to Face die nächste Punkband in den Startlöchern. Es folgen 45 Minuten solider Punk Rock. Die Band um Frontmann Trevor Keith hat dieses Jahr mit „Three Chords And A Half Truth“ ihr mittlerweile zehntes Album veröffentlicht. Anders als bei dem vorherigen Auftritt von Adolescents bleibt das Publikum allerdings ziemlich ruhig und verhalten.

Im Zelt spielt anschließend Mondo Generator. Die Band um Nick Oliveri, seines Zeichens ehemaliges Mitglied von Kyuss und Queens of the Stone Age, kann mit ihrem Stoner Rock durchaus überzeugen. Nick Oliveri beeindruckt dabei vor allem mit seiner Stimme, die sowohl bei cleanen als auch bei gutturalem Gesang kein einziges Mal versagt. Allerdings habe mir noch ein Bisschen mehr erhofft. Bei anderen Bands hätte ich wahrscheinlich von einem wahnsinnig guten Auftritt gesprochen, aber an dieser Stelle waren die Erwartungen wohl doch ein Stück zu hoch.

Nun ist es Zeit für eine weitere Legende. Jello Biafra, ehemaliger Sänger der Dead Kennedys, entert mit seiner Band Jello Biafra and the Guantanamo School of Medicine die Bühne. Die Herr ist gut drauf und es werden neben eigenen Songs auch diverse Dead Kennedys Cover wie „Holiday in Cambodia“ oder „Nazi Punks Fuck Off“ gespielt. Die Dichte an Stage Divern hat mittlerweile ihr Maximum erreicht und selbst Herr Biafra lässt sich zu einem Bad in der Menge hinreißen. Ebenso lässt es sich der Sänger von Valient Thorr nicht nehmen einmalvon der Bühne zu springen. Etwas skurril wirkt hingegen die Bühnenperformance, da Jello Biafra wahlweise imaginäre Felsen durch die Gegend trägt oder imaginäre E-Mails schreibt. Der Stimmung tut das Ganze allerdings keinen Abbruch.

Horse the Band haben heute die Ehre, als letztes auf der Zelt Stage zu spielen. Die Erfinder des Nintendocore liefern wie immer eine ziemlich chaotische Show ab. Neben dem etwas verrückten Sänger ist es vor allem interessant dem Keyboarder bei seiner Arbeit zuzuschauen. Der gute Herr hämmert wirklich wie besessen auf die Tasten ein. Dadurch ergibt sich ein ziemlich einzigartiger Sound, der allerdings auch polarisiert. Mein Ding ist es nicht unbedingt, aber den meisten Leuten scheint es zu gefallen.

Nun ist es Zeit für Black Flag. Wie viele andere stehe ich der Reunion sehr skeptisch gegenüber. Berichte über einen Rechtsstreit bezüglich der Namensrechte rütteln stark am Denkmal, welches sich die Band errichtet hat. Die Show unterbietet noch meine ohnehin schon niedrigen Erwartungen. Sänger Ron Reyes ist während des gesamten Gigs nicht in der Lage die Songs gesanglich gut zu präsentieren. Natürlich feiern viele Leute trotzdem ihre in die Jahre gekommenen Punkhelden. Meiner Meinung ist es allerdings nur ein Trauerspiel. Als Black Flag nach „Rise Above“ zu einer Zugabe die Bühne betreten, habe ich es mir dementsprechend schon im meinem Schlafsack bequem gemacht. Der Abschluss eines guten Festivaltages sieht definitiv anders aus.

Samstag:

Der Tag beginnt mit einer Überraschung. Beim Gang durch das Merchzelt stelle ich fest, dass Devil in Me und DYS abgesagt haben und durch This Routine is Hell und Aborted ersetzt wurden. Für die kurze Zeit auf jeden Fall ein guter Ersatz.

The Tidal Sleep, eine von zwei deutschen Bands beim Ieperfest, dürfen heute das Festival eröffnen. Die Jungs, die PiN Lesern durchaus ein Begriff sein sollten (Review), sind zurzeit mit Xerxes auf Tour. Ihr melodischer Hardcore geht gut ins Ohr und macht auch einige müde Gesichter unter den Zuschauern schnell wieder munter. Ebenso wie schon am Freitag ist dies ein guter Start in einen langen Festivaltag.

Anschließend spielt mit Mostomalta die erste von einigen südamerikanischen Bands auf dem Festival. Die Band spielt recht gewöhnlichen Metalcore, nichts Besonderes, aber durchaus unterhaltsam. Alle Mitglieder sind Straight Edge und so werden natürlich diverse politische Themen und Veganismus angesprochen. Außerdem wird erwähnt, dass es nichts Vergleichbares in Südamerika gibt und wir uns glücklich schätzen können.

Zurück im Zelt stehen Xerxes auf der Bühne. Es ist heute der letzte Auftritt der Band, bevor es wieder zurück nach Europa geht. Der Sound der Band ähnelt dem ihres Tour Supports The Tidal Sleep, wobei diese ein großes Lob abbekommen. Die Bands scheinen sich sehr gut zu verstehen. Xerxes gefallen mir sogar noch einen Ticken besser als The Tidal Sleep. Der Gesang ist einfach noch eine Spur emotionaler. Jedem Fan von The Tidal Sleep kann ich diese Band nur wärmstens empfehlen.

Mit Clearview aus Brasilien steht anschließend die nächste südamerikanische Band auf der Main Stage. Neben schön straighten Hardcore a la Terror wird auch mehrfach auf die schlechte Situation in Brasilien aufmerksam gemacht. Mit dem Festival bietet sich für die Band eine große Bühne aus erster Hand darüber zu berichten, wie es dort zugeht.

Im Zelt spielen anschließend xViciousx, die ganz kurzfristig für Sectarian Violence eingesprungen sind, da diese Probleme mit ihrem Bus hatten. Die Band präsentiert sich als stumpfste Band des Festivals und der Gewaltlevel erreicht hier sein Maximum, was sicher nicht jedem gefällt. Für mich persönlich bieten die Jungs allerdings eine gute Show, wobei sie sicherlich auch den Heimvorteil voll ausschöpfen. Vor allem beim „All Will Suffer“ Cover von Shattered Realm herrscht eine super Stimmung.

Wieder draußen geht es weiter mit Ninebar, die allerdings eine erschreckend langweilige Performance ablieferten. Bis auf vereinzelte Tanzeinlagen ist die Stimmung auch dementsprechend im Keller. Zu keiner Zeit verspürt man in irgendeiner Form Druck oder Spielfreude hinter dem, was die Briten auf der Bühne abliefern. Es kann also nur besser werden.

Maudlin sind zwar mit ihrem Sludge eine deutliche Steigerung zur vorherigen Band, allerdings haben sie mit Soundproblemen zu kämpfen. Der Gesang ist zu leise und der Bass viel zu laut. Schade, denn hier wäre deutlich mehr drin gewesen. Ich werde der Band auf jeden Fall nochmal mit hoffentlich besserem Sound eine Chance geben.

Als Nächstes vertreten wie bereits gesagt This Routine Is Hell statt Devil in Me auf der Main Stage. Ihr Hardcore ist ähnlich dem vom Hessian, allerdings überzeugen sie mich weniger. Der Auftritt plätschert in der Mittagssonne etwas vor sich hin, da die Band schafft es einfach nicht schafft, die Leute in ihren Bann zu ziehen.

Danach zerlegen Magrudergrind das Zelt nach allen Regeln der Kunst. Ähnlich wie bei Code Orange Kids reichen auch hier 20 Minuten Spielzeit für einen exzellenten Auftritt aus. In dieser Zeit spielt die Band gefühlt 25 Songs. Ihr Grindcore/Power-Violence Mix überzeugt mich voll und ganz und auch die Stimme der Sängers kann sich wirklich sehen lassen. Bei der nächsten Europa Tournee werde ich auf jeden Fall anwesend sein.

Die Belgier von The Setup haben vor kurzem ihr Album „This Thing Of Ours“ veröffentlicht und stellen nun auch einige der Songs während ihres Auftritts vor. Nach Auftritten im Jahr 2010 und im März ist es das dritte Mal, dass ich die Band live sehe und es ist jedes Mal eine Steigerung erkennbar. Vor allem die deutlich erhöhte Publikumsbeteiligung tut der Band heute gut, deren Hardcore mir mittlerweile richtig gut ins Ohr geht. Eine weitere Steigerung ist wünschenswert.

Coffins aus Japan bieten eine ziemlich verrückte Show. Dazu trägt vor allem der Sänger bei, der die ganze Zeit mit einer Flasche Jack Daniels über die Bühne rennt. Der Mix aus Sludge, Doom und Death Metal gefällt gut, überzeugt mich aber nicht komplett. Das könnte allerdings wieder am Sound im Zelt gelegen haben, der ein weiteres Mal eher mau ist. Hier herrscht für nächstes Jahr auf jeden Fall auf jeden Fall Nachholbedarf.

Draußen beginnen nun Death Before Dishonor ihr Set. Die Songs der etwas prolligen Bostoner Hardcore Band sind allseits bekannt und dementsprechend herrscht von Anfang an reges Treiben vor und auf der Bühne. Egal ob „Born From Misery“, „Count Me In“ oder „Break Through It All“, die Menge tobt. Beim leicht veränderten Cock Sparrer Cover “Boston Belongs To Me” wird zum ersten Mal die Bühne gestürmt. Neben einigen Crowdsurfern auf der Bühne fühlt sich auch die erste Person des Tages dazu bewogen, sein Gemächt auf der Bühne der Öffentlichkeit zu präsentieren. Diese Besonderheit zieht sich durch die gesamte Veranstaltung, was aber nicht weiter stört. Die Band stört es ebenfalls nicht und so wird das Set anschließend wie gewohnt mit „666 – Friends, Family, Forever“ beendet und mit der Ankündigung, bald ein neues Album aufzunehmen.

Anschließend gibt es wieder Hardcore. Dieses Mal allerdings von der düsteren Sorte. Oathbreaker sind an der Reihe, deren neues Album „Eros / Anteros“ von Kollege Thiel bereits rezensiert wurde (Review). Natürlich werden auch neue Songs gespielt. Die Konversation mit dem Publikum beschränkt auf ein „Merci“ der Sängerin, deren Gesicht durch die lockige Haarpracht nicht zu sehen ist. Ein wenig erinnert sie mich an das Mädchen aus „The Ring“. Der Auftritt ist sehr gut und macht Lust auf weitere Konzerte der Band, die ich in den folgenden Wochen besuchen werde (inklusive Berichte).

Für die nächsten 40 Minuten regiert nun das pure Chaos. Municipal Waste spielen Thrash Metal mit einer guten Prise Hardcore, outen sich direkt am Anfang als große Hardcore Fans und begeistern die ganze Zeit. Da ist es kein Wunder, dass es Singalongs und Stage Dives am laufenden Band gibt. Der Sänger wirkt sogar etwas überrascht, dass immer wieder Leute auf ihn zukommen und ihm das Mikro entreißen. Die Songs an sich sind in keinster Weise ernstzunehmend. Es geht die meiste Zeit um Bier oder Party. Höhepunkt des ausgelassen Treibens ist sicherlich der letzte Song „Born to Party“, bei dem wie schon bei Death Before Dishonor die Bühne gestürmt wird. Insgesamt ein überraschend positiver Auftritt. Ich bin begeistert.

Die erste Frage, die ich mir stelle als ich anschließend das Zelt betrete, ist, seit wann Gerald Asamoah Crowbar Shirts trägt und in einer belgischen Grindcore Band singt. Der Sänger von Leng Tch’e sieht dem einstigen Fußballstar wirklich sehr ähnlich. Seine Stimme ist auch wirklich nicht von schlechten Eltern. Ultratiefe Growls und Pig Squeals am laufenden Band, wobei ihm nicht einmal die Stimme versagt. Respekt. Die anderen Bandmitglieder liefern ebenfalls einen guten Job ab und so vergehen die 40 Minuten Doublebass Gewitter wie im Fluge. Sehr gut ist auch der kurze Auftritt des Aborted Sängers, der prächtig mit dem Leng Tch’e Sänger harmoniert.

Draußen spielte anschließend für viele Besucher das große Highlight des Tages, vielleicht sogar des gesamten Wochenendes. E.Town Concrete aus New Jersey sind zum ersten Mal seit 2009 in Europa und spielen auf dem Ieperfest eine von drei exklusiven Shows. Während ihrer Show schaffen sie es einen guten Mix aus ruhigen raplastigeren Songs und Hardcore Songs zu liefern. Allerdings hätte ich bei Hits wie „So Many Nights“ doch etwas mehr Publikumsinteraktion erwartet. Mit ihrem wahrscheinlich bekanntesten Song „Mandibles“ beenden E.Town Concrete ihr Set und man kann nur hoffen, dass das nächste Wiedersehen nicht vier Jahre in Anspruch nimmt.

Dort, wo Leng Tch’e gerade aufgehört haben, machen Aborted nun weiter. Wieder fegt ein Doublebass Gewitter aller erster Güte über das Zelt hinweg. Aborted gehörten letztes Jahr für mich zu den Entdeckungen des Festivals und der Auftritt heute toppt den Auftritt von 2012 sogar noch. Ihr Mix aus Death Metal und Grindcore sei wirklich jedem Fan der extremeren Metalrichtungen ans Herz gelegt. Wer neugierig ist kann sich selbst im September von ihren Livequalitäten auf der Tour als Support von The Black Dahlia Murder überzeugen.

Culture, deren Sänger Damien Moyal auch bei Morning Again und As Friends Rust sang, spielen heute einen exklusiven Europaauftritt. Wahrscheinlich ist es die einzige Chance, diese Band in Europa zu Gesicht zu bekommen. Dementsprechend zieht es vor allem ältere Semester vor die Main Stage, um ihre Hardcore Helden aus früheren Zeiten zu sehen. Obwohl die Herren etwas statisch wirken, ist es eine gute Show. Ich bin wohl etwas zu jung und kenne nicht wirklich Songs der Band, langweile mich allerdings auch zu keiner Sekunde.

Mit Whitechapel tritt nun eine weitere Band auf, die nicht oft in Europa anzutreffen ist. Das liegt allerdings vor allem an den schon fast traditionellen Tourabsagen der Band. Für viele der jüngeren Besucher sicherlich ein wichtiger Punkt für das Erscheinen. Die Band präsentiert soliden Deathcore und wird von der ersten Minute an abgefeiert. Besonders auffällig sind dabei die drei Gitarristen. Allerdings erschließt sich mir nicht ganz, wozu diese benötigt werden und überhaupt kann ich mir nicht wirklich mit der Band anfreunden. Dann doch lieber reinen Death Metal.

Was mich anschließend allerdings auf ganzer Linie überzeugt ist der Auftritt der alten Grindcore Legenden von Napalm Death. Die Band deckt mit ihren Songs nahezu die komplette Diskographie ab. Bei der durchschnittlichen Songlänge sind die 45 Minuten Spielzeit dafür auch völlig ausreichend. Als Zusatz gibt es noch ein „Nazi Punks Fuck Off“ Cover, welches am Vortag bereits von Jello Biafra vorgetragen wurde. Nach dem letzten Song kann ich mich nur fragen, warum ich diese Band heute zum ersten Mal gesehen habe. Ein großer Fehler.

Headliner der Tent Stage sind heute Catharsis aus den USA. Zunächst fallen vor allem die unendlich langen Dreads des Frontmannes auf. Dieser ist die ganze Zeit in Bewegung während die anderen Bandmitglieder ein Soundmix aus Metalcore und Punk kreieren, den ich in dieser Form so noch nicht gehört habe. Mehr als bei allen anderen Bands geht es Catharsis um Politik. Der Sänger prangert das politische System an und berichtet von Freunden, die unschuldig im Gefängnis sitzen. Hier wird neben der Musik zum Nachdenken angeregt.

Anschließend folgt mit den Cro-Mags der Abschluss des Tages. Meine einzige Begegnung mit der Band war 2009 auf einem Metalfestival mit Absperrung und dementsprechend bin ich sehr gespannt. Leider sind Cro-Mags die einzige Band des gesamten Festivals, die die Zuschauer warten lässt. Mit 15 Minuten Verspätung beginnt die Band dann ihr Set und von der ersten Minute ist die Menge in Bewegung. Unzählige Stage Diver begleiten das Set zu Hits wie „Street Justice“ oder „Show You No Mercy“. Zusätzlich zu den Zuschauer gucken auch diverse andere Bands von der Bühne aus ihre Helden. Besonders hervorzuheben ist dabei der Sänger von Death Before Dishonor, dem der Spaß anzumerken ist und der am liebsten selbst alle Songs singen würde. Mit „Hard Times“ beenden die Cro-Mags nach knapp 35 Minuten ihr Set. Meiner Meinung nach hätten es auch ruhig noch 3-4 weitere Songs sein dürfen.

Sonntag:

Den letzten Tag eröffnete die schwedische Band Grieved, die mir von allen Bands, die die tage eröffnet haben, am besten gefällt. Vom Sound her ist die Band relativ gut mit den am Freitag spielenden Hessian vergleichbar. Bewegung im Publikum ist nicht vorhanden, aber auch völlig fehl am Platz bei dem düsteren Hardcore, der ganz ohne Breakdowns auskommt.

Draußen bietet sich dann ein völlig anderes Bild. Der Sound der Amerikaner von Revenge lädt geradezu zum bewegen ein. Dementsprechend ist trotz eines kräftigen Regenschauers einiges los vor der Bühne. Ihr Sound orientiert sich an modernen Hardcore Bands wie Expire und Suburban Scum mit einigen eingestreuten Metalriffs. So ist es auch nicht verwunderlich, dass als Outro des letzten Songs plötzlich die Töne von Slayers „Raining Blood“ ertönen, was nun auch wirklich den letzten Besucher wachrüttelt.

Wieder im Zelt ist mit No Omega eine weitere schwedische Band an der Reihe. Diese hatte ich im Frühjahr in Mülheim leider verpasst, sodass mir die Bestätigung für das Ieperfest sehr gelegen kam. Die Band präsentiert ähnlichen Hardcore wie ihre Vorgänger von Grieved. Sie findet großen Anklang beim Publikum und ist davon sichtlich gerührt. Im Nachhinein ärgert es mich sie nicht im Frühjahr gesehen zu haben, aber die nächste Europatour lässt sicher nicht lange auf sich warten.

Als nächste Band machen sich Wolf Down aus Duisburg bereit für ihren Auftritt. Gone To Waste Sänger Lukas ist auch heute wieder am Bass vertreten. Im Vorfeld war ich etwas skeptisch, ob die Bühne nicht etwas zu groß ist für die Band, aber sie belehren mich eines Besseren. Vor der ersten Minute haben sie das Publikum voll unter Kontrolle und es finden sich einige textsichere Fans vor der Bühne ein. Sehr schön finde ich, dass trotz des gerade erschienenen Albums „Stay From The Path“ auch ältere Sachen gespielt werden. So wird das Set auch immer noch mit „Rot“ beendet, welchen ich weiterhin für den besten Song der Band halte.

Mit O Inimigo steht nun die erste südamerikanische Band des Tages in den Startlöchern. Die Band wirkt ziemlich nervös aufgrund der für ihre Verhältnisse wohl großen Menschenmenge und so verpasst der Sänger direkt beim ersten Song seinen Einsatz. Danach läuft allerdings alles glatt. Der melodische Hardcore geht gut ins Ohr und in den Pausen wird ein weiteres Mal die Thematik in Brasilien angesprochen. Die Band wirkt sehr sympathisch und dankbar für die Chance auf einer so großen Bühne zu stehen.

Draußen spielt mit Questions die letzte südamerikanische band des Wochenendes und leider auch die schlechteste. Ihr Hardcore ist auf Dauer wirklich sehr langweilig und lässt mich vollkommen kalt.

Ganz anders sieht es da mit der nächsten Band aus. The Black Heart Rebellion haben als Belgier heute Heimspiel und nutzen diese Tatsache auch vollkommen aus. Ihr Mix aus Post-Rock, Sludge und Screamo überzeugt mich ab der ersten Minute. Die Songs sind lang, aber zu keiner Zeit langweilig und die Stimme des Sängers ist sowohl bei cleanen als auch gutturalen Gesang überzeugend. Leider ist die Spielzeit mit 40 Minuten viel zu kurz bemessen.

Im Anschluss bieten Jungle Rot eine halbe Stunde lang guten Old School Death Metal. Die Musik ist vielleicht nicht besonders abwechslungsreich, aber erfüllt seinen Zweck vollkommen und lässt die Herzen der doch recht beachtliche Anzahl von Metalanhängern höher schlagen.

Im Zelt sind nun Reproach aus Belgien an der Reihe. Die Musik der Band erinnert mich an eine metallische Version von True Colours. Kurze, schnelle Songs, die einen direkt mitreißen. Natürlich haben sich auch hier wieder viele Fans vor der Bühne versammelt und brüllen eifrig die Texte mit. Reproach haben heute wirklich leichtes Spiel und die 25 Minuten Spielzeit sind auch völlig ausreichend.

Mit Lenght Of Time geht nun eine alte belgische Metalcore Legende an den Start. Die Musik ist vor allem geprägt durch die ziemlich brutalen Breakdowns, die allerdings immer sehr vorhersehbar sind. Zu vorhersehbar, wie ich finde. Der Auftritt verliert nach starkem Beginn schnell den Druck und so begebe ich mich etwas verfrüht wieder ins Zelt, um mich dort kurz sitzend etwas auszuruhen.

Dort spielen nun Leftöver Crack, deren Punk Rock allerdings auch wenig spannend ist. Der Auftritt plätschert vor sich hin und ich fühle mich zu keiner Zeit dazu bewegt, meine Sitzposition zu verlassen.

Anschließend spielen Evergreen Terrace, bei denen ich davon ausgegangen bin, dass sie leichtes Spiel haben werden. Doch weit gefehlt. Zu Beginn des Sets sucht man gute Stimmung vor der Bühne vergebens. Der sehr melodische Hardcore der Band aus Florida scheint nicht zünden zu wollen, was auch daran liegen könnte, dass die meisten Anwesenden die Band schon mehrfach gesehen haben und es nichts Besonderes mehr ist. Das und die Tatsache, dass der Sound zu wünschen übrig lässt, machen den Auftritt der Band zum Schlechtesten, den ich bisher von ihnen gesehen habe. Trotzdem kommt im Verlaufe des Sets etwas Stimmung auf, die mit dem letzten Song „Chaney Can’t Quite Riff Like Helmet’s Page Hamilton“ ihren Höhepunkt findet.

Steak Number Eight wurden mir vor einigen Wochen von einem Freund empfohlen und die Band gefiel mit auf Anhieb. Entsprechend hoch sind meine Erwartungen während ich das Zelt betrete.Die erste Überraschung ist das Alter der Herren. Keiner wirkt älter als 20 Jahre. Dem Auftritt der Band merkt man das junge Alter allerdings zu keiner Sekunde an. Völlig professionell spielen sie ihr Set runter und liefern einen der besten Auftritte des heutigen Tages. Ihr Post-Metal/Sludge Mix funktioniert auch live wunderbar. Besonders hervorzuheben ist dabei der Sänger, dessen Stimme sehr ausgereift klingt für seine jungen Jahre. Auch das Reißen seines Gitarrengurtes bringt ihn dabei nicht aus dem Konzept und so wird der Gurt von einem freundlichen Helfer kurzerhand mit Klebeband wieder fixiert. Später wird allerdings doch die Gitarre gewechselt. Insgesamt ist es ein sehr guter Auftritt und ich werde wohl noch einige Konzerte der Band besuchen.

Als nächste Band spielen Integrity auf der Main Stage. Ihr heutiger Auftritt gefällt mir besser als der vor zwei Wochen in Duisburg, was aber auch an den Temperaturen liegen könnte, die heute im Gegensatz zum Auftritt in Duisburg im erträglichen Rahmen liegen. Der Sound der Hardcore Band hebt sich durch einen starken metallischen Klang und viele Soli vom Standardsound ab. Der einzige kleine Kritikpunkt an dem durchweg guten Auftritt ist, dass Sänger Dwid Hellion trotz zahlreicher textsicherer Fans das Mikro nicht abgibt. Etwas mehr Interaktion mit dem Publikum wäre hier schön gewesen.

Wieder rein ins Zelt zu No Turning Back, zum vierten Mal dieses Jahr. Diese Band liefert in meinen Augen immer gute Auftritte ab. Egal ob kleine Halle, große Halle oder eben auf einem Festival. Nach kurzem Intro beginnt die Band wie eigentlich immer mit „Take Your Guilt“ und direkt geht die Menge steil. Sänger Martijn macht direkt am Anfang mit der Aussage „This mic is yours“ klar, was er erwartet und er wird nicht enttäuscht. 35 Minuten lang gibt es Singalongs und Stage Dives am laufenden Band. Nach dem letzten Song „Do You Care“ freue ich mich schon auf weitere Auftritte dieses Jahr. Diese Band wird einfach nie langweilig.

Alles andere als spannend ist dagegen der folgende Auftritt von I Killed the Prom Queen. Die Band feierte 2011 ihre Reunion und ist seitdem ohne Gründungsmitglied J.J. Peters unterwegs, der bekanntermaßen mittlerweile bei den Deez Nuts singt und dort sehr erfolgreich ist. Der Auftritt bietet kaum Überraschungen und vor allem beim cleanen Gesang stimmt einfach nichts. I Killed the Prom Queen hätten sich an dieser Stelle ein Beispiel an Unearth nehmen sollen, die letztes Jahr mit ihrem Auftritt den Platz vor der Main Stage in Schutt und Asche gelegt haben. In dieser Form wäre die Reunion nicht notwendig gewesen.

Orange Goblin sorgen anschließend im Zelt für ordentliche Stimmung. Der Sänger ist richtig gut drauf und trinkt augenscheinlich jedes Getränk, dass ihm aus den ersten Reihen angeboten wird. Dabei vergisst er aber natürlich das Singen nicht. Der Stoner Rock/Metal der Band trägt zum positiven Gesamtbild bei, sodass auch kurzzeitige Soundprobleme verschmerzen lassen.

Der Auftritt von Malevolent Creation wurde groß angekündigt, da es neben dem Auftritt beim Brutal Assault in Tschechien nur einer von zwei Europaauftritten der Band ist. Die Zuschauer scheint das aber wenig zu interessieren, denn die Band spielt vor einer erschreckend kleinen Anzahl von Besuchern, die anscheinend entweder schon gefahren sind oder vor dem heutigen Headliner Madball auf dem Campingplatz nicht etwas entspannen. Dabei bieten Malevolent Creation schönen Old School Death Metal mit einigen Solis. Den häufigen Aufforderungen der Band nach Bewegung kommt auch kaum jemand nach und so ist es doch schon etwas tragisch, dass die Band so wenig Zuspruch bekommt.

Im Zelt folgt nun das Highlight des ganzen Wochenendes. Mit Amenra darf eine einheimische Band als letztes band des Wochenendes die Tent Stage abschließen. Und was ist das bitte für ein Abschluss nach Maß? Normalerweise versuche ich sachlich zu bleiben, aber an dieser Stelle fällt es mir sehr schwer, dass nicht der große Fanboy in mir durchkommt. 50 Minuten lang gibt es Sluge/Post-Metal vom Allerfeinsten. Zu Anfang sieht man durch eine dichte Nebelwand die Band nur schemenhaft. Im Hintergrund werden Videos sichtbar von Wäldern und langsam setzt die Musik ein. Noch ist es ruhig. Sänger Colin steht mit dem Rücken zum Publikum, keine Begrüßung, nichts. Doch dann folgt der erste Ausbruch. Während die langsamen, schweren Riffs einem durch Mark und Bein gehen, schreit sich der Sänger die Seele aus dem Leib. Qualvoll wirkt er, aber doch voller Energie. Weiterhin sieht man allerdings nur den Rücken. Dann ist es wieder ruhig. Neben den ruhigen Klängen herrscht Stille im Zelt. Ich blicke mich um. Viele Leute stehen mit geschlossenen Augen da, möchten das Erlebte ganz für sich vereinnahmen und wippen nur ein wenig mit den Köpfen. Danach der nächste Ausbruch. Und das Schauspiel wiederholt sich, immer und immer wieder. Ich bin wie hypnotisiert. Dann wendet sich Colin dem Publikum zu. Nur kurz ist sein Gesicht zu sehen und schon steht er wieder mit dem Rücken zu uns. Während sich das Szenario der Videos mittlerweile von Wäldern zu Schienen gewandelt hat, setzen Amenra zum letzten Song an. Die Band holt nochmal alles aus sich heraus und liefert den gewaltigen Abschluss ihres Sets. Nachdem der letzte Ton erklungen ist, gibt es minutenlangen Applaus. Beim Verlassen des Zeltes sehe ich Hunderte Leute, die vor der Main Stage stehen und auf Madball warten. Am liebsten würde ich zu jedem einzelnen von ihnen gehen und ihm erklären, dass er gerade den besten Auftritt des Wochenendes verpasst hat. Stattdessen zieht es mich aber lieber ins Merchzelt zum Tisch von Amenra.

Zum endgültigen Abschluss spielen Madball auf der Main Stage. Die Band ist heut besser drauf als noch vor ein paar Monaten in Essen auf der Rebellion Tour. Wirklich begeistern können mich ihre Auftritte allerdings nicht mehr. Zusätzlich bin ich auch immer noch überwältigt von dem Auftritt von Amenra. So mache ich mich nach „Set It Off“ langsam auf den Weg zum Auto und verabschiede mich somit vom Ieperfest 2013.

Insgesamt war es wieder ein sehr gutes Festival, wenngleich es nicht ganz an das Vorjahr anknüpfen kann. Allerdings bietet das Festival mit seiner durchweg guten Organisation, dem leckeren Essen und der sehr guten Stimmung genug dafür, dass es mich im Jahr 2014 bei einem vergleichbaren Line Up wieder nach Ieper verschlagen wird. Meine zugegeben etwas übertriebenen Wünsche für das nächste Jahr: Down, Neurosis, Modern Life Is War

Fotos gibt es bei Stefaan Temmerman

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Über den Autor: Marc Michael Mays

Hallo. Ich habe 2012 Pretty in Noise gegründet, bin 41 Jahre jung. Mein Beruf ist Textildrucker und Musikredakteur.

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