Wenn Portugal. The Man durch Deutschland reisen, packen sie traditionell die Österreicher von Steaming Satellites mit in den Tourbus.


Nicht nur die Transportmittel, auch die Konzerthallen wachsen im Laufe der Zeit: Vor neun Jahren spielt man gemeinsam vor vielleicht dreihundert Leuten im 59to1, heute platzt selbst die ungleich geräumigere Muffathalle aus allen Nähten. Doch Steaming Satellites wissen mit der Menschenmasse umzugehen. Dass der Sound der Salzburger unweit der US-Amerikaner zu verorten ist, beschert ihnen auf der diesjährigen Tour ein Heimspiel nach dem anderen. Gesanglich erinnert die Band bisweilen an die Kings of Leon, aber auch dem aktuellen Austro-Pop-Boom zollt sie Tribut. Dem Publikum gefällt‘s, der klare, warme Klang in der Halle trägt seinen Teil dazu bei.

Portugal. The Man sind nach ihrer Tour mit Casper kein unbeschriebenes Blatt mehr in hiesigen Gefilden. Spätestens mit dem Release der Hitsingle „Feel It Still“ inklusive massig Airplay in TV und Radio kommt der Fünfer aus Portland im Mainstream an. Entsprechend jung gestaltet sich das Publikum, das in der Umbaupause Bierholen geht, um sich auf die anstehende Party einzustimmen. Portugal. The Man jedoch pfeifen auf Erwartungshaltungen, starten mit einem Instumental-Cover von Metallicas „For Whom The Bell Tolls“ und schieben „Another Brick In The Wall“ von Pink Floyd hinterher, das auf halber Strecke in „Purple Yellow Red and Blue“ mündet.

Über die raumhohe, weiße Leinwand hinter der Band flimmern Visualisierungen der Songs, die oft über Lavalampen- oder Windows-Media-Player-Charme hinausgehen: Totenköpfe kreisen über Berglandschaften, 3D-gerenderte Extremitäten wachsen aus körperlosen Köpfen und kahlköpfige Frauen in Lederoutfits kokettieren mit reichlich Oberweite. Wen das noch nicht ausreichend verstört, der darf spätestens bei „Feel It Still“ kapitulieren, das Portugal. The Man mit psychedelischem Rock und ordentlich Hall über dem Gesang unbrauchbar fürs Radio machen.

PTM stoßen ihr Publikum sichtlich vor den Kopf – junge Damen mit taghellen Smartphone-Displays vor dem Gesicht beenden ihre Snapchat-Storys und stopfen die Handys enttäuscht in ihre ausladenden Taschen. Dass es vom poppigen „Woodstock“ lediglich drei Songs zu hören gibt, überrascht im Laufe des Sets kaum. Auch auf Songs der ersten beiden Alben verzichten John Gourley und Co. komplett, stattdessen gibt es einen Querschnitt der restlichen Alben und ausufernde Jams, die nur im ersten Moment spontan klingen.

Die Show ist nämlich von vorne bis hinten durchchoreografiert: Die Muster auf der Leinwand blubbern im Takt der Musik vor sich hin, die Band hält sich unauffällig links und rechts davon. Wann immer der Sound dezent rockiger wird, wandern Gourley oder Zachary Carothers zur Mitte der Bühne in den Lichtkegel des Beamers, was die Silhouette der beiden Frontmänner überlebensgroß auf die Leinwand wirft – einfach, aber effektiv. Sogar die Instagram-Mädels holen PTM mit einem „Don‘t Look Back In Anger“-Cover zurück ins Boot, bevor sie mit der Zugabe ein Set beschließen, das weitaus mehr nach Woodstock klingt, als das gleichnamige, aktuelle Album der Indie-Rocker.

Selten genug, dass Bands live wirklich überraschen. Portugal. The Man fordern ihr Publikum regelrecht heraus. Wer sich auf die mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitete Show einlässt, bekommt ein audio-visuelles Erlebnis, das selbst nach Ende des Konzerts nicht so recht loslassen will.