Grunge ist nicht tot. Möglicherweise ist er etwas eingestaubt und in mancherlei Ohren etwas in Vergessenheit geraten, aber tot ist er ganz sicher nicht. Das haben uns Pearl Jam am vergangenen Dienstag in der Frankfurter Festhalle eindrucksvoll erwiesen.

Über 30 Jahre ist es her, dass Pearl Jam Frankfurt zuletzt besucht haben. Sie sind die letzten Überlebenden des Grunge. Und so hat sich der Abend auch ein bisschen angefühlt. Das sehr bunt gemischte Publikum hat es genossen und bereitwillig mitgesungen, gesummt und gehüpft. „Yeah, I’m still alive!“ – Frontmann Eddie Vedder schreit es in die Menge und alle schreien zurück. Das ist wirklich etwas, was ich an Pearl Jam sehr liebe: Es entsteht sofort ein verbindendes Gemeinschaftsgefühl. Auch noch nach so vielen Jahren. Ihr erfolgreiches Debüt-Album Ten begleitet uns nun schon viele Jahrzehnte. Und hat dabei nichts an Aktualität eingebüßt.

13.000 Menschen haben sich am Dienstag in der ausverkauften Frankfurter Festhalle zusammengefunden, um gemeinsam das „Wir leben noch“-Gefühl zu spüren. Und das ist sehr gelungen. 57 Jahre ist Eddie Vedder nun alt und charismatisch wie eh und je. Die alten und neuen Songs kamen gleichermaßen sehr gut an. Direkt mit dem Opener Inside Job hatte er die Menge schon im Griff und spätestens beim wilden Why Go bebte die Halle. Das Bühnenbild war schlicht gehalten – einfach Band und Musikinstrumente – mehr braucht es bei Pearl Jam auch nicht. Vedders Stimme ist ungebrochen phänomenal. Mike McCready legte an der Lead-Gitarre großartige Solos hin. Und Matt Cameron am Schlagzeug ist ohnehin eine Klasse für sich. Vermisst auf der Setlist habe ich ganz klar Black und Even Flow. Aber lange konnte ich darüber nicht traurig sein – bekam ich doch stattdessen Klassiker wie Jeremy, Alive und State Of Love And Trust. Und plötzlich war ich wieder 16. Melancholisch wurde es dann bei Garden und Indifference – für mich die Hymne meiner Jugend. Und mit Better Man hatten wir einen ganz besonderen Mitsing-Moment.

Pearl Jam | (c) Marlen Greb

Eddie Vedder wäre nicht Eddie Vedder, wenn er nicht ein paar gesellschaftskritische Wort an die Menge gerichtet hätte. Recht hat er. Und er schafft es, Themen wie Krieg, unser Miteinander und „passt auf Euch auf“ auszusprechen, ohne dabei pathetisch oder aufgesetzt zu wirken. Drama steht Pearl Jam nicht. Sie sind einfach echt und authentisch.

Gegen Ende des Sets wurden wie immer großzügig Plektren und Tambourins in die Menge geworfen. Als die Band die Bühne verließ (nicht ohne sich vorher stilecht gemeinsam zu verbeugen) wurden sie gebührend gefeiert und beklatscht. Ganz wie sich das gehört. Grunge ist definitiv nicht tot. Vielen Dank Pearl Jam für den Ausflug in meine Jugend. Bitte kommt bald zurück.

Titelbild: Pearl Jam | (c) Marlen Greb

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