BERICHT: Patrick Walker (40 Watt Sun) im KuBa in Jena

BERICHT: Patrick Walker (40 Watt Sun) im KuBa in Jena

Nach coronabedingter Verschiebung ist es endlich soweit und das aus dem letzten Jahr übrig gebliebene Solo-Konzert von Patrick Walker (40 Watt Sun) im Kulturbahnhof (KuBa) in Jena steht im Kalender.

Die Vorfreude ist groß und auch die Location ist überregional noch wenig bekannt. Der Charme der 70er-Jahre packt einen sofort, wenn man sich dem im Dornröschenschlaf befindenden praktisch gestalteten Betonklotz am Spitzweidenweg direkt am Jenaer Saalbahnhof, der den Musikclub beheimatet, nähert. Wenn man früh genug da ist, gibt es sogar noch kostenfreie Parkplätze auf den Vorplatz. Im gleichen Gebäude-Komplex, rechts neben dem Music-Club, befindet sich ein kleines und von außen Unscheinbares aber sehr feines asiatisches Restaurant (Wok’n Roll). Unbedingt ausprobieren.

Der Music-Club Kulturbahnhof (KuBa) wirkt mit seinen vielen älteren Konzertplakaten auf dunkler Holzverkleidung und der ansprechenden Thekenanlage auf den ersten Blick direkt sehr einladend und versprüht leichten Anarcho-Touch. Das man hier eher progressives und diverses Publikum antreffen würde, war ohnehin klar.

Heute steht ein „Couchkonzert“ an und der Bereich vor der Bühne ist mit vielen schwarzen Ledercouchen sowie einigen Stühlen gefüllt. Das auf 45 Sitzplätze limitiert Konzert ist komplett ausverkauft, wobei die bequemen Sitzgelegenheiten direkt zu einer entspannten und erwartungsvollen Atmosphäre führen.

Wer Patrick Walker kennt, weiß, dass er kein Mann vieler Worte ist und daher beginnt das Konzert ohne große Ankündigungen. Mit einem kurzen Hello in Richtung Publikum wird eine von zwei auf der angenehm spärlich dekorierten Bühne stehenden Gitarren zur Hand genommen und Walker beginnt direkt mit dem Track Colours aus dem letzten Album Perfect Light (2022).

Nach zwei weiteren Songs erzählt Patrick Walker dann doch kurz vom Tourauftakt am Vorabend in Hamburg, wo er – während Metallica das Volksparkstadion füllte – in einem ehemaligen Stripclub auf St. Pauli vor nicht allzu vollem Haus gespielt habe. Im Hinblick auf das „Couchkonzert“ wünschte sich der Künstler zudem, dass nicht alle der Zuhörer:innen angesichts seiner Songs sanft entschlafen werden.

Es folgen Tracks sowohl aus dem aktuellen Album als auch den Vorgängeralben The Inside Room (2011) und Wider Than The Sky (2016). In den wenigen Wortbeiträgen wird klar, dass Walker eher der introvertierte Künstler ist, der auch über sich selbst lachen kann, wenn er sich darüber lustig macht, dass seine Musik in Schubladen gesteckt wird oder dass er schon am zweiten Abend der Tour über Rückenschmerzen klagen muss. Zum Finale vor der Pause der obligatorische Songwunsch aus dem Publikum, der auf den Jason Molina-Klassiker Lioness fällt, was Patrick Walker mit der selbstironischen Bemerkung, dies sei der einzige Song in seiner Setlist, den er nicht geschrieben hat, kommentiert.

Nach der kurzen Pause, die man sowohl fürs Shopping am Merchandise-Stand als auch für einen kurzen Plausch mit dem Künstler nutzen konnte, ging es auch schon weiter mit erneut kraftvollen und schmerzvollen Songs, die tiefen Einblick in des Künstlers Seelenleben gewähren. In der guten Setliste für das Konzert waren selbstverständlich neben den Single-Auskopplungen insbesondere die Highlights der drei Alben, aber auch der eine oder andere Geheimtipp, enthalten.

Nach über 120 Minuten war das Konzert mit einer Zugabe vorbei und man konnte in lauter glückliche Gesichter blicken. Patrick Walker, der nicht nur ein begnadeter Gitarrenspieler, sondern auch ein guter Sänger ist, versteht es mit seinen intimen und oft schmerzhaften Songs zu berühren, auch wenn vieles in sehr ruhigem und eher gleichem Arrangement daherkommt.

Rundherum ein wunderbar gelungenes Konzert in einer tollen wenig bekannten Location, die man unbedingt öfters besuchen sollte.

Titelbild: Patrick Walker (40 Watt Sun) | (c) Richard Kilian

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Von Veröffentlicht am: 02.06.2023Zuletzt bearbeitet: 02.06.2023596 WörterLesedauer 3 MinAnsichten: 807Kategorien: EventsSchlagwörter: , 0 Kommentare on BERICHT: Patrick Walker (40 Watt Sun) im KuBa in Jena
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Über den Autor: Richard Kilian

"Das Leben ist zu kurz für schlechte Musik" Wer mit Stephen King, Charles Bukowski, Andrew Vachss und Elmore Leonard sowie Marillion, Cigarettes after Sex, Motorpsycho, The Jayhawks, Sufjan Stevens, Rush und God is an Astronaut etwas anzufangen weiß, der ist bei mir richtig.

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