Leuchtende Einhörner, Sonnenkostüme, Augenkostüme, bunte Perücken, aufgeblasene Fliegenpilze und Regenbogen, Konfettistürme und unzählige bunte Luftballons, um nur Teil des Fuhrparks aufzuzählen, den die Flaming Lips am 23.1 im Huxleys Neue Welt in Berlin auffahren.


Das klingt nach Kindergeburtstag und nach Zirkus, nicht unbedingt nach dem Konzert einer Band, die sich nicht ausschließlich dem Spaß verschrieben hat. Die Gefahr des Overkills liegt da natürlich nahe, man kann auch berechtigt fragen, ob es bei dem Spektakel überhaupt noch groß um die Musik geht. Das Erstaunliche und auch Erfreuliche am besagtem Abend in der Neuköllner Location ist, das es doch sehr wohl um die Musik des Abends geht und auch steht. Allem Spektakel und allen Effekten zum Trotz. Es handelt sich auch nicht bloß um einen Vorgang des visuellen „Aufpeppen“ des Konzerts und der Songs, vielmehr handelt es sich um ein stimmiges Zusammenspiel der Musik und der Show. Die sieben Musiker um Sänger Wayne Coyne stellen den opulenten Klangflächen der Flaming Lips entsprechende, ebenbürtige Bilder entgegen: Keine Konkurrenz der Musik oder der Show, die beiden Elemente halten sich mit einer Betonung auf das Klangliche trotzdem in der Waage. Ein Balance-Akt, der Respekt verdient und auch die Zuschauer begeistert. Eine Rockoper oder ein Gesamtkunstwerk liefern die Flaming Lips deshalb zwar auch nicht ab, aber das ist auch gut so. Stattdessen leuchten sie Rauschzustände visuell und akustisch aus.

Auf der Setlist standen ausschließlich Songs der bekannteren Alben wie The Soft Bulletin, Yoshimi Battles The Pink Robots und At War With The Mystics: Songs wie Race For The Prize, Do You Realize oder Pompeii am Götterdämmerung – dem Tod Jaki Liebezeits gewidmet . Dazu drei Titel des aktuellen Albums Oczy Mlody. Die große, karriereüberspannende Werkschau ist das nicht, dafür gibt es ein gelungenes Cover von Bowies Space Oddity und überhaupt: Die insgesamt dreizehn Songs werden dafür musikalisch wie eben auch Show-technisch live weiter ausgearbeitet. Die Lips nehmen sich Zeit, für das was sie dem Berliner Publikum präsentieren. Gut so. Höchstens ein letztes Quäntchen Kraft fehlt Frontmann Wayne Coyne stellenweise in der Stimme. Umbauten in Requisiten und Umzüge Coynes finden quasi auf der Bühne, stellenweise fast noch in einzelnen Songs statt: Das offenbart ein Schulterzucken der Band, gegenüber Konventionen des überdimensionierten, oftmals leblosen Popspektakels, welches ohne aufgeblasene Show kaum auskommt. Keine überprofessionalisierte, leblose Routine-Show, deren Ecken und Kanten abschliffen worden sind. Das ist es auch, was die Lips letztlich an diesem Abend so sympathisch und beeindruckend macht: Das bodenständige, auch leicht chaotische, aber hochkreative Treiben auf der Bühne, wenn Band und Techniker auch mitten im Song damit beschäftigt sind, Luftballons zurück ins Publikum zu werfen und Regenbögen auspacken & aufpusten – und die musikalische Darbietung dabei trotzdem konzentriert bleibt. Auch die Eröffnungsansage: Wayne Coyne begrüßt alleine das Publikum, macht ein paar Späße, erkennt mitreisende und kostümierte Fans im Publikum, stellt die Band vor und kündigt mehrmals den Konzertbeginn an, bis schließlich alle auf der Bühne sind.

Und ganz besonders groß sind die Momente, in denen die Bandmitglieder einfach von selber strahlen und lachen, ganz einfach Freude am Wahnsinn haben, den sie mit ihrem Publikum im Huxleys Neue Welt teilen und feiern. Und davon gibt es auf der Bühne reichlich zu sehen. Schade, dass es sich dabei um das einzige Deutschland Konzert handelt.

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