Cave In gastieren im Oktober im Dortmunder JunkYard.

Unter dem Namen Celestial spielten Aaron Turner und seine Mitmusiker von Isis am 13.10.2018 zu Ehren von Caleb Scofield ein mächtiges fünf Song Set, der bei einem desaströsen Verkehrsunfall tödlich verletzt wurde, um mit dem Erlös seine Familie finanziell zu leisten. Jegliche medizinische Hilfe zu spät kommend, verstarb Caleb noch am Unfallort im Alter von nur 39 Jahren. 1997 stieß er zu den 1995 in Methuen, Massachussets gegründeten Cave In und war bis zu seinem Tod auch festes Mitglied bei Turners seit 1999 existierendem Projekt Old Man Gloom, wo er die Bassseiten nach unten stimmte. Diese und eine Vielzahl weiterer Spendenaktionen lieferten eindrucksvoll den Beweis, dass die Hardcore-Punk-Szene New Englands in ein Meer aus langjährigen Freundschaften und fortwährenden Support untereinander mündet, die sich gegenseitig antreibt und unterstützt.

Cave In zogen jeher Elemente aus den unterschiedlichsten Musikkanälen, verbanden Metal-Riffs, mit Schrei- und Sprechgesang, verschmolzen die jugendliche Euphorie des Hardcore unter Anbetracht einiger kurioser Indie-Rock-Parts zu ihrem Schmelztiegel mit Langzeitqualität, ohne an der an der nächsten Kreuzung in Versuchung zu geraten eintönige Routen in Richtung kommender Veröffentlichungen zu befahren.

Hydra Head Records, eines der wegweisenden Aushängeschilder für harte Musik, die zugleich anspruchsvoll und kompakt zupackt, veröffentlichten, bis auf einige Ausnahmen bei den Kleinformaten jedes Großformat die in Bandbesetzung auf der Erde landete.

Bis auf Antenna, das vor 19 Jahrenüber RCA Records unter die Hörer:innen gebracht wurde und aus heutiger Sichtweise sich noch kurioser in direkter Nachbarschaft zu Musiker:innen wie Annie Lennox, Eros Ramazotti und Rick Astley befindet, ermöglichte diese Eintagsfliege Cave In ihre Fanbase zu erweitern und Kritiker:innen davon zu überzeugen, mit unerwartetem zu überzeugen und zu polarisieren, wurde zumindest die Vinyl-Pressung wieder von der Hydra ausgespuckt.

Until Your Heart Stops hievte 1998 metallischen, chaotischen Hardcore in die nächste Dimension und nicht wenige Bands verliehen dem Wort Heaviness eine neue Bedeutung. Botch, The Dillinger Escape Plan oder auch Converge, die ebenfalls aus dem weiten Raum von Boston stammen, schrieben Musik die jenseits von mathematischen Formeln agierten.

Technische Raffinesse, oberste Prämisse, durchdacht und nicht selten mit Jazz, Prog und allerlei verrückten Beigaben versehen, aber mit Antenna wagten die vier den für sie konsequenten Schritt auf das dünne Eis.

Riskiert man einen Blick durch das Teleskop in Richtung Jupiter, Album Nummer 2 aus dem Jahr 2000, isolierten die 4 im großen und Ganzen alle Herangehensweisen auf den Minimalstatus, so dass maximal die leicht verrückte Note und die Intensität der Kompositionen übrig blieb und Tides Of Tomorrow somit als Vorbote für den Major Erstling zu verstehen ist.

Welche Fragen wohl bei Veröffentlichung vielen treuen Fans durch ihre Synapsen geschossen sein mögen? Eine Band die nur funktionieren kann, wenn sie sich nach Belieben weiterentwickelt, neu erfindet und so am besten aktuelle Stimmungen hinausträgt, über den Atlantik hinweg, setzte nun mehr auf ausgefeilte, atmosphärische Zustände. Vielleicht verprellte dieser neue Kosmos auch einige Hardline-Fans, aber dafür würden sich doppelt so viele neue Ohren angesprochen fühlen, denn irritierend klangen die fernöstlich, mit Delay-Effekten überzogenen Riffs und der hohe, cleane Gesang in erster Linie schon etwas.

Seit Bandgründung sind mittlerweile 26 Jahre ins Land gezogen, Cave In gönnten sich von Zeit zu Zeit immer mal eine kleinere Pause, so das mit frischer Energie, um neue Ideen bereichert, im Proberaum neues entstehen durfte und bereits der Release von Perfect Pitch Black unterlag wieder den unabhängigeren Wegen von Hydra Head Records.

2018 bestätigten Cave In nach längerer Konzertpause auf europäischen Bühnen, im April 2019 für einige exklusive Konzerte den Flieger zu buchen, verstärkt durch ihren langjährigen Freund und Converge-Bassist Nate Newton. Offiziell nach diesen Tourdaten am 07.06.2019 veröffentlicht, würde Final Transmission eine Chronologie vollenden, das letzte Album bedeuten, welches mit Caleb zusammen geschrieben wurde. Ursprünglich plante die Band diese Ansammlung an unveröffentlichten Songs unter dem Stempel Demo-Aufnahmen firmieren zu lassen, aber nach seinem Tod entschieden sie sich um und die Hälfte der Einnahmen aus dem Verkauf kamen ebenfalls seiner Familie zugute.

Nun da Nate, der mit Caleb bei Old Man Gloom zusammen spielte ein vollwertiges Mitglied von Cave In geworden ist steht fest, egal was die Zukunft für die Band bringen wird, oder was sie uns Hörer:innen im visionären Aspekt komponieren, kann es nur bedeuten die Band läutet den nächsten Zyklus ein. Im Sommer 2021 flammte eine weitere lang gehegte Freundschaft wieder auf, Relapse Records nahmen Cave In unter Vertrag und seitdem sind alle bisherigen Releases digital verfügbar, beziehungsweise werden physisch neu auflegt und geben der Band die Basis, die mit Heavy Pendulum am 20.05.2022 auch das erste Album in der neuen Wahlheimat herausbringen wird.

Im kommenden Oktober begibt sich die Band auf Europa-Tour, um ihres neues Machwerk angemessen zu promoten.

Mit ihrem sechsten Album Heavy Pendulum im Gepäck werden Cave In am 15.10.2022 im JunkYard, das auf dem Gelände eines ehemaligen Schrottplatz in Dortmund errichtet wurde, voller Tatendrang aufspielen. Tickets gibt es unter diesem Link: www.shogunkonzerte.bigcartel.com/product/cave-in-stake

Titelbild: Cave In | (c) David Robinson

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