Vom 7. bis 9. April 2022 war es endlich wieder so weit. Der Osnabrücker Popsalon hat nach zweijähriger Zwangspause wieder seine Pforten geöffnet. Trotz aller Widrigkeiten und der sich im Vorfeld stets ändernden Corona-Lage, haben die örtlichen Veranstalter von Zukunftsmusik ein Festival erschaffen, welches vielen Menschen wunderschöne, unvergessliche und herbeigesehnte Momente beschert hat. 

Die Gefühlslage dürfte bei vielen Besuchern des zehnten Osnabrücker Popsalons eine recht ambivalente gewesen sein. Auf der einen Seite stand mit Sicherheit die Rückkehr zu ersehnter Normalität was Konzertveranstaltungen betraf. Auf der anderen Seite schwang bei dem ein oder anderen Besucher, der ein oder andere Besucherin, ein zaghaftes Angstgefühl bezüglich einer Corona-Infektion mit. Denn Sitzkonzerte, Abstandsregeln, Maskenpflicht oder 3-G-Pflichten wurden bereits ein Wochenende zuvor außer Kraft gesetzt. So blieb den Veranstalter:innen lediglich die Bitte, dass sich Konzertbesucher:innen freiwillig testen und Maske tragen. Hier zeigten sich viele Besucher:innen durchaus verantwortungsbewusst und zogen immer mal wieder ihre FFP2 Maske auf, wenn es mal wieder voller vor dem Bühnengraben wurde. 

Konzerte wie früher

Wie zum Beispiel beim Festival-Opener Thees Uhlmann im frisch renovierten Rosenhof. Der sympathische Norddeutsche trotzt der Pandemie bereits seit zwei Jahren und tourt durch sämtliche neu entstandenen Live-Formate wie Picknick-, Sitzplatz-, oder Streaming Konzerte. Mal solo, mal mit Band, mal mit Musikerkollegen wie Aki Bosse oder Markus Wiebusch. Letztgenannter wird natürlich im Smasher Katy Greyson Perry besungen und spätestens ab diesem Moment stellt sich bei den Besucher:innen ein Gefühl a la „cool, das ist ja wie früher“ ein. Pogo, Tanzen, Hüpfen, Springen, Fäuste in die Luft recken und Zeilen wie „Elektronische Musik kann man sich nur selten schön trinken“ werden inbrünstig mitgesungen – egal ob mit oder ohne Maske.  

Thees Uhlmann | (c) Marc Erdbrügger

Im Anschluss hatten die geneigten Festivalbesucher:innen die Qual der Wahl. Entweder bestieg man den Shuttle-Bus und machte sich auf den Weg zu Matze Rossi & Band in das Haus der Jugend oder in die Lagerhalle zum Elektro HipHop Hybrid Glauque. Per pedes konnte man sich aber auch auf den Weg in die Kleine Freiheit machen. Ohnehin der Place-To-Be seit dem ersten Popsalon 2010. Hier spielten nun Monobo Son, deren Sänger Manuel Winbeck gleichzeitig Posaune bei La Brass Banda spielt. Wie bei seiner Hauptband verbindet auch Monobo Son Tradition mit der Moderne. Instrumental Stücke, Rock- und Jazzmomente verschmelzen mit Popsongs über schöne Wiener Frauen. Beim Publikum kommt der Sound gut an, so dass es sich die Band nicht nehmen lässt ihre Zugabe inmitten der Zuschauer:innen zu spielen. 

Und natürlich pflegt der Popsalon 2022 auch seine eigenen Traditionen. Neben der gewohnt guten Stimmung, hat die Veranstaltung wie in manchem Vorjahr, auch immer wieder mit kurzfristigen Absagen zu kämpfen. In diesem Jahr durch Corona noch schärfer als sonst, aber die Popsalon Veranstalter:innen schütteln tatsächlich unglaublich gute und im Gesamtkontext auch passende Ersatzbands für Drens, Thala und Walking on Rivers aus dem Ärmel. So begeistern die Hamburger Jungs von Pool mit ihrem elektronischen Pop, der sich irgendwo zwischen Parcels und Roosevelt bewegt. Die perfekte Einstimmung auf die danach folgende und äußerst gut besuchte Aftershow-Party. 

Geheimtipps vor dem großen Durchbruch

Der Festival-Freitag erwies sich im Nachhinein als die große Überraschungswundertüte. Die kurzfristig eingesprungene Blush Always spielt ihren Lo-Fi Indierock in schwer angesagten Bedroom-Pop Versionen, da sie ihre Band nicht so schnell zusammenbekam. Und für Thala sprang mit June Cocó eine ausgewiesene Barpianistin ein, welche bereits George Clooney und Mark Zuckerberg für ihre Musik begeistern konnte.  

Beranger | (c) Marc Erdbrügger

Die beiden Straßenmusiker von Beranger schickten sich im Anschluss daran an, keine Zweifel aufkommen zu lassen, welche Band den nachhaltigsten Eindruck des zehnten Popsalons hinterlassen sollte. Ein klassischer Pianosound gekreuzt mit Metalldrums erinnerte an eine Mischung zwischen Muse und 21 Pilots. Die spontanen Einlagen und eingängigen Songs sorgten schnell dafür, dass sich jede:r mit der Band wohlfühlen konnte. Egal ob Klassik oder Metall-Fan, der Sound von Beranger schaffte es wirklich jede:n zu bedienen. Dabei wies die musikalische Versiertheit eine solch hohe Qualität auf, dass man wirklich verdutzt war, als man hörte, dass sich diese beiden begnadeten Musiker zufällig unter einer Brücke am Alexanderplatz über den Weg gelaufen sind. Manchmal ist das Schicksal eben doch kein mieser Verräter. 

Den Abschluss in der Lagerhalle gestalteten die Indierocker von den Blackout Problems. Im zehnten Jahr ihres Banddaseins, ist ihr eigener Alternative/Punk Entwurf tatsächlich etwas düsterer als zu den Anfangstagen. Ihre mitreißenden Live Shows gestalten sie aber immer noch mit ganz viel Euphorie und Adrenalinausschüttung bei sich und im Publikum. Symbiotische Verschmelzung ab Song zwei inklusive. 

Blackout Problems | (c) Marc Erdbrügger

The Hype is real

Bereits vor dem letzten Abend hätten sich die Organisator:innen ihren Gelungen-Stempel verdient. Aber im Booking hat man mal wieder so etwas von “das richtige Näschen” bewiesen und kann mit Provinz einen richtigen Hype im Programm verankern. Damit keine jungen Fans traurig vor den kleineren Spielstätten im Innenstadtbereich abgewiesen werden, platziert man die Indie-Schwaben im großen Hyde Park vor den Toren der Friedensstadt. Wie bitter es ist, als lokale Größe gegen Provinz im Line-Up gesetzt zu werden, merken Elektro Strothmann in der schwach besuchten Kleinen Freiheit und Kara im fast leeren Rosenhof

Maeckes | (c) Marc Erdbrügger

Im Anschluss füllten sich beide Spielstätten jedoch wieder in Windeseile. Im Rosenhof bat Maeckes zu einem seiner gefeierten Gitarrenkonzerte, welches erneut nicht mit Ideenreichtum und Humor geizte. Und spätestens als zur Messe in der Partykirche aufgerufen wurde, befand man sich ohne Zweifel am richtigen Ort. Vermutlich. Denn die Konkurrenz war mit Pabst, International Music und den Intergalactic Lovers jedenfalls nicht ohne. 

Und wer kurz vor Toresschluss des Popsalons dachte, dass man mit Provinz den aktuellen Musik-Hype bereits erlebt hätte, der wurde vom Besucherandrang bei Edwin Rosen in der Kleinen Freiheit eines Besseren belehrt. Der düstere New-Wave Sound mit dem der Stuttgarter seit zwei Jahren das Internet unsicher macht schlägt auch live durch. Millionen Klicks auf Spotify sind scheinbar real. Postpunk für eine neue Generation.  

Edwin Rosen | (c) Marc Erdbrügger

See you next year

Wer jetzt wehmütig ist, weil der Popsalon 10 bereits vorbei ist oder dieses Jahr keine Zeit hatte, der sollte jetzt schon den Termin für das nächste Jahr im Küchenkalender notieren. Der Popsalon 11 geht vom 13. bis 15. April 2023. Da man sich auf das Gespür der Booker:innen blind verlassen kann, empfehlen wir die Early-Bird-Tickets für 49,90€, welche ab dem 02.05.2022 erhältlich sein werden. 

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