Köln-Mülheim, ein altes Arbeiterviertel im rechtsrheinischen Köln, urban, hip, aufstrebend und auf dem fortwährend schlechten Weg der Gentrifizierung, ist an diesem Mittwochabend Schauplatz der Reihe Lost Concerts. Im Programm Maeckes und Die Gitarre.

Das Carlswerk ist ein Ort, in dem mehr als ein Jahrhundert lang Kabel gefertigt und ausgeliefert wurden. Inzwischen befinden sich auf dem Areal unzählige Firmen und Lokalitäten wie auch das Carlswerk Victoria. Doch heute ist an Kabel nicht zu denken, die Hauptrollen spielen Saiten und der Musiker wie Entertainer Maeckes.

Maeckes (c) Paul Schall

Konzerte sind nach wie vor selten, das Verlangen danach weiterhin groß. Kein Wunder also, dass das Konzert von Maeckes nahezu, wenn nicht sogar restlos ausverkauft ist. Schon früh ist der vordere der beiden Sitzblöcke im Carlswerk belegt. Wer früh kommt und Platz nimmt, hat die geringste Entfernung zur Bühne. Ein bisschen wie Strandplätze mit dem Handtuch zu reservieren, aber hey, wir alle brauchen diese Abende, wir alle brauchen die Momente, um den Alltag zu vergessen. Während sich im Innenraum auch der hintere Block langsam füllt, wird die Schlange am Getränkestand kürzer, der Essensstand ist wenig gefragt und die letzten hektischen Züge an den Zigaretten werden getätigt. Niemand will den Beginn des Konzerts verpassen, denn alle, die bereits auf einem Maeckes Konzert gewesen sind, wissen, dass der Musiker ab der ersten Sekunde für Unterhaltung sorgt.

Während noch das musikalische Vorspiel läuft, betritt Maeckes die Bühne, auf der Die Gitarre schon länger verweilt, Applaus ertönt. Der Musiker stellt das Intro ein, verlässt in seinem Jogginganzug die Bühne und kündigt an, jenes gleich zu wiederholen. Wenige Sekunden später, der Beifall ist lauter als beim ersten Bühnenaufgang, das Intro wird gespielt, Maeckes mit erhobenen Armen läuft zur Bühnenmitte und begrüßt das Publikum. Es folgen ungefähr 90 Minuten pure Unterhaltung. Es wird gelacht als Maeckes einer Zuschauerin anbietet, er könne mit der Fortführung des Konzerts warten bis diese etwas zu Trinken geholt habe, er wisse nur nicht wie „der Mob“ damit umgehen würde. Schallendes Gelächter. Es wird gefilmt, als Maeckes die Zuschauer:innen auffordert, vor die Bühne zu kommen, um Selfievideos zu machen, natürlich alles unter Einhaltung der Coronaregeln. Es wird gerappt, gesungen und mehr oder minder gut Gitarre gespielt. Es wird emotional als Unperfekt vom Kölner-Publikum von Anfang bis Ende gesungen wird und das gleich Zweimal an diesem Abend. Es gibt eine Weltpremiere als Maxim, der sich selbst nur als Gast im Publikum befindet, die Bühne betritt und Maeckes bei Pik begleitet. Und irgendwann und irgendwo ist auch der Geist von Tristan Brusch zu hören.

Ein unperfekter Mittwochabend mit Maeckes und Die Gitarre im Kölner Carlswerk findet um kurz nach 22 Uhr sein Ende. Ein Abend, an den sich sicherlich noch viele der Anwesenden lange erinnern.

Titelbild: Maeckes (c) Paul Schall

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