Top 10 Konzerte des Jahres:

Platz 1: Cold World, KavKa, Antwerpen, Belgien
Anderes Jahr, gleiche Location, bestes Konzert des Jahres. Letztes Jahr waren es The Rival Mob, dieses Jahr Cold World, welche auch nur knapp 30 Minuten benötigen, um den Laden dem Erdboden gleichzumachen. Gefühlt 56 Stagedives pro Minute, Singalongs, ein War Hungry Cover, kurz gesagt: Die totale Eskalation. Am besten wird dies wohl dadurch verdeutlicht, dass nach zwei Songs die Monitorboxen abgebaut wurden um Schäden zu vermeiden.

Platz 2: Amenra, Doornroosje, Nimwegen, Niederlande
Es gibt wenige Bands/Künstler, bei denen ich sagen würde: Das muss man gesehen haben. Aber Amenra gehören zu diesen Bands. Ich habe bisher nichts gesehen, was in seiner Inszenierung so perfekt ist. Die dichte Atmosphäre, die Videos, der mit dem Rücken zum Publikum stehende Sänger. Die Auftritte behalten selbst dann noch ihre Magie, wenn minutenlang dasselbe Riff gespielt wird. Ganz simpel, aber doch fesselnd. In Nimwegen war es vor allem das Ende mit 2 Drummern, 5 Gitarristen und 3 Sängern (u.a. der Oathbreaker Sängerin), welches den Auftritt noch einmal ein Stückchen besser gemacht hat.

Platz 3: Mogwai, New Fall Festival, Tonhalle, Düsseldorf
Mogwai im Sitzen, zum ersten Mal seit 2009. Kein Auto Rock, dafür aber Friend of the Night, 2 Rights Makes 1 Wrong und Mogwai Fears Satan in der Setlist. Muss ich mehr sagen? Nein? Mache ich auch nicht.

Platz 4: And So I Watch You From Afar, dunk! Festival, Zottegem, Belgien
Viele Post-Rock Bands setzen darauf ihre Songs langsam aufzubauen. And So I Watch You From Afar gehen andere Wege und geben von Beginn an Vollgas. Sehr eingängig und live einfach eine Macht. Der Headliner Auftritt am ersten Abend des dunk! Festivals ist der beste Beweis dafür. Die Gitarristen spielen Riffs, für die jeder normale Mensch 14 Finger bräuchte. Dazu gibt es durchgehend Pits und Crowdsurfer (auf einem Post-Rock Konzert!!!). Ganz groß.

Platz 5: True Colors, Het Bos, Antwerpen, Belgien
True Colors haben sich eigentlich schon 2010 getrennt, spielen aber seit geraumer Zeit vereinzelt Shows. Und True Colors in der Heimat, das bedeutet absolutes Chaos. Der Laden ist völlig überfüllt, die Leute werden quasi gestapelt und die Temperatur liegt bei ca. 48°C, als die Band ihr Set beginnt. Was folgt ist Chaos mit dem absoluten Höhepunkt Focus on the Light. Hoffentlich bald auch noch ein einziges Mal in Deutschland.

Platz 6: Turnstile, Ieperfest, Ieper, Belgien
Dieser Moment, wenn mehr Leute von der Bühne stagediven als Leute vor der Bühne zum Auffangen bereit stehen. Diese Aussage beschreibt den Turnstile Auftritt auf dem Ieperfest eigentlich ganz gut. Noch dazu ist es der 22. Geburtstag des Gitarristen und ich glaube, es gibt wesentlich schlimmere Geburtstagsgeschenke als 200-300 Leute, die vor und auf der Bühne völlig steil gehen und alle Texte runterbeten können. Meine (eigentlich nicht sehr gewagte) Prognose: Die Band wird in ihrem Genre richtig groß.

Platz 7: Neutral Milk Hotel, Gloria, Köln
Siehe „Überraschung des Jahres“

Platz 8: Deafheaven, Pukkelpop Festival, Hasselt, Belgien
Endlich ist es soweit. Der Deafheaven Sänger ist nun endgültig in der Lage seine Stimme über das ganze Set auf hohem Niveau zu halten. Das war früher leider nicht der Fall. Die Livequalitäten haben sich dadurch extrem verbessert und ich kann nur jedem dazu raten, auf der nächsten Tour ein Konzert zu besuchen. In Hasselt war es trotz Festival und dem merkwürdigen Verhalten des Sängers unglaublich gut.

Platz 9: Outkast, Pukkelpop Festival, Hasselt, Belgien
Die wohl erfolgreichste Band in dieser Liste. Zwei völlig bescheuerte Typen labern nur Scheiße und präsentieren zwischendurch ein paar der besten Hip Hop Tracks aller Zeiten. Der Auftritt hat sich für mich schon nach drei Liedern gelohnt, als mit B.O.B und Atliens bereits zwei der größten Klassiker der Bandgeschichte gespielt wurden. Ich danke dem Hip Hop Gott, dass ich dieses Duo einmal sehen durfte.

Platz 10: Gorilla Biscuits, Ieperfest, Ieper, Belgien
Ich stehe alten Punk und Hardcore Bands, die auf ihre alten Tage noch einmal Shows spielen, sehr skeptisch gegenüber. Black Flag und die Dead Kennedys sind gute Beispiele dafür, dass man es manchmal besser lassen sollte. Die Gorilla Biscuits bilden hier eine Ausnahme. Super Auftritt, Stage Dives, alle Hits, Stage Dives, Cover und, man will es nicht glauben, Stage Dives. Ein super Abschluss des zweiten Tages.

 

Bestes Festival:

Ieperfest:
Die 2014er Ausgabe ist wohl das bisher beste Festival, was ich bisher in meinem Leben besucht habe. Zuerst einmal: Auf keinem anderen Festival isst man so gut. Ich könnte dort den ganzen Tag nur essen, doch leider hat mich dieses Jahr das Line Up häufig davon abgehalten. Wo soll ich anfangen mit dem Lob? Bei Bent Life, die als erste Band des Tages am Freitag bereits um 11 Uhr morgens mit ihrem Hatebreed Cover das halbe Zelt abgerissen haben? Bei No Warning? Oder wie bei Expire im strömenden Regen trotzdem Hunderte Leute völlig steil gegangen und reihenweise von der Bühne direkt im Matsch gelandet sind? Nein, ich glaube ein besonderes Lob hat der Samstag verdient. Turnstile am Nachmittag und abends direkt nacheinander Cold World, Morning Again und die Gorilla Biscuits. Respekt für dieses unglaublich exklusive Booking.

Enttäuschung des Jahres:

Brutality Will Prevail – Suspension of Consciousness
Was ist nur aus dieser Band geworden? Ein völlig glattgebügeltes Album ohne Ecken und Kanten. Wo sind die Sludge Parts hin? Hier fehlt einfach alles, was diese Band zu etwas Besonderem gemacht hat. Zusätzlich kann der neue Sänger den alten in keinster Weise ersetzen. Bitte lieber auflösen, wenn diese Richtung beibehalten werden soll.

Überraschung des Jahres:

Ich verschenke gerne Konzertkarten zu Geburtstagen, sofern ich mir sicher bin, dass sich der/die Beschenkte darüber freut. Bisher ist dies auch noch nie schiefgegangen. Im Mai diesen Jahres schenkte ich meiner besten Freundin Karten für Neutral Milk Hotel in Köln. Schande auf mein Haupt, aber mir war diese Band bis zu ihrer Reunion kein Begriff und ich hatte mich zu diesem Zeitpunkt des Konzertes auch nicht mit der Musik beschäftigt. Wie auch immer, ich ging mit zu Neutral Milk Hotel und es war unglaublich gut und bewegend. Von The King of Carrot Flowers über In the Aeroplane over the Sea bis hin zum absoluten Highlight Oh Comely. Dazu die ca. 23 verschiedenen Instrumente auf der Bühne und keine einzige Kamera. Einfach nur glückliche Menschen um mich herum, die sich gefreut haben, ihre Helden einmal live zu erleben. Mich hat noch nie ein Konzert von einer Band, mit der ich mich vorher nie beschäftigt habe, so begeistert.

Moment des Jahres:

Jeder kennt das folgende Szenario wohl. Man ist jung und besucht sein erstes Konzert, ist total euphorisch und freut sich ein Loch in den Bauch. Mit der Zeit steigt der Konsum an Konzerten und die Euphorie schwindet allmählich und irgendwann ist man an dem Punkt, dass Konzerte nicht mehr so besonders und aufregend sind wie noch vor Jahren. Ich musste dieses Jahr einem werten Kollegen bei der Aufzeichnung eines Listener Interviews im Dortmunder FZW helfen. Da mich das anschließende Konzert nicht wirklich fesselte setzte ich mich in den Vorraum. Das FZW hat zwei Hallen, in denen Konzerte stattfinden und das heutige Konzert in der großen Halle war bereits vorbei. Es spielte irgendein mir unbekannter Rapper und das Durchschnittsalter des Publikums war ungefähr 15. Allen Besuchern merkte man diese oben beschriebene Euphorie an und an diesem Punkt war ich etwas neidisch, weil ich dieses Gefühl nur noch selten erlebe. Irgendwie ein bisschen traurig.

Vielleicht erinnert sich jemand an meinen Jahresrückblick aus dem letzten Jahr, als ich von der No Warning Reunion berichtete und der gleichzeitigen Aussage, dass keine Konzerte folgen sollten. Auf dem Ieperfest war es dann schlussendlich doch soweit und No Warning spielten ihre erste Show nach 8 Jahren und ihre erste Show in Europa überhaupt. Wie viel Geld die Band dafür bekommen hat möchte ich gar nicht genau wissen. Ich habe von (für dieses Genre) unfassbare Summen gehört. Aber zurück zu diesem Tag, dem Moment, als die Band auf die Bühne kam und das Intro von Behind These Walls angespielt wurde. Ich war noch nie euphorischer auf einem Konzert. Nicht auf meinem ersten Konzert, nicht beim ersten Mal Mogwai live und nicht mal beim ersten Mal Sigur Rós. Wie die 15-Jährigen im FZW, nur noch schlimmer. Das Konzert hätte im Nachhinein betrachtet besser sein können und das Auftreten des Sängers war auch sehr komisch, aber diesen ersten Moment werde ich wohl niemals vergessen.

Ausblick auf 2015

– neue Alben von Turnstile und And So I Watch You From Afar
– Modern Life Is War, Death Threat und Suburban Scum auf Europa Tour
– American Nightmare, As Friends Rust, Cold World und noch zig andere Highlights auf dem Groezrock

Wünsche für 2015:

– Marc bucht Amenra ins Waldmeister
– ich kann den werten Kollegen Robin Aust endlich davon überzeugen, mit mir eine Hardcore Show zu besuchen

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