Darkside liefern mit “Psychic” eines der interessantesten Alben 2013. Mit einem Konglomerat aus Ambient, Electro und Psychedelic Rock werden gleich mehrere Hörgewohnheiten bedient und auf eine äußerst gekonnte Art und Weise zusammengeführt.

„I would say my music is a monk, who wears a black robe and leads a lonely but honest life.”(N. Jaar)

Mit seinen erst 21 Jahren ist Nicolas Jaar mittlerweile ein wohl bekannter und etablierter Künstler in der elektronischen Musikszene. Seinen Durchbruch verbindet man hierbei gerne mit dem 2011 erschienen Debutalbum Space is Only Noise, das in verschiedenen Magazinen und Webzines – zu Recht – überaus positiv aufgenommen und zum Hype ausgebaut wurde. Dass er seine Musik in der Person eines ehrwürdig-stoischen und schwarz ummantelten Mönches wiedergefunden meint, spricht für sein Talent, sich mit Space is Only Noise von Genrebarrikaden losgebunden und seinen eigenen Jaar-Sound kreiert zu haben. Mit seinem neuen Nebenprojekt Darkside widmet sich Jaar nun der düsteren Seite seines Schaffens, mit dem Ziel, der Ummantelung seines Eremiten mehr Struktur und Kontur zu verleihen.

Zusammen mit Dave Harrington, den man in Verbindung mit Jaar vordergründig als Live-Gitarristen erleben durfte, webt und strickt Nicolas Jaar schon seit 2011 an jenem schwarzen Gewand. Mit dem nun erschienenen Psychic verleiht das Duo dieser Kollaboration von Rock und Electro weitere Nuancen und ein erstes Gefühl von Abgeschlossenheit. Und ihr Werk kann sich durchaus sehen lassen. Beim konzentrierten Durchhören des Albums erschleicht einen zudem das Gefühl, dass die schwarze Ausstaffierung doch nicht so düster, sondern weitaus behaglicher daherkommt.

Ausgangspunkt ist die Finsternis. Aus ihr schält sich beharrlich, aber behutsam ein düster-bedrückender Klangteppich hervor, der seinen sinistren Charakter aus dem Zusammenspiel von elektronischen Sphären, kratzig-brüchigen Synthesizereinschüben, Streichern und reverbdurchtränkten Vocals, formt. Angetrieben von einer bedächtig daherkommenden Bassdrum fühlt man sich schnell an Murcof’s „Cielo“ erinnert, auch wenn die musikalischen Ausformungen von Darkside bei weitem nicht seine Hybridität erreichen (wollen). Nach dieser langen, aber nicht als solche wahrgenommen Einleitung setzt die Rythmik-Trias aus Drumbeat, Bass und Gitarre ein, die so unangestrengt waltet, dass sie dem bedrückenden Gemüte des bisher Gehörten, eine Prise Leichtigkeit untermischt. Und dann geschieht das anfänglich Unvorstellbare: Man erwischt sich bei einem leichten, zurückhaltenden Mitwippen des Hauptes und genießt den dezent entfachten Groove. Flankiert wird diese kohärent komponierte Ton- und Rhythmik-Mixtur von einem fragilen, halldurchzogenen Gesang, durch den der Hörer nun vollends an die Darkside gebunden wird.

Mit dem Opener „Golden Arrows“ verlebt man einen famosen Einstieg in Psychic. Dieser 11-minütige Song, dramaturgisch exzellent inszeniert, beinhaltet eigentlich schon alle Elemente, durch die sich die Spezifik von Jaars und Harringtons Sound auszeichnet und im weiteren Verlauf des Albums seine Entfaltung findet. Meist düstere, mal aber auch heitere Synthesizerklänge, eine ins bluesige hineingleitende Gitarre – die fast schon roadtripmäßigen Charakter besitzt („Paper Trails“) – , breite Ambientflächen sowie Jaars, mal auf die Rythmik abgestimmter, mal in hypnotisierende Sphären reichender Gesang. Herausgekommen ist eine äußerst organisch klingende Soundcollage, bei der man zwar anders als bei Space is Only Noise auf klangliche Überraschungen verzichten muss, aber dennoch ein starkes Gefühl von Homogenität und Zufriedenheit serviert bekommt.

Über die in Psychic stimmig entworfene und akkurat verzierte Robe wird sich der Jaar’sche Mönch sicherlich freuen. Darkside markiert ein Projekt, durch das Nicolas Jaar‘s Oeuvre definitiv um eine weitere, interessante Facette bereichert wird.

1 Golden Arrow
2 Sitra
3 Heart
4 Paper Trails
5 The Only Shrine I’ve Seen
6 Freak, Go Home
7 Greek Light
8 Metatron

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