Das war 2018 – Rückblick der Autoren: Julian Schmauch

Das war 2018 – Rückblick der Autoren: Julian Schmauch

The 1975s Album ist mir zu chaotisch, Bilderbuchs zu knapp reingekommen, um es noch einordnen zu können.

Bei Mitksy und Father John Misty haben mir die laschen Produktionen den Zugang verwehrt. Kids See Ghosts war toll aber zu kurz, um als Album durchzukommen. Den Hype um Kamasi Washington konnte ich nicht nachvollziehen. Die Arctic Monkeys haben für eingeschlafene Füße gesorgt und ich habe bestimmt fünfhundertdreiundsiebzig Bands vergessen, die alle viel wichtiger und bedeutender waren – wie konnte ich nur. Der krasse Männerüberschuss bei den Acts ist mir bewusst, da gelobe ich Besserung.

Top 9


Die Nerven – Fake

Liebe Nerven. Das geht so nicht. Wo soll das denn hinführen? Ihr könnt doch nicht nach „Out“, was ja eh schon der Wahnsinn war, dann sowas… Auch wenn musikalisch Welten dazwischen liegen, ist es qualitativ bei Die Nerven vergleichbar mit Fjørt. Die Steigerung von Album zu Album ist derart immens, man bekommt es ein wenig mit der Angst zu tun, was denn als nächstes kommt. Ist aber eigentlich auch egal. Bitte mehr Nerven.


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Heisskalt – Idylle

Zack. Album raus, Label weg, Sound zerschrottet, nix gesagt – kann das gut gehen? Kann es. Tat es. Der Bruch mit Bassist Lucas kam nach „Wissen und Wollen“ derart abrupt, dass man erst mal mit Ersatzbassist und tollem Album auf Tour ging, um währenddessen rauszufinden, wie es weiter geht. Ging es als Trio. Den Bass teilt man sich jetzt, die Wut hat man verdoppelt.  Weniger Epic, mehr geschrammel, Anzählen und Anecken, nicht flüchten und verklausulieren. Funktioniert hervorragend.


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Idles – Joy as an Act of Resistance

Persönlich muss ich ja sagen, dass Vorgänger „Brutalism“ noch die kleine Ecke mehr Tiefe und Kratzigkeit als JAAAOR (geile Abkürzung) hat, aber auch hier haben die fünf aus Bristol immer noch eine Menge an Tragödie, Zeitgeistkommentar und Ausrasten verpackt, dass man die Platte wieder hören MUSS, sobald sie durch ist, auch wenn es weh tut. Der Idles-Stern leuchtet hell und knisternd am Punk/Postpunk/Postpostpunk-punk-Himmel.


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Nils Frahm – All Melody

Künstlerinnen und Künstler suchen immer. Nach sich, dem Zugang zur Welt, den Fragen, die noch nicht oder nicht laut genug gestellt wurden, den Spiegeln, die noch nicht zerstört oder vorgehalten wurden. Selten hat man ein Album hören können, wo jemand gleichzeitig so sucht und so bei sich selbst angekommen scheint. Der Ausnahmekünstler Frahm, der mittlerweile Touren ausverkauft, bevor er sie ankündigt (vielleicht), hat in seinem Studio in Berlin die perfekte Brutstätte für seinen einzigartigen Sound gefunden. Ab Januar gibt es auf der nächsten EP dann sogar noch mehr.

1954 – A Part of Me

Man kann und muss auf Spotify schimpfen, auf die Fokussierung auf zu viel Mainstream und das Bezahlungsmodell, aber den Empfehlungsalgorithmus muss ich mal loben an dieser Stelle. Ohne den hätte ich 1954 nicht entdeckt. Nicht zu verwechseln mit den überomnipräsenten The 1975 ist Ivan Arlaud nicht nur 21 Jahre früher dran, sondern soundtechnisch der Jahreszeit angemessener. Wunderschön düster. „Kunden, die III von Moderat kauften, kauften auch…“


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Nine Inch Nails – Bad Witch

Zugegeben, ich bin Fan. Schon sehr lange. Der oben erwähnte suchende Künstler hat hier 1999 die Taschenlampe weggeworfen und tapst im Dunkeln. Stößt sich, zetert, schreit, tastet, kommt aber nicht so richtig zu sich. In der EP-Trilogie der letzten drei Jahre mit „Not The Actual Events“, „Add Violence“ und nun eben (na, gut für Spotify zum Album gemacht) „Bad Witch“ blitzte, kratze und funkelte es wie zu besten „The Fragile“-Zeiten. Der überlange Drone-Epos scheint zwar jetzt zum Programm zu gehören, man muss ja auch seine Soundtrack-Tüftler-Muskeln flexen, aber dazu gekommen ist eine wunderschön verstörende Mischung aus Bowie, Brachialem und Baritonsaxophone. Bestens!


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Kacey Musgraves – Golden Hour

Country-Pop ohne Stroh im Haar, Cowboy-Getue und Banjo-Rodeo. Ein wunderschönes Album, das auf ganz seltsame Art und Weise festhält, nie nervt, manchmal schmunzelnd mitwiegen, manchmal sogar eine Träne verdrücken lässt. Ohne zu müssen. Erzählt einfach so vor sich hin. Muss man erst mal schaffen. Und mittendrin ein Song über Pilzenehmen. Läuft.


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Fynn Kliemann – Nie

Argh. Springnichtaufdenhypezug, Springnichtaufdenhypezug, Springnichtaufdenhypezug…. Holla, Herr Heimwerker. Aus dem Nichts (abgedroschen, ich weiß). Voll ins Herz (ja, doch). Produktion passt, Stimme passt, Songs passen, Videos auch, völlig egal, ob das Kliemännchen nicht live spielen will, so eine Platte kann man auch mit Jukebox auf die Bühne stellen. Da ist ganz schön viel echt (Phrasenmaschine, habt Erbarmen!) und ganz schön viel echt gut.


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Black Rebel Motorcycle Club – Wrong Creatures

Hach, endlich. Findet das Trio sich. Schlecht waren sie ja nie, aber ganz schön verloren. So schlimm Schicksalsschläge sind, so sehr können sie für Fokus und Innehalten sorgen. Manchmal hilft’s. Bei BRMC mit Karacho. Jede Menge Fussstampfen, Faustrecken, Kotelettenwippen und Sichverlieren in der Dröhnung. Wie in den ersten Alben, aber so viel weiter und in sich gekehrt.


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Von Veröffentlicht am: 07.12.2018Zuletzt bearbeitet: 30.03.2019894 WörterLesedauer 4,5 MinAnsichten: 1091Kategorien: NewsSchlagwörter: , , , , , , , , , , 0 Kommentare on Das war 2018 – Rückblick der Autoren: Julian Schmauch
Von |Veröffentlicht am: 07.12.2018|Zuletzt bearbeitet: 30.03.2019|894 Wörter|Lesedauer 4,5 Min|Ansichten: 1091|Kategorien: News|Schlagwörter: , , , , , , , , , , |0 Kommentare on Das war 2018 – Rückblick der Autoren: Julian Schmauch|

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Über den Autor: Julian Schmauch

Dozent für Musikproduktion an der Deutschen Pop und der EMS in Berlin. Autor bei BackstagePro, Bonedo und Reverb. Spielt bei Chaos Commute. Remixer, Songwriter und Sounddesigner.

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