Das Forum der Bundeskunsthalle ist mit ca. 400 Plätzen ausverkauft und das Publikum hat es sich auf den gepolsterten, steil angeordneten Sitzen bequem gemacht. Auf der dezent beleuchteten Bühne künden ein offener, mit Mikrofonen bestückter Flügel, eine E-Geige, Laptop und allerlei Effektgeräte davon, dass hier ein Konzert der etwas anderen Klassikart ansteht.


Eine gut gelaunte Poppy Ackroyd betritt die Bühne und nimmt das Publikum nach einigen warmen Worten über den Flügel mit den Titelstücken Resolve und Feathers sofort mit.

Man durfte gespannt sein, wie sie ihre Art des Spielens unter Einbeziehung des Korpus der Instrumente, mit Loops und Verfremdung live umsetzen würde. Ihre Wahl fiel ebenso logisch wie effizient aus: Komplexe Percussionmotive kommen aus der Konserve, Loops und Melodien sind live gespielt, Effekte werden live gesetzt. Dankenswerterweise ist die Akustik hervorragend. Im Vergleich zum Album wirken die Stücke etwas energetischer, schwungvoller, manchmal auch zarter. An deren Experimentierfreudigkeit und erzählerischer Qualität ändert es jedenfalls nichts. Unterstützt wird die Atmosphäre von eigens hierfür hergestellten Videoeinspielungen des Künstlers Lumen. Man kann sich darüber streiten, ob diese nun die Musik vervollständigen oder das Publikum eher ablenken.

Poppy Ackroyd

Poppy Ackroyd dabei zuzuschauen, wie sie mal versonnen Melodien spielt, mal hochkonzentriert Loops aufnimmt und Saiten und Corpus alternativ bearbeitet, ist jedenfalls eine sehr gute Alternative. Natürlichkeit und Witz tun in den Pausen zwischen den Stücken ein übriges. Einen Loop am Anfang eines Stücks bricht sie mit einem selbstkritischen »No, no, no. That won’t do.« ab und beginnt neu. Die Hintergrundgeschichte von Rain, die Fahrt zu einer mutigen Liebeserklärung unter widrigen Umständen, schließt sie damit, sie hätte es einfach furchtbar gefunden und dazu das Stück schreiben müssen. Die Antwort auf die Frage aus dem Publikum, wie die Geschichte denn ausgegangen sei, vertagt sie augenzwinkernd mit dem Hinweis, es würde ja den Moment ruinieren, wenn man es vorher wüsste. Bei diesem Stück verschmelzen auch in der Tat Musik und Video und einen Gänsehautmoment scheint es, als würden Scheibenwischer nicht Regen, sondern Tränen wegwischen.

Sonst liegt der Fokus mit Stücken wie Birdwoman, Paper, Time, Timeless und Trains auf den Stücken der neueren Alben und die Zeit vergeht wie im Flug. Mit Luna und tosendem Applaus endet das Konzert, doch Poppy Ackroyd hüpft gleich wieder zurück auf die Bühne und sorgt mit einem trockenen »Ich weiß gar nicht, warum ich eigentlich weg bin.« für Lacher. Nach der rein akustischen Zugabe möchte man sie noch nicht gehen lassen. Sie quittiert dies mit der Live-Premiere von Light, um die sie sich bisher gedrückt habe. Wenn es nichts würde, sei dann eben das Publikum Schuld. Über was folgt ist das Publikum allerdings sehr froh.

So endet das Konzert nach ca. 1,5 Stunden, aber Poppy Ackroyd wird am Merch-Stand noch lange belagert, verkauft Tonträger und gibt Autogramme. Sie hatte eher mit 200 statt 400 Besuchern gerechnet und ist merklich überwältigt. Um es mit den Worten ihres Merch-Mitarbeiters zu sagen: »Jesus Christ!« Ja, ein wunderbares Konzert.

Poppy Ackroyd

Titelbild: (c) Maxim Abrossimow

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