Ich glaube es war 2012 als ich Bastille das erste Mal richtig wahrgenommen habe.

Ich weiß noch wie heute, dass ich in einem Elektronikmarkt stand, gerade dabei, einen neuen Fernseher zu kaufen. Während ich so durch die Reihen schlenderte lief Flaws im Radio. Ich höre normalerweise kein Radio. Bis zu dem Tag hörte ich auch keine solche Musik. Ich bin mit Grunge groß geworden und höre sonst eher Hardcore und Pop-Punk.

Nun lief da also dieser Song und ich war auf seltsame Art und Weise hingerissen. Komplett hingerissen, also so richtig, mit Gänsehaut am ganzen Körper. Wieder zu Hause angekommen, googelte ich wer dieser Mensch mit dieser besonderen Stimme und den tollen Lyrics war. Ich stieß auf Bastille und lernte, dass das die Band ist, die erst kürzlich dieses „Ee-eo-eo-eo“-Lied (aka Pompeii) rausgebracht hatten. Naja okay, nicht meine Musik, dachte ich.

In Flaws war ich war ich insgeheim aber trotzdem verliebt. Und so kam es wie es kommen musste – ich hörte schlussendlich doch mal in das damals 1. Album Bad Blood rein.

Lange Rede, wenig Sinn: Ich war in das Album ebenso schockverliebt, wie zuvor in die Single Flaws. Für mich waren sie – obwohl so anders als alles was ich sonst so höre – perfekt. Die Texte, die Stimme und vor allem auch die Stimmung, die die Songs transportierten. Bastille wird immer eine Ausnahmeerscheinung für mich bleiben. Die Londoner begleiten mich jetzt seit gut 10 Jahren. Auf so vielen Konzerten und Festivals durfte ich sie schon erleben.

Und nun, am 18.11.2022, war es endlich soweit und ich hatte erstmalig die Möglichkeit, sie zu fotografieren. Für mich ein wirklich ganz besonderer Abend.

Viel ist passiert, in den letzten 10 Jahren. 4 Alben und mehrere EPs sind entstanden, mehrfach sind sie quer durch die ganze Welt getourt. Sie haben sich verändert und sind doch dieselben geblieben. Und der Zauber definitiv ebenso.

Das neueste, 2022 erschienene Album Give Me The Future beschreibt die Schwierigkeiten der heutigen Zeit, sich zu entscheiden, ob man in der Realität leben möchte oder vielleicht doch lieber in seinen Träumen. Außerdem wollte die Band mit dem Album aufzeigen, wie komisch es ist, in Zeiten zu leben, die sich wie Science-Fiction anfühlen. Ein Zustand, den ich definitiv sehr fühle. Und nicht nur ich, den anderen Menschen in der Frankfurter Jahrhunderthalle schien es an diesem 18.11.2022 ähnlich zu gehen.

Die Stimmung war mehr als gut. Der Support Act The Native, eine junge Band aus England, konnte überzeugen und machte absolut große Lust auf den Hauptact.

Das Publikum ist sichtbar gereift. Ein angenehmer Nebeneffekt wie ich finde. Ich – eher älteres Semester – fühlte mich noch vor ein paar Jahren zwischen den kreischenden Teenies doch etwas verloren. Aber auch die kreischenden Teenies von damals sind heute mindestens Mitte 20 und so war es ein sehr angenehmes, gereiftes, aber nicht weniger begeistertes Publikum, was die Londoner willkommen hieß.

Und so durften wir 21 neuen und alten Songs lauschen, eine perfekte Mischung aus verschiedensten Genres, vom stimmungsvollen Oblivion und einer sehr gefühlvollen Akkustikversion von Flaws, über Rock mit E-Gitarren wie bei What you gonna do?, bis zu poppigen neuen Dance-Songs wie Shut off the lights oder Stay awake?. Natürlich gab es mit Things we lost in the fire, Pompeii und Of the night auch einige Klassiker auf die Ohren.

Das Bühnenbild und -konzept war wie immer sehr durchdacht und war perfekt auf das jeweilige Lied abgestimmt. Hier hat sich Film-Nerd Dan cinematografisch ausgetobt.

  • Bastille | (c) Marlen Greb

Ich habe es wirklich sehr genossen und mich zurückgebeamt gefühlt ins Jahr 2012/2013. Und ich glaube vielen Menschen an diesem Abend ging es ähnlich.

Und so möchte ich in diesen immer noch schwierigen, seltsamen Zeiten Bastille das letzte Wort lassen. Denn ein schlauer Mann namens Dan Smith sang kürzlich:

What can I say? I’m survivin’
Crawling out these sheets to see another day
What can I say? I’m survivin’
And I’m gonna be fine, I’m gonna be fine, I think I’ll be fine.

So ist es. Wir sind okay. Und irgendwann wird auch alles um uns herum wieder okay sein. Und bis dahin werden wir einfach überleben.

Vielen Dank Bastille. Gerne ganz bald wieder!

Die vollständige Setlist:

  1. Stay Awake?
  2. Distorted Light Beam
  3. Things We Lost in the Fire
  4. Laura Palmer
  5. Oblivion
  6. Those Nights
  7. Quarter Past Midnight
  8. Back to the Future
  9. Plug In…
  10. WHAT YOU GONNA DO???
  11. survivin’
  12. Good Grief
  13. Revolution
  14. Flaws (Acoustic)
  15. No Bad Days
  16. Happier
  17. Future Holds
  18. Of the Night
  19. Pompeii
  20. Hope for the Future
  21. Shut Off the Lights (with The Native)

Titelbild: Bastille | (c) Marlen Greb

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