My Dinner With Daniel – Daniel Johnston Documentary 1988

Eine absolute Must-See-Dokumentation über einen großen Sänger und Songschreiber. David Fair von der Band Half Japanese drehte My Dinner With Daniel über seinen Freund und Kollegen Daniel Johnston 1988 in seinem Haus, wo sich die beiden mit Jad Fair, Susan Fair und Charles Brohawn von The Tinklers zum Taco-Essen trafen. Feinfühlig, respektvoll, faszinierend, amüsant und traurig. Daniel Johnston verstarb letztes Jahr am 10. September 2019. Gute Bild- und Tonqualität.


Fresh Fruit For Rotting Eyeballs – The Dead Kennedys Documentary

2005 erschien diese tolle Doku von Eric S. Goodfield. Dead Kennedys waren schon immer politischer, direkter und provozierender als ihre Kollegen von Black Flag und sie zeigten ihnen auch auf, wie man das DIY-Konzept konsequent mit der eigenen Band umsetzt. Sänger Jello Biafra gründete die Plattenfirma Alternative Tentacles, die auch heute noch existiert. Nach der Veröffentlichung des Albums Bedtime For Democracy gegen Ende des Jahres 1986 erklärten sich die Dead Kennedys für aufgelöst. Jello Biafra blieb weiterhin in der Punk-Bewegung aktiv und gründete die Band Lard, arbeitete erfolgreich mit D.O.A. und brachte einige Spoken-Word-Alben heraus. East Bay Ray und Klaus Flouride machten als DK, DK Kennedys und zuletzt mit dem Original-Namen und diversen Sängern weiter. Einiges davon wird in Fresh Fruit For Rotting Eyeballs – The Dead Kennedys Documentary angerissen, und auch wenn trotz zahlreicher Interviews selten Klartext gesprochen wird, ist diese Dokumentation sehr interessant und mitreißend. Sehr gute Bild- und Tonqualität.


Aheads – Shooting Gallery (Slideshow, Studiotracks + Demos)

1978 trafen Werner Kureinski, Bernd Düffelmeyer und Weizenfeld vor der legendären Scala in Herford den britischen Soldaten Andy Stillion, der schnell bei den Jungs als Sänger einstieg. 2 Jahre später spielten Aheads zusammen mit Dead Kennedys selber in der Scala, John Peel spielte ihr legendäres selbstbetiteltes Debüt-Album rauf und runter, und außerdem waren sie mit zwei Songs auf der bekanntesten deutschen Punk-Compilation Soundtracks zum Untergang von 1980 vertreten. Schon nach den ersten Proben und Konzerten merkten Aheads und ihr Umfeld, dass hier etwas Magisches passiert. Sie klangen viel mehr nach Gang Of Four, Buzzcocks, The Only Ones und Wire als all die anderen deutschen Punk-Bands dieser Zeit. Mehr haben Aheads leider nicht auf ihrer Agenda zu vermerken, denn Sänger Andy wurde schnell wegen Fahnenflucht verhaftet und zurück nach England abgeschoben. Jahre später, kurz vor einer geplanten Aheads-Reunion verstarb Andy Stillion an einem Herzinfarkt auf einer Boots-Tour in England. Was von der möglicherweise besten deutschen Band übrig geblieben ist, ist wirklich wenig. Ein kurzes Live Video von der ‚Tournee Zum Untergang‘ 1981 aus dem SO36 in Berlin, qualitativ leider so fürchterlich mies wie ein Überwachungsvideo einer Aral-Tankstelle in Radebeul, und dieses Video (mit Aheads-Songs und Untertiteln unterlegt) sind die einzigen Zeitzeugen dieser großartigen Band. Das Video ist zwar etwas Old-School, auch der leicht-dumpfe Ton sollte aber niemanden abschrecken. Unser Geheim-Tipp! Bild- und Tonqualität sind zwar gewöhnungsbedürftig – trotzdem unbedingt anschauen!


Crosby, Stills, Nash & Young – VH1 Legends Documentary

Eine meiner absoluten Musik-Doku-Highlights über eine der vielleicht besten Bands überhaupt! Ich will euch hier auch nicht viel mehr dazu erzählen, denn wem hier nicht das Herz aufgeht, der ist auf jeden Fall falsch in dieser Kolumne (und wahrscheinlich auch überhaupt). Ultra coole Live Szenen aus dem Proberaum von 1969 kurz vor ihrem spektakulären Auftritt beim Woodstock Festival. Hier beginnt Neil Young das, was er schon vorher mit Buffalo Springfield begann und Jahre später mit Neil Young & Crazy Horse weiterführen sollte. Eine Band schmilzt zusammen zu einem Sound. Wichtig! Sehr gute Bild- und Tonqualität.


Color Me Obsessed – A Film About The Replacements

Leider hat YouTube kurz vor Veröffentlichung von TV PARTY TONIGHT Volume 3 diese Dokumentation aus rechtlichen Gründen für Deutschland gesperrt (bitte besorgt euch die DVD). Dafür gibt es ein ausführliches Interview mit Tommy Ramone.

Tommy Ramone of The Ramones talks about The Replacements in the documentary Color Me Obsessed

Bob Stinson, sein damals erst zwölfjähriger Halbbruder Tommy Stinson und Chris Mars gründeten 1978 zusammen mit Paul Westerberg die The Replacements in Minneapolis, Minnesota USA. Die Songs ihres Debüts Sorry Ma, Forgot To Take Out The Trash von 1981 beschäftigen sich vornehmlich mit Autofahren, Besäufnissen und Drogenexzessen, und daher zählt es wahrscheinlich wohl auch zu den wichtigsten Punk-Rock-Alben der 70er und 80er. Ihre Live-Shows waren berüchtigt, da die Band häufig total betrunken und wild agierend auf der Bühne stand und oftmals ganze Sets mit Coverversionen spielte. Diese Dokumentation zeigt die wilde und jugendliche Seite von The Replacements und Paul Westerberg, der mittlerweile, ähnlich wie seine Kollegen Evan Dando oder Greg Dulli, im Alter eher ein ruhigeres Songwriting pflegt. Sehr gute Bild- und Tonqualität.


Merge Records: 25 Years In 24 Minutes

Aktuell ist diese Dokumentation von 2014 zwar nicht mehr, das ist aber total egal, denn Merge Records: 25 Years in 24 Minutes ist überaus spannend, äußerst interessant und einfach nur gut. Jesse Paddock drehte diesen Film über das tolle Plattenlabel Merge Records, das 1989 von Mac McCaughan und Laura Ballance von der Band Superchunk gegründet wurde. 2020 gehört Merge Records zusammen mit Dead Oceans, Jagjaguwar, Sub Pop, Domino Records, Drag City und Sacred Bones zu den ‚Big 7‘ der amerikanischen Post-Punk, Noise und Independent Label, und hat die einstigen Flagschiffe wie Matador (die 1990 noch das Superchunk Debüt veröffentlichten), K-Records oder Dischord längst überholt. Sehr gute Bild- und Tonqualität.


Dead Boys – Live at CBGB’s 1977

Den Abschluss der dritten TV PARTY TONIGHT machen die legendären Dead Boys aus New York, die eigentlich aber alle ursprünglich aus Cleveland, Ohio kamen. Ihr Konzert im legendären CBGB von 1977 kam nicht von ungefähr, hatten sich Sänger Stiv Bators, Gitarrist Cheetah Chrome, Bassist Jeff Magnum und Schlagzeuger Johnny Blitz doch CBGB-Besitzer Hilly Kristal als Manager geangelt. Dadurch bekamen die Dead Boys schnell einen Plattenvertrag beim Plattenlabel Sire Records, das auch ihre Kumpels Ramones unter Vertrag hatte. Das Dead Boys-Debüt Young, Loud & Snotty erschien kurz nach dieser Show und bestimmte daher auch den Großteil der Setlist, die mit dem Iggy & The Stooges-Cover Search & Destroy grandios endet. Gute Bild- und noch halbwegs akzeptabele Tonqqualität.

Titelbild: Collage by Marc Michael Mays

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