Nora Tschirner; für die einen das seltsam-angenehme, weibliche Pendant zu Til Schweiger und für die anderen der subtil-erotische Erregungsmoment der Tagesschau, als herauskam, dass man ihre Büste während des Schwimmens sehen konnte.

Es gab einmal eine Zeit, da wurde jegliches Dilettantentum desavouiert und auf dem Schafott per Guillotine oder Radebrechen elendig vernichtet. In Zeiten multimedialer Toleranz und einer breitgefächerten Meinungsakzeptanz (insbesondere im Zentrum der Kommunikationswissenschaftler und Medienpsychologen: Berlin) kann sogar ein Schandfleck der musikalischen Experimentierfreudigkeit einfach weiterleben. Noch tragischer jedoch: Warum verdammt darf man sich nicht einmal mehr darüber beschweren?

Es war ein Tag der Schwärze, an welchem die Posaunen die Ankunft des Antichristen verlauten ließen. Ich entstieg dem Maul eines würgenden Drachen und flog nibelungengleich in die Hauptzentrale für Bekämpfung der Musikbösewichte: die Basis von Pretty in Noise. Der Oberkommandant der Vernichtung der „Jeder-darf-sich-ausprobieren“-Mentalität, also ich, wurde mit dem Auftrag in die Welt geschickt, eine neue Platte zu rezensieren. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nichts von der bevorstehenden Erschütterung des Weltgleichgewichts, doch umso schrecklicher warf es mich auf den Boden, als ich es las.

Nora Tschirner; für die einen das seltsam-angenehme, weibliche Pendant zu Til Schweiger und für die anderen der subtil-erotische Erregungsmoment der Tagesschau, als herauskam, dass man ihre Büste während des Schwimmens sehen konnte. Exakt diese Nora Tschirner hat vermutlich zuviel Sojamilch in Espressobars Berlins verabreicht bekommen und kompensiert ihre Filmkarriere mit Musik. Denn heutzutage muss jeder Mensch sich expressiv auszudrücken wissen und wenn man als Marionette der Filmindustrie kreativ unausgelastet bleibt, so muss es die Musik sein, die das Bindeglied zwischen Mitteilungsbedürfnis und Volksgehör darstellt.

Ich zog mein Schwert aus der Scheide und mir gegenüber, fast elfen-artig, stand eine in weiß gekleidete Prinzessin mit Haut aus Seide. Ihre Hände waren sanft und zogen mich an, doch was ich übersah waren ihre roten Augen und ihr Durst nach Blut. Das Ende war gekommen. Es hieß Prag.

Hier also zwei lustige Anekdoten:

1. Auf dem Youtube-Kanal wirbt die Nora Tschirner – Band, die unter dem Deckmantel Prag versucht, sämtliche Designstudentinnen einer Gehirnwäsche zu unterziehen, mit einem ersten Auszug aus dem neuen Album namens „Rendevouz“. Schade nur, wenn schon die stilistisch-wichtigen ‘Französismen’ mit Fehlern übernommen werden, sodass der erste Artikel auf die Suchanfrage „Rendevouz“ die Webseite eines Escortservices für deutsche Städte mit der Postleitzahl sechs oder sieben ist.

2. Ist das Veronica Ferres’ Mutter in dem Musikvideo?

Wir nähern uns langsam dem Ende und somit dem Kernpunkt dieses Artikels. Ich habe mich geweigert, das neue Album Prags zu hören, spätestens als mir sogar musikabgewandte Bekannte davon abgeraten hatten. Nichtsdestotrotz musste ich für das erfolgreiche Abschließen meiner Mission eine gewisse Recherchearbeit leisten und bin somit doch in Verbindung mit dem giftigen Pfeil des Musiker- und Schauspielercrossovers gekommen und liege nun am Boden, zerstört. Nora Tschirner wird spätestens in einer Woche professionell-codierte Morddrohungen an mich senden, doch ging es mir doch hierbei nicht primär Nora Tschirner wieder auf Sachen zu lenken, die sie gut kann (Nacktbaden zum Beispiel). Sondern es ging mir hierbei nur um eins: Man muss auch einfach mal „Nein“ sagen dürfen.

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