Factory Floor – s/t

Factory Floor – s/t

Was lange währt, wird endlich gut: nach mehreren Jahren des Bestehens liegt nun das Debut-Album von FACTORY FLOOR vor. Die Londoner Band, welche eine abenteuerliche Mixtur aus Industrial, Minimal- und Detroit-Techno sowie Acid und ganz frühem Wave spielt, ist bei DFA gut aufgehoben. Hier sind Nick Void, Gabriel Gurnsey und Dominic Butler gelandet, nachdem sie bereits einige Singles und EP´s bei anderen Labeln herausgebracht hatten.

Mitten in London will anscheinend keine Band mehr ein Album aufnehmen. Sprechen Musiker häufig davon, aufs Land zu flüchten, um in einsamen Hütten (Vintage)-Produktionen für die Neuzeit zu produzieren, sind FACTORY FLOOR nicht ganz so weit weg gegangen: in einem alten Warehouse hoch im Norden der grossen Stadt (laut der Band die Bronx of London, der Ort fühle sich an, als sei er eine Millionen Meilen entfernt) war der richtige Space, um das selbstbetitelte Debut aufzunehmen: natürlich auf alten Maschinen, die der Scheibe den gewollten analogen Charme verleihen. Dave Steward hat hier Anfang der Achtziger die ersten Eurythmics-Lieder gezaubert. Der (inzwischen) runter gerockte Space (Bandmitglieder beschreiben, dass sie Leitern benötigten, um in der Fabrik von A nach B zu kommen) tat sein übriges und hat mit Sicherheit Spuren auf dem Erstlings-Werk hinterlassen.

Schon der bekannte, aber neu abgemischte Opener „Turn it up“ zeigt, wo es auf dem Fabrikhallen-Flur lang geht: Argepio-Soundlandschaft trifft auf treibende Beats sowie elegant eingestreute Klick- und Klack-Geräusche sowie Percussions. Der mysteriöse Sprechgesang tut sein Übriges, um hier die Achtziger auferstehen zu lassen und einen Clash mit der Neuzeit zu wagen.

Wie zu hören ist (ich bin mir sicher, dies wird in so gut wie jeder Rezension erwähnt werden) haben FACTORY FLOOR vor längerer Zeit ein Demo an einen gewissen Stephen Morris nach Manchester geschickt. Lediglich Name und Stadt stand der Legende nach auf dem Umschlag – der Brief kam aber bei dem NEW ORDER-Drummer an, er war begeistert. Damit ist er nicht der einzige bekannte Künstler: auch Chris Carter von THROBBING GRISTLE mag die Band und hat FACTORY FLOOR, nachdem sie CHRIS & COSEY im Londoner ICA supportet haben, für einige Shows im Jahr 2011 live begleitet. Stephen Morris fertigte zudem einen Remix an und produzierte einige Songs für die Band.

Auf „Factory Floor“ sind zehn Titel zu finden, von denen drei durchnumerierte Interludes die Brücken zwischen den Tanz-Tracks bilden. Die fünfzig Minuten bewegen sich zwischen Konzept-Kunst und Dancefloor: eine spannende Mischung, die sich gut und gerne (und möglichst laut) auf dem Kopfhörer geniessen lässt – funktioniert aber mit Sicherheit auch im Club gut.

Dem Vernehmen nach erzeugt die Band auf der Bühne eine ziemlich andere Stimmung und Musik wie auf der Konserve: es geht den Dreien darum, zu improvisieren und zu überraschen – darum wird es spannend sein, wenn FACTORY FLOOR im Herbst auf Tour kommen. Nicht ganz unpassend treten sie unter Anderem im aus guten Gründen legendären Berghain auf – sowie im Hamburger Uebel & Gefährlich.

11.10. Berlin – Berghain
12.10. Hamburg – Turmzimmer @ Uebel & Gefährlich

1. Turn it up
2. Here again
3. One
4. Fall back
5. Two
6. How you say
7. Two different ways
8. Three
9. Work out
10. Breathe I

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Von Veröffentlicht am: 01.09.2013Zuletzt bearbeitet: 02.12.2018531 WörterLesedauer 2,7 MinAnsichten: 1063Kategorien: TellerrandSchlagwörter: , , , , , , , , , 0 Kommentare on Factory Floor – s/t
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Über den Autor: Nico Kerpen

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