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To Rococo Rot – The John Peel Sessions (LP) (04.11.2022)

22,99 

 Die John Peel Sessions von To Rococo Rot erscheinen am 04.11.2022 bei Bureau B.

Artikelnummer: 87281 Kategorie: Schlagwort:

Beschreibung

Popmusik ist nur ein anderes Wort für: Alles ist möglich. Wenn Menschen nach ihrem Glück streben, nach Freiheit, nach sexueller Erfüllung, nach Freundschaft und Liebe, wenn sich Menschen durch Depression und Armut und Ungerechtigkeit und Missbrauch und Entfremdung nicht davon abhalten lassen sich mitzuteilen, dann entsteht dieses Geräusch, das wir Pop nennen. Es erklingt in den hell leuchtenden Penny Arcades des ausgehenden 19. Jahrhunderts ebenso wie in den Darkrooms einer Schwulenbar im Berlin der Gegenwart. Auf einer Bühne vor 25.000 Menschen. Im eigenen Kinderzimmer. Es klingt nur jeweils anders, leiser, lauter, wilder, braver. Manchmal ist das Geräusch bis zur Unkenntlichkeit entstellt, manchmal trifft es einen wie der sprichwörtliche Blitz. Und manchmal gehört es einem ganz allein, muss man es nicht teilen, etwa wenn Robert Lippok sagt, der schönste Moment in seiner Zeit mit to rococo rot war gekommen, als man in Liverpool anlässlich der dritten der hier versammelten Sessions den einladenden DJ John Peel persönlich traf: „Ich fühlte mich wie in einem Traum; selbst heute noch bin ich sehr glücklich, dass er uns eingeladen hat.“ Und Ronald Lippok greift noch weiter aus, fügt fast zärtliche bei: „Als wir damals im Osten die Show hörten, phantasierten wir davon, dass Peel einen Titel unserer Band ansagen würde, versuchten auch seine Stimme nachzumachen: This is John Peels radio show on BFBS…“ Gerade ist man noch irgendein Teenager in Ostberlin, dann zweimal gezwinkert, und schon steht man der Person gegenüber, die einem via Mittelwelle (oder war‘s UKW?) über Jahre hin immer und immer wieder eine Flaschenpost aus einem anderen Leben, aus dem richtigen Leben hat zukommen lassen.

Und ist es nicht ohnehin seltsam sich vorzustellen, wie diese ultrakurzen Wellen die Kurvenform eines Roxy Music-Songs annehmen und tatsächlich und physikalisch und irgendwie analog durch unsere Körper pulsen? Auch durch den Körper von Stefan Schneider, damals in Düsseldorf zu Hause, also zufällig in der britischen Zone der Bundesrepublik ansässig, wo ebenfalls jeden Donnerstag spätabends John Peel die Schallplatten auf falscher Geschwindigkeit abspielte und trotzdem alles seine Richtigkeit hatte. Seit nun einhundert Jahren weitet das Radio unsere Wahrnehmung. Stefan Schneider: „Ich erinnere mich, wie die Städtenamen der Stationen, die auf der Vorderseite alter Radiogeräte zu sehen waren, mich imaginär nach Belgrad, Strasbourg oder London haben reisen lassen.“ Bill Burroughs raunzt, die Sprache sei ein Virus aus den Weiten des Weltalls. Nun, Pop ist auf jeden Fall eine Mutation dieses Virus‘, ergänzt um Rhythmus und Melodie. Und manch einer infiziert sich schon ganz früh, etwa Robert Lippok: „Schon als wir Kinder waren, hatte unser Radio einen Kassettenrecorder; es war also von Anfang an kein bloßes Hören, sondern ein aktives Mittschneiden, Zusammenstellen, Musik zuordnen, Ordnungen schaffen. Bandsalat und dessen Beseitigung inbegriffen.“ Pop im Radio, das war gelebte Teilhabe, war Zugang zu sonst verborgenen Schatzkammern, war ein Stück Realität, das eigentlich utopisch war.

Selbstverständlich waren 99% des Gesendeten Schlonz, aber wie beim Schürfen nach Gold stört der Abraum nicht die Freude über das Nugget. Stefan Schneider: „Als ich das erste Mal Sound and Vision von Bowie hörte, war es sicher kein Zufall, dass eine solch futuristisch klingende Musik von keinem irdischen Ort zu kommen schien, sondern durch die Luft schwebend das menschliche Ohr fand und sich im Körper festsetzte und veränderte, manchmal aus der Erinnerung verschwand und plötzlich wieder auftauchte, begleitet von der Sorge, dass man nicht wusste, ob und wann man es wieder hören würde.“ Was sich da in so manchem Körper festgesetzt hat, war jedoch die Überzeugung, dass es eine verdammt gute Idee wäre, sich selbst in Sachen Pop zu versuchen. Im Westen entstand Kreidler, im Osten Ornament & Verbrechen. Robert Lippok beschreibt diesen Moment, wenn man als Saulus vom Pferd fällt und als Paulus gen Himmel fährt: „Als wir anfingen Platten zu veröffentlichen, war es fast ein Schock, die eigenen Musik im Radio zu hören.“ Man geht durch eine unsichtbare Wand. Man bringt eine Membran zum Schwingen. Und war 1995 schließlich to rococo rot, die Band, deren Musik gewissermaßen in einer ästhetischen Rückkopplung auch einen John Peel bei der BBC, einen Daniel Miller bei Mute Records hat aufhorchen lassen: „It was something new, something that sounded like it could only be done in Germany; and, as I discovered later, could only be done by guys who were born in the east of Germany in the days before the wall came down.“ So sind die drei hier vereinten Sessions von to rococo rot mit ihren teils exklusiven Peel-Tracks (Glück, Esther, Glass), aufgenommen unter teils großem Zeitdruck, Zeugnisse der innigen Verbundenheit dreier deutscher Musiker mit der ganzen Welt, mit Pop, mit dem Glück, das man hat und das man schenkt. Pop ohne seine Produktionsmittel ist nicht denkbar. Und auch in Zeiten, in denen digital King ist, sollten wir uns glücklich schätzen, dass diese analoge Wirklichkeit der Schall- wie der Radiowellen uns durchströmt. Hat.

– Karl Bruckmaier

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Zusätzliche Informationen

Webseite

jpc.de

Erscheinungstermin

04.11.2022

Farbe

schwarz

Größe

12"

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