Hydra Head Records schloss 2012 seine Pforten auf unbestimmte Zeit, nachdem interne Unstimmigkeiten die innere Atmosphäre trübten und gekoppelt mit finanziellen Nöten die beste Option der Lage darstellte.

Aaron Turner, Sänger und Gitarrist der Band Isis legte den Ursprung 1993 zu High-School-Zeiten, in denen er Tonträger seiner damals favorisierten Labels Ebullition, Gravity oder auch Lookout Records weiter vertrieb. Etliche Klassiker zieren die eigene Hall of Fame und auch seine eigene Band reihte sich immer wieder mit der Veröffentlichung zeitloser Musik, die sich in der Schnittmenge aus Noise-Rock, Post-Metal, Hardcore einordneten lies zwischen ihnen ein. Bands wie Botch, Coalesce, Cave In wagten aus dem Kontext der Hardcore-Szene heraus, musikalische Experimente, entsprangen dem Kopf der Hydra und trieben die Label Arbeit auf eine professionelle Ebene.

Vier Jahre vor dem eigentlichen Torschluss erschien ein Album des Walisischen Lords der Dunkelheit Lustmord, für das Brian Williams zum ersten und letzten Mal mit Gitarristen zusammenarbeitete.

Für diese sehr spezielle und einmalige Gelegenheit fanden sich Aaron Turner, Buzz Osborne von den Melvins und Adam Jones von Tool ein und kitzelten mit ihren Fingerfertigkeiten die Essenz aus den Sequenzen heraus. Kein Wunder, dass The Other, so der Name des Projektes, sich nur auf CD wiederfand, erfahren Lustmord-Alben so gut wie immer erst Jahre nach ihrer Veröffentlichung nachträglich ihr einritzen in das begehrte oft einfach schwarz gehaltene Medium. Selbst für einen Musiker der schon an bekannten Soundtracks und Videospielen beteiligt war, eine ganz neue Ebene der Verwirklichung. Tatsache ist, die drei Gitarristen betteten ihre bedrohlichen Riffs und Breitseiten innerhalb der dunklen Soundscapes so ein, dass dieser Ausflug in allen seinen Parametern individuell und beängstigend sein Reisegeld wert war.

Die ausgestrahlte Kraft der Lieder war so druckvoll, das Williams die Erstellung verschiedenster Ambient- und Dub-Remix-Arbeiten in Angriff nahm, um die Klänge in all seinen Räumen auszuloten. Auch diese Neuinterpretationen fanden den Weg nur auf das in der Dark-Ambient-Szene bevorzugte Format der CD.

Vierzehn Jahre sind seit der Veröffentlichung dieses Mammutprojektes vergangen und die Asche von Lustmords letztjähriger Zusammenarbeit mit Karin Park noch nicht verglüht, da schleicht sich aus dem Hinterhalt Justin K. Broadricks Remake seines Songs Ashen durch die anderen hindurch. Bei so viel Instrumental schleifender Wucht, die von Walzen mit düster treibenden Beats im unteren Geschwindigkeitslevel von Stahlfabrik Geräuschen vor sich hergeschoben wird, kann nur die Rede von einer gelungenen Arbeit sein. Da bleibt nur noch der Kopfnicker bis die Halswirbel knacken, eine vorübergehend angenehm entspannende Art der minimalen Bewegung. Diese neuartige Version des Tracks steht im Gegensatz zu seiner Remix-Arbeit von 2009 nicht unter dem Stern seines Pseudonyms JK Flesh, sondern firmiert unter seinem Alias Godflesh, das unlängst einen der obersten Ränge in der Geschichte des Industrial eingenommen hat.

It’s always a pleasure to tackle and attempt to reintrepet the Work of Lustmord.

Justin

Pelagic Records läutet nun mit dem tiefsten Paukenschlag des noch andauernden Winters die Veröffentlichung eines mehr als alles übertreffendes Überraschungseis in die hoffentlich nicht zu überlasteten Presswerke der Vinyl-Kunst.

Nicht mehr und nicht weniger als 14 Bands und Solo-Musiker:innen bearbeiteten auf ihre ureigene Art und Weise einen Song von The Other und mutieren zu den Anderen, The Others. Grob gesehen finden sich alle Beteiligten in der unendlichen Weite von instrumentaler, mit Gesang verstärkter, monumentaler, apokalyptischer Musik wieder, die die Grenzen einzelner, klanglicher Schubladen längst hinter sich ließen. Label Chef Robin Staps, der eine Menge Arbeit und Liebe in die Verwirklichung von Lustmord Deconstructed steckte, ist mit seinem Kollektiv The Ocean ebenso involviert wie unter anderem der Einstürzende Neubauten-Bassist mit seiner Frau als Hackedepicciotto bekannten, Nomaden erprobtem Duo und Tokyos Instrumental-Orchester Mono.

Ehepaar Quintero, die als die Spotlights für Ipecac Records 2019 das großartige Album Love & Decay aufnahmen, huldigen wie die anderen dem Original, drücken ihm den eigenen Stempel auf ohne es unkenntlich zu verfälschen. Zola Jesus webte ebenso ihre gehauchte Stimme in die schwarzen Klangebenen ein und Karin Park darf schon wieder mit sinnieren und interpretieren, aber dieses mal mit ihrer Band Årabrot.

Um diese gewaltig angelegte Erinnerung an Album Nummer 10 dieses Pioniers der etwas anderen, unkonventionellen Elektronik den passenden Rahmen zu zimmern, erscheint The Others nicht nur als 3LP, sondern wird separat voneinander das Album auch als Box der Superlative angeboten, die dann die beiden Remix-Alben, Beyond und The Dark Places Of The Earth beinhaltet.

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