Als Steve Rothery 1979 im nordwestlich von London gelegenen Aylesbury eine Instrumental-Prog-Rock-Band namens Silmarillion in Anlehnung an das gleichnamige Buch von J. R. R. Tolkien gründete, konnte er sicher nicht ahnen, dass er 42 Jahre später immer noch mit der E-Gitarre in der Hand auf der Bühne stehen würde.

Die Geschichte Marillions ist auch die Geschichte einer langen Freundschaft unter Musikern, die gemeinsam neue Wege gegangen sind. Nach den Zugängen von Mark Kelly (1981) an den Keyboards, Pete Trewavas (1982) am Bass und Ian Mosley (seit 1984) am Schlagzeug war die Kernformation von Marillion, die bis heute in dieser Besetzung zusammenspielt, komplett.

Das musikalische Schaffen der Band lässt sich in zwei nahezu diametral gegenläufige Abschnitte unterteilen. Da gibt es die erfolgreichen und im Bereich des sogenannten Neo-Progressive-Rock richtungsweisenden Jahre 1981 bis 1988, die mit dem Einstieg des Sängers Derek William Dick, bekannt als Fish, und der Umbenennung in Marillion, begannen. Die Fish-Ära endete mit dem Abgang im Jahr 1988 nach musikalischen Differenzen bei den Aufnahmen zum letzten gemeinsamen Album Clutching at Straws (1987).

Der zweite Abschnitt der Bandgeschichte begann 1989 als Steve Hogarth dazukam und damit das bevorstehende Ende der Band abwendete, indem er eine ganz neue musikalische Ausrichtung, viel experimenteller und orchestraler mit einem klaren gesellschaftlichen Anspruch, etablierte. Zwar haben sich die seitdem erschienenen Alben weniger gut verkauft als die ersten vier Marillion-Alben allerdings hat Hogarth die Band als musikalische Vorreiter ausgerichtet, die das Crowdfunding im Musikbusiness einführte.

Mit Hogarth als Songwriter entstandenen einige überragende Konzeptalben wie Brave (1994), This Stange Engine (1997), Anoraknophobia (2001) oder Marbles (2004) aber leider auch weniger inspirierte Alben wie Somewhere Else (2007) oder F. E. A. R. aus 2016.

Unabhängig von Marillion wandeln sowohl Steve Rothery als auch Mark Kelly und Pete Trewavas mit eigenen Bandprojekten auf neuen musikalischen Pfaden. Und gerade diese Projekte befruchten die Kreativität der Band zusätzlich.

Nach sechs Jahren Pause veröffentlichen Marillion am 04. März 2022 bei earMUSIC mit An Hour Before It’s Dark das insgesamt zwanzigste Album.

Wenn man den Albumtitel mit „eine Stunde bevor es dunkel ist“ übersetzt, dann wird klar, dass die Band hier sicher auch den Kampf gegen die Zeit in der Klimakrise meint. Als Vorbote hat die Band den 9 Minuten 27 Sekunden langen Song Be Hard On Yourself ausgewählt, der sich musikalisch in drei Teilen präsentiert und eine klare gesellschaftskritische Botschaft hat. Der Massenkonsum und die Sucht nach Luxus sowie die Möglichkeit, die man ergreifen soll, sich davon loszusagen sind die Themen, die in dem Song verarbeitet werden.

Ein wunderbarer Song, der die ganze Bandbreite des musikalischen Repertoires der Band zeigen kann und sich so schnell entwickelt, dass die lange Laufzeit kaum als solche wahrgenommen wird.

Titelbild: Marillion | (c) Anne-Marie Forker

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