Ohne große Worte oder besonderes Insiderwissen im Fach der Philosophie zu besitzen, lässt sich relativ schnell und präzise die Herkunft ihres Bandnamens erklären. Axids ist einfach summa summarum, die Summe der einzelnen Teile aus den Substantiven Kinder und Äxten, ins Englische übersetzt.

So weit so gut können Beschwerden die Band betreffend von vornherein gleich an die Formation Clowns weitergereicht werden, da A.E.J. ihr Konzert im Hafenklang zu Hamburg die Schnapsidee durch den Kopf schoss, eine neue Band zu gründen. Wird für euer Verhältnis auf ihren Konzerten zu wild Party zelebriert, stören sich kleinbürgerliche Nachbar:innen an ihrer musikalischen Vorgehensweise, oder befinden Passanten die Musiker mit zu vielen Tattoos und schwarzer Kleidung ausgestattet, jegliche positive Anteilnahme gleich an die Booking-Agency der aus Australien stammenden Punker:innen, die sich Clowns nennen, weiterleiten.

A.E.J, Sänger einer Marburger Kombo namens Hyems, schmiedete mit dem Schlagzeuger von Hyne an jenem denkwürdigen Abend einen Plan, um ganz andere musikalische Felder abzustecken. Ole, ebenfalls aus dem Hyne-Dunstkreis kommend, erklärte sich bereit die Gitarrenseiten zu zerhacken und der als Wrestling-Gurke bei St. Paulis Rock-Wrestling-Events auffallende Mario durfte das Quartett komplettieren, unter der Voraussetzung Bass spielen zu lernen. Leider klappte es nicht dem ersten Drummer die Äxte sausen zu lassen, aber in Felix von der in Merseburg stationierten Truppe Lt. Dave & The Vohwinkels wurde ein adäquater Ersatz auf Lebenszeit verpflichtet. Mit dem lupenreinen Black-Metal-Sound der 1997 gegründeten Hyems wollen Axids nichts am Holzfällerhemd haben, stattdessen liegt der Fokus auf einer rotzigen Attitüde, deren Wurzel knietief im Geist von 45 Jahren Punk- und Hardcoregeschichte versunken, ihr ureigenes Potpourri kocht. Einen ersten Hieb versetzten die vier junggebliebenen aufmerksamen Bandcamp-Hörer:innen im letzten Winter in Form der Axid Queen die nachträglich über den Hardcore Worldwide Channel folgte einen mit Proberaummitschnitten visuell ausgeschmückten Videoclip auferlegt bekam.

Den traditionsreichsten Anlaufpunkt der Hansestadt für Musiker:innen seit den siebziger Jahren als Geburtsort im Rücken wissend, stehen die Chancen nicht schlecht, dass die nicht mehr so jungen Kids ordentlich die deutsche Subkultur aufmischen werden.

1997 vor einem anstehenden Abriss gerettet, entstanden im Hafenklang seit den siebziger Jahren unterschiedliche Musikproduktionen, die von den Razors, Abwärts, über Palais Schaumburg bis zu X-Mal Deutschland reichen und seit seinem zweiten Frühling konnte mit zahlreichen Konzerten das Hafengelände erfolgreich beschallt werden. Bis an die Zähne mit Äxten bewaffnet, machen die vier Kids mit ihrer mittlerweile zweiten Single Hamburgs Straßen und Viertel rund um den Hafenklang herum unsicher, klotzen mit jeder Menge Street Credibility, wie die Breakdanceartigen Tanzeinlagen. Schlicht in Schwarz-Weiß Aufnahmen von Lucia Romanowska und Freelance-Axt Jörkk beim Videodreh vor dem Hafenklang eingefangen und wie wir bereits wissen, ist dieser nicht grundlos zur Hintergrund-Location auserkoren worden. Auch die zweite Axt im Bunde, nachdem Axid Queen im November letzten Jahres etwas subtiler ans Werk gegangen war, schlägt jetzt Kids With An Axe eine ähnliche Schneise, aus leicht aufmüpfigen, durch die Mitte holzendem Punk-Rock, der von einen kleinen Keil Metal in der Gitarre subtil aufgespalten wird. Subtil sitzt der Keil an seiner Stelle, lockert auf, setzt griffige Kanten ohne den Zusammenhalt von Sänger und seinen Instrumentalisten zu lockern, während eine Kopie ihres kommenden Albums Kids With An Axe durch diverse Hände über den Asphalt der Gasse wandert. Ohne große lyrische Ergüsse zu fabrizieren, unterliegen die Texte einer gewollten Einfachheit, die der Sänger von einem Peter Pan Syndrom gefangen, gepaart mit Teenage Angst launig in Richtung Publikum schleudert.

The Axids bringen mit ihrer neuen Single den Straßenbelag zum qualmen, aus dessen Rauchschwaden heraus, eine gute Kante Cartoonartiger Witz in die frisch geschärfte Schneide blinzelt.

Titelbild: The Axids | (c) Felix Horstmann

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