Buzz Osbourne (Melvins): „Most of it is crap. In all forms of music. Find the little diamonds here and there in a bunch of shit. That’s how it happens. To me. And that’s how it’s always been. I never thought that there’s a golden era of any type of music. There are just as many crappy bands 30 or 40 years ago as are now.“ (Quelle)

Im Folgenden ein kleiner Auszug von vielen musikalischen Highlights aus 2020.

Heads.Push (Glitterhouse Records)

Ein harter Brocken Noise-Rock mit leichten Industrial-Obertönen, welcher dem Hörer wunderbar dystopisches Kopfkino beschert. Hat man sich erst einmal in den Sound von Ed Fraser & Co. hinein gearbeitet, wird man vom eindringlichen Sound von Heads. nicht mehr losgelassen. Noise-Rock alter Schule trifft auf organischere Godflesh und Swans-artigen Stimmungen. Kein Wunder, dass Kristof Hahn als Gastmusiker auftritt und sich Barney Greenway von Napalm Death als Fan von Heads. erklärt hat.

SumacMay You Be Held (Thrill Jockey)

Schwere Sludge-Metal-Teppiche im Gewand von Improvisation und Soundtüftelei. Die Kollaborationen mit Keiji Haino haben Turner, Cook und Yacyshyn in neue Gefilde katapultiert. Auf May You Be Held treffen beide Parallelwelten in perfekter Intensität aufeinander. Die Zukunft des Metal. Nichts für Anfänger und Zartbesaitete.

Mr. BungleThe Raging Wrath of The Easter Bunny Demo (Ipecac Records)

Die alten Mr. Bungle Demo-Tracks von ’86 erstrahlen auf dieser Neueinspielung mit Dave Lombardo und Scott Ian in neuem Glanze. Unglaublich, welches Kaliber diese Songs auch heute noch haben. Alles garniert mit Bungle-typischem Humor. 80s-US-Thrash at its best.

Hey ColossusDances/Curses (Wrong Speed Records)

Die britischen Tausendsassa um Joe Thompson und Richard Davis trumpfen mit 75 Minuten voll abwechslungsreicher, stilübergreifender Rockmusik, die bei jedem Durchlauf aufs Neue zu überraschen weiß und sich aus Elementen von Sludge, Noise, Kraut, Psychedelic, Indie, Post-Punk, Art-Rock und sogar Drone zusammensetzt. Vielschichtige und ausgefeilte Kompositionen eröffnen einen breiten Soundkosmos. Von Pink Floyd bis Sunn O))) kommt hier jeder auf seine Kosten.

FacsVoid Moments (Trouble In Mind)

Ein Meisterwerk des experimentellen Post-Punks vom Trio aus Chicago, bestehend aus ehemaligen Mitgliedern von Disappears. Facs bauen ihre Songs aus angespannten, verzerrten Rhythmen, pochernden Basslinien, spukigem Gitarren- Noise und direktem Sprechgesang. Hypnotisch.

PalilaTomorrow I’ll come visit you and return your records (Kapitän Platte)

Die einfache Schönheit schnörkelloser Indie-Rock Songs. Palila haben alle Facetten drauf. Mal eine Prise Grunge, mal eine Schippe Wüstensand, mal die Zerre voll aufgedreht, mal zurückhaltend melodisch, oder auch mit Neil Young und Americana-Note. Und immer die fantastische Stimme von Sänger Matthias Schwettmann. Selten so gut zum Indie zurück gekehrt, wie mit Palilas Debütalbum.

Sun RaSwirling (Strut Records)

Das legendäre Sun Ra Arkestra, seit Sun Ras Tod unter der Leitung von Marshall Allen, mit ihrem ersten neuen Studioalbum in 20 Jahren. Es gibt Neueinspielungen bekannter Klassiker und zudem eine Eigenkomposition von Allen. Wenn das kein Spektakel ist? Unglaubliche Rückkehr dieses heliozentrischen Ensembles.

Shabaka & The AncestorsWe are sent here by history (Impulse!)

Shabaka Hutchings und seine sechsköpfige Band und ihre Vision eines zeitgenössischen Spiritual-Jazz. Die Polyrhythmik der beiden Drummer, die Geschichten, die zwei Saxofone erzählen und der narrative, meditative Gesang mit afrofuturistischen Themen machen dieses Album zu einer Meditation über Kultur, Herkunft, Geschichte, Menschlichkeit, Tod, Kampf und Widerstand.

PsychonautUnfold The God Man (Pelagic Records)

Wiederveröffentlichung des vor 2 Jahren in Eigenregie veröffentlichten Debüts des Trios aus Belgien. Eine immense atmosphärische Dichte, brachiale Prog-Metal-Akzente und Hooks an den richtigen Stellen machen dieses Album zu einem wahren Post-Metal-Monstrum.

MetzAtlas Vending (Sub Pop)

Das Noise-Rock-Abrisskommando aus Toronto mit Album Nr. 4. Bisschen akzentuierter als auf den vorherigen Alben, hier und da auch vermehrt melodiöse Einsprengsel, die der Wucht und Intensität aber keinen Abbruch tun. Macht einfach immer wieder Spaß.

Human ImpactHuman Impact (Ipecac Records)

Chris Spencer beerdigt Unsane und hebt mal kurzerhand eine neue Supergroup aus der Taufe. Mit dem Swans-Rhythmus-Duo Pravdica und Puleo und Jim Coleman von Cop Shoot Cop kann da schon nichts schiefgehen. Alle Stärken der einzelnen Musiker verbünden sich zu einem Noise-Rock, wie ihn Spencer zuletzt mit einem früheren Supergroup-Projekt namens Celan fabriziert hatte. Zwingendes Debütalbum auf Ipecac.

Napalm DeathThroes of Joy in the Jaws of Defeatism (Century Media)

Die Gods of Grind überraschen auch 2020 mit einem Album voll innovativem Grindcore und Artverwandtem. Für Napalm Death schön experimentell. Nahezu das komplette Album aus der Feder von Shane Embury. Unglaublich, wie relevant Napalm Death auch heutzutage noch für die Entwicklung der extremen Musik sind.

Emma Ruth Rundle/ThouMay Our Chambers Be Full (Sacred Bones Records)

Wohl die heißeste Kollaboration des letzten Jahres und die Vereinigung der besten Momente der Sludger aus Louisiana und der Songwriterin Emma Ruth Rundle. Tonnenschwere Riffs, drückende Drums, eine Atmosphäre, wie sie dichter und eindringlicher nicht sein könnte. Die Vocals, insbesondere in den gedoppelten Momenten, gehen unter Haut. Walzt dich über!

Old Man GloomSeminar VIII: Light of Meaning & Seminar IX: Darkness of Being (Profound Lore)

Nach dem tragischen Tod von Bassist Caleb Scofield sind Old Man Gloom mit 2 neuen Alben zurück, die unbestreitbar aus der Trauer und dem Verlust ihres Bandkollegen geboren wurden, für den jetzt Stephen Brodsky am Bass eingetreten ist. Beide Alben sind wieder einmal Paradebeispiele für atmosphärischen Extrem-Metal. Wie auf früheren Alben werden die Albumtracks durch Drones und Electronics abgerundet, verschwinden oder erscheinen aus einem Ambient-Noise-Strudel. Old Man Gloom sind aber auch Meister der mächtigen und schweren Riffs, die dir wie ein Bulldozer ins Gehör fahren. Hier herrscht rohe, meditative Energie, wie sie nur von Old Man Gloom erzeugt wird!

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