Botch spielten am 15.06.2002 vor mehr als 1600 zahlenden Gästen im legendären The Showbox in Downtown Seattle ihr letztes Konzert, nachdem sie zuvor im Februar ihre Auflösung öffentlich bestätigten.

Nach acht Jahren, zwei Alben, mehreren Split-7″s und zwei EPs sollte das Kapitel Botch nach Ansicht der Mitglieder vorzeitig geschlossen werden, ohne in Streitigkeiten und Selbsthass zu verfallen. Schlagen wir aber einige Seiten zurück, in das Jahr 1993. Vier Schulfreunde, Brian Cook, Dave Verellen, Dave Knudson und Tim Latona im zarten Highschool Alter von 16 und 17 Jahren heben ihre Band aus der Taufe.

Noch bevor ein erstes Demo-Tape 1995 in Eigenregie verteilt wurde, konnte keiner erahnen wie groß acht Jahre später die Erwartungshaltungen an einen dritten Longplayer ausfallen würden.

Bis auf Dave Verellen spielten alle ein Instrument und allein diese Tatsache hob ihn sozusagen auf die Position des Sängers. Rückblickend resümierte Dave Knudson ihre ersten Gehversuche Songs zu schreiben, sie könnten getrost in der Schublade „worst Music you probably heard in your Life“ abgelegt werden. Musikalisch noch meilenweit von spätere, Genre definierender Musik entfernt, reihten sich die frühen lyrischen Kompositionen ungefähr auf einem ähnlichen Level ein.

So ganz untypisch waren allerdings die Musik und Texte von Botch für die mittleren neunziger Jahre gar nicht. Rohe, schnell bis Midtempo gespielte, leicht metallische Musik initiierte quasi die sogenannte New-School-Hardcore-Welle.

Zu den bekanntesten Vertretern gehören zweifelsohne Chokehold, Strain und Unbroken. Weit verbreitet war zu dieser Zeit eher eine punkigere, melodische Spielart des Hardcore aber bereits Bands wie Moss Icon oder auch das Label Ebullition Records veröffentlichten Schallplatten, die diesen Begriff in neuere Wege aufbrechen ließen. Liquored Up and Laid, auf der Split-7“ mit Nine Iron Spitfire zu hören, integrierte deutlich hörbar unkonventionelle und chaotische Töne, die den Weg in Richtung härtere Gangart einleiteten.

Ihr erstes Album American Nervoso 1999 veröffentlicht, schob den vorerst noch ungeschliffenen, sehr von dissonanten, schrägen Riffs und Takten geprägten Sound weiter in die nächsthöhere Ebene.

Dafür wechselte die Band von Indecision Records zu Aaron Turners, Sänger bei Isis, eigenem Label Hydra Head Records. Die leicht verzerrten Vocals von Dave trugen bestimmt dazu bei, dass das eine oder andere konventionell geschulte Ohr erst einmal vor den Kopf gestoßen wurde. Coalesce, Converge, The Dillinger Escape Plan und Botch, so hießen sie, die neuen auf dissonante, nicht nach gängigen Mustern gestrickte Musik setzenden Bands.

Im Jahr 2000 bestritten Botch ihre zweite Europa-Tour im Vorprogramm von The Dillinger Escape Plan, der die Veröffentlichung ihres zweiten Albums vorausgeeilt war.

2001 folgte eine Performance auf dem Krazy Fest in Louisville, Kentucky. Während den Aufnahmen zu We Are The Romans kam es zu internen Differenzen musikalischer Natur zwischen Gitarrist Dave und Schlagzeuger Tim, woraus ein nicht kommunizieren können innerhalb der Band entstand. Die Erwartungen an ein drittes Album um die Band herum fielen extrem hoch aus, hatten die vier doch mit We Are The Romans ein Meisterwerk an komplexer, innovativer, mit mathematischen Formeln nicht zu erklärender Musik geschaffen. An Anthology Of Dead Ends beinhaltete abschließend die letzten Aufnahmen, die ursprünglich für den Release eines weiteren Albums entstanden waren.

Bis auf Tim spielten alle Bandmitglieder nach dem Aus von Botch in diversen Bands, die auch grob im Spielfeld des Math-Rock und Chaos-Hardcore zu verorten waren. Dave Knudson veredelte mit seinem Gitarrenspiel Minus The Bear, Brian landete bei These Arms Are Snakes und Russian Circles, während Sänger Dave zusammen mit Ex-Unbroken-Bassist Rob Moran die Narrows gründete.

Hydra Head Records veröffentlichten hin und wieder Neuauflagen der Botch-Alben aber nach dem einklappen der Hydra 2020, suchte die Band nach einer Möglichkeit ihren Langzeit-Fans den kompletten Backkatalog wieder zugänglich zu machen. Sie wurden fündig und am 06.10.2021 bestätigte die Band bei Sargent House Records unterschrieben zu haben. Das Label wird alle Releases in digitaler, beziehungsweise physischer Form veröffentlichen.

Einhergehend damit werden bisher unveröffentlichte Tracks erstmals ihren Weg auf Vinyl und CD finden.

Wie nicht anders zu erwarten, überschlugen sich die Reaktionen der Presse und Fans innerhalb kürzester Zeit und der Hinweis auf weitere News für 2022 zementierten für viele eine einhergehende volle Reunion gefolgt von Live-Auftritten. Vorerst dementierte jedoch Bassist Brian Cook auf seinem Twitter-Account derartige Vorhaben.

Was nicht ist, kann ja noch werden und wir schauen gespannt auf die für 2022 angekündigten News. Freuen würde ich mich schon über weitere Aktivitäten und die Möglichkeit der Bandhistorie weitere Kapitel hinzufügen zu können.

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