Schlechte Zeiten bringen die beste Musik.

Die neue Sleaford Mods Platte Spare Ribs spricht von einem Brexit verseuchten, nationalistischen, Tories – kranken England. Im Fokus von Jason Williamsons Texte steht wie immer der Einzelne, er selbst, sein direktes Umfeld – und er offenbart uns das, was wir in dieser Pandemie alle erfahren: Depression, Isolation, Hoffnungslosigkeit, Perspektivslosigkeit und das Gefühl der Machtlosigkeit und des Ausgeliefertseins. Wir sind nichts weiter als Rippen, die entfernt werden können.

Es gibt zwei Arten von Songs – zum einen die, mit denen die Sleaford Mods groß wurden, die mit minimalem uptempo plöckerbeat und cool punkigem Dengelbass dahingrooven, mit dem Schwerpunkt auf Willamsons Flow coloriert von einer reduzierten Synthie- oder Gitarren Hook, bei denen sich die Beiden dann auch so richtig keine Mühe gegeben haben bei der Produktion. Das ist fantastisch und muss genauso sein. Man sieht und spürt den Laptop als Hauptinstrument der Mods.

Dann gibt es Lieder wie das TripHop-artige Out there oder das fiebrige (ganz ohne Basslinie) Toproom, ein Popsong, fiebrig, traurig, der sich in die Endlosigkeit dreht und windet. Die gefallen mir dann sogar noch besser aber ich bin ja auch ne Kunst-Cunt. Die Vocal-Features sind, wie es sein muss ausschließlich auf Energiebasis ausgewählt und kommen immer genau in dem richtigen Moment, wenn man denkt, „ach herje der Jason mit seinem Gequatsche“ direkt danach will man ihn wieder hören.

Natürlich wissen die Sleaford Mods, dass sie auch nur ein Teil der einen großen Geldmaschine sind und fühlen sich genauso gefangen, wie wir alle, trotzdem bleibt zu erwähnen, dass sie bei ihrem bisher größten Konzert in Hammersmith dafür sorgten, dass die Tickets für 5 Pfund an sozial schwächer gestellte verkauft wurden. Sie scheinen sich also wirklich dafür zu interessieren, wie es den Leuten geht. Das einzig blöde an den Sleaford Mods und Spare Ribs ist, dass ich die Band schon vorher kannte. Schließlich kann man nur einmal erweckt werden.

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