Nach Miseria erfolgt Trauma. Steckt hinter Alteri mehr Konzept als die unwissenden Hörer:innen vermuten würden?

Vö: 15.02.2020 Sengaja Records Holy Goat Records Bandcamp

Holen wir die innere Miss Marple aus dem Graben unseres Spürsinns und begeben uns auf des Rätsels Lösung, das sich irgendwo zwischen Morast und Ekel, zwischen Aversion und Apathie, in einem seelenlosen Keller verbirgt.

Dort angekommen treffen wir auf die fünf Musiker von Alteri, eben jene, die verantwortlich sind für die Ausgangsfrage. 18 Minuten dauert das Verhör, unterteilt in sechs Stücke. Beginnen wir mit dem ersten und auch zugleich mit dem längsten Teil: Scheitern. Die Spannung steigt, alles baut sich auf, die Instrumente finden zueinander, ein kurzes Break und der innere Krampf beginnt. Eine Last auf den Schultern, die nicht an Gewicht verliert. Da kann das Schlagzeug noch so antreiben und den Abriss vorbereiten, am Ende steht das Scheitern. Zumindest haben wir jetzt eine Ahnung worum es hier geht. Metal, D-Beat, Crust, innere und äußere Kämpfe.

Nackt lässt sich nicht so viel Zeit wie der Vorgänger und strahlt auch wesentlich mehr Leichtigkeit aus. Die Schwere ist im Übergang verloren gegangen, zumindest die musikalische. Inhaltlich thront weiterhin über Allem die Zerrissenheit. Graben III ist der Nachfolger von Graben II auf Miseria. Wieder ein langer Aufbau, eine schwerfällige Reise durch das Dickicht ohne das sich das Licht am Ende des Tunnels offenbart. Im Gegenteil. Die Vocals hallen, Glockenklingen. Wer besiegt das Dämon?
In einem Bruchteil einer Sekunde erhebt sich First World Threat aus dem gerade zugeschütteten Graben und beweist ab Beginn wo es hingehen soll. Nach vorne ans Ziel. Auch hier wieder Hall und eine klare Absage an die Politik der Abschottung und Ausgrenzung. Etwas vertrackter und mit gedrosseltem Tempo, aber nicht weniger wirkungsvoll, geht es in Maske zur Sache. Maschinerie ist der passende Schlusspunkt, um Trauma abzurunden. Scheppernde Kapitalismuskritik, die eine Offenbarung dafür ist, was geschehen muss. Der Misere muss ein Ende gemacht werden.

Alteri beweisen auf ihrem Neuling, wie fließend die Grenzen zwischen den einzelnen Musikgenres sind und nutzen verschiedene Einflüsse so gut, das Trauma absolut überzeugend und abwechslungsreich ist. Trauma ist ein Sprengkörper, der nicht nur sich, sondern gleich alles zerstört.

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