Good Morning Captain….., your Ship is sinking. Das Schiff begann vor 30 Jahren zu sinken und feiert genau heute seine Jubiläumsfahrt durch das vertrocknete Spiderland.

Louisville, Kentucky war schon immer ein beständiger Nährboden für innovative, qualitativ gute Underground-Musik.

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Squirrel Bait, die von 1983-1987 existierten und dem Emocore zuzuordnen sind, zogen gleich mehrere hochwertige Bands durch ihre Auflösung nach sich.

Gitarrist David Grubbs gründete beispielsweise die Noise-Rock-Band Bastro, Sänger Peter Searcy landete bei Big Wheel und der zweite Gitarrist Brian McMahan startete mit dem Original-Drummer Britt Walford seine eigene musikalische Vision namens Slint.

Komplettiert wurde die Band mit David Pajo an der Gitarre und Ethan Buckler am Bass, wobei sich Brian und Britt zusätzlich den Gesang teilen würden. Tweez, ihr Debüt-Album wurde von Steve Albini produziert und auf dem eigenen Label Jennifer Hartmann Records and Tapes veröffentlicht. Im Gegensatz zu Spiderland tönt Tweez in meinen Ohren eher wie eine Zeitlupenversion von Fugazi mit mehr Lärm.

Da Ethan unzufrieden war mit derr Produktionsweise von Steve Albini, verließ er die Band und wurde durch Todd Brushear ersetzt. Slint gingen 1991 ins Studio ohne dass Gesang oder Songtexte existierten. Diese wurden einfach während der Aufnahmezeit in den River North Records Studios geschrieben. Hin und wieder kursierten sogar Gerüchte, dass mindestens ein Bandmitglied sich psychiatrischer Behandlung unterziehen musste.

Spiderland ist eine dieser Platten, die ihre Schönheit und spielerische Vielfalt nicht allen Hörern sofort erschließt.

Definitiv finden sich hier Einflüsse aus Jazz, Blues und den letzten beiden Alben von Talk Talk. Dissonante Gitarren und Bassläufe treffen auf repetives Drumming, sich abwechselnde Spoken Words und in den höher gelagerte Tonspuren, die dann oft in lautere Ausbrüche münden.

Während der Opener Breadcrumb Trail mit vorerst wiederkehrenden, nur unmerklich verändertenTönen in einen explosiveren Part mündet und zum Einstiegsthema zurückkehrt, wird Nosferatu Man danach eindeutig lauter und gibt eine noisige Gitarrenmelodie zum besten.

Im dritten Song verschleppen die 4 Musiker das Tempo erneut, wodurch die Spoken Words perfekt zum Tragen kommen. Nach und nach steigern Instrumente und Gesang die Lautstärke, bis ab Minute 4:27 die Gitarrensaiten richtig krachig angeschlagen werden. Washer, Song Nummer 4 intensiviert weiter die Kunst des laut/leise-Spiels. Die letzten beiden Songs ufern immer mehr in ruhigere Gefilde, die sich aufbauen und dann wieder abschwellen. Die Hörer:innen werden buchstäblich auf die sich textlich um Entfremdung und ähnliche Themen drehende Reise mitgerissen.

Bei Veröffentlichung auf Touch&Go Records blieb Spiderland eher unbeachtet und konnte trotzdem erstaunliche 50.000 mal verkauft werden.

Im Laufe der letzten Jahre, entwickelte sich Spiderland zu einem Klassiker und wird immer wieder von diversen Musiker:innen als großer Einfluß genannt. Im Zuge von Live-Auftritten 2007 und 2014, wurde Spiderland auf Vinyl wiederveröffentlicht. Abschließend kann ich nur mitgeben: Es handelt sich hier um ein ganz großes Album des sogenannten Post-Rock/Sadcore-Genres.

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