Liest man dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite, stellt man schon im ersten Drittel fest, dass Roger Miret auf ein bewegtes Leben zurückblickt.

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Vö: 24.08.2018

I.P. Verlag

Eine Kindheit voller Gewalt und Angst im eigenen Zuhause, der kleine Rogelio, seiner Mutter und seine Geschwister kassieren nicht nur einmal vom Vater und später auch vom Stiefvater eine Tracht Prügel. Als er noch sehr klein ist flieht die Familie ohne den Vater, da dieser seinen Militärdienst leisten muss, von Kuba in die USA. Ständige Umzüge verhindern das Aufbauen von Freundschaften als ohnehin schüchterner Junge.

Als Jugendlicher ziehen seine Mutter, seine Geschwister und sein gewalttätiger Stiefvater nach Florida. Roger bleibt in New Jersey, um der häuslichen Gewalt zu entfliehen. Er findet eine neue Familie, die Familie in der Punk- und Hardcore-Szene. Auch das ist ein steiniger Weg. Roger Miret berichtet in seinem Buch von etlichen (Gewalt-) Exzessen auf der Lower East Side mit unterschiedlichsten Menschen und Drogen. Er erzählt auch von seinen ersten Konzerterlebnissen und ob gewollt oder nicht, entsteht eine Art Stammbaum und Zeitstrahl der New York Hardcore Szene Anfang der 1980er Jahre. Und mittendrin Roger Miret, der 1983 auch Sänger von Agnostic Front wird.

Im Prolog von „United und Strong“ schreibt Roger Miret: „Ich pisse, schwitze und blute Hardcore.“, was sein Leben, seine Einstellung und seine Leidenschaft, so wird es zumindest in diesem Buch aufwendig beschrieben, perfekt verkörpert. Das Buch lebt von der Gewalt, den Exzessen, dem Konflikt zwischen New York und Boston. Es zeichnet ein Bild der Tough-Guy Szene und man lernt das dreckige New York der 80er Jahre kennen, man blickt aber auch tiefer in den Kopf von Roger Miret und fängt eventuell auch an, ihn besser zu verstehen.

Und natürlich liest sich das Buch einfach und zügig und natürlich ist es unterhaltsam, spannend und äußerst interessant, wenn man sich für die Musik und die Szene interessiert. Gut finde ich auch, dass der Fokus des Buchs auf den Anfängen der New York Hardcore Szene liegt und die letzten 35 Jahre in verschwindend geringen Anteil abgehandelt werden. Das Einzige, dass mich an diesem Buch stört, ist die Tatsache der Gewaltverherrlichung und der Frage nach dem wer sind die härtesten. Zu viele Geschichten über Leben und Tod, zu viel ich feiere mich selbst ab, was ich für ein geiler Kerl bin. Das Leben von Roger Miret ist bis heute sicherlich kein leichtes und so gut wie niemand möchte vermutlich mit ihm tauschen, aber zu viel ist zu viel und so auch leider in diesem Buch.

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