Das lateinische Wort „meditatio“ steht für nachdenken, nachsinnen, überlegen. In der religiös-esoterisch affizierten Meditation liegt der Fokus auf der Kontemplation, frei von Gedanken und Überlegungen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Musik mit einer bestimmten Charakteristik kann hierbei unterstützend wirken, aber auch über den eingeengten Begriff hinaus gehen und die verstandesmäßigen Leistungen der Ursprungsbedeutung ansteuern. Hierfür liefern nun Western Lows mit ihrem Debut „Glacial“ frisches Material.

Die Band setzt sich zusammen aus Jack Burnside (guitar, vocals), Andy LeMaster (bass, vocals), Clay Leverett (drums). Obgleich Western Lows als Projekt Neulingsstatus besitzt, sind die einzelnen Bandmitglieder keine Unbekannten. Burnside mischte mit Mezzanine Owls bereits kräftig in der Shoegaze-Szene mit, LeMaster machte sich schon seit längeren einen Namen als Multiinstrumentalist, Bestandteil der Indie-Rock-Combo Now It’s Over und Produzent von R.E.M oder Azure Ray, Clay Leverett schließlich sammelte fleißig Credibility als Teil von Bright Eyes. Geballte Erfahrung, die sich somit vielversprechend in Western Lows kristallisiert wieder findet.

Herausgekommen ist „Glacial“. Ein verträumt-luftiger Mix aus Indie-Rock, Pop und Shoegaze, der Ideal geeignet ist, sich eher gedankentrunken als gedankenverloren treiben zu lassen und dem Sinnieren über aufflammende Assoziationsketten zu widmen. Struktur und Dramaturgie der zehn Songs gleichen sich stark. Schnörkellose, mit Delay und Chorus verzierte Gitarrenläufe, ein treibendes Duo aus Bass und Drums, sowie die melancholisch-bedächtigen Vocals laden geradezu ein, die Tür zu schließen, den Computer herunterzufahren, das Handy auszuschalten, alle Verbindungen an soziale Störmomente zu kappen und sich dem andächtigen Moment schwebender Musik hinzugeben. Referenzen finden sich unzählige. The Cure, The National, Bright Eyes? Klar! Von allem ein bisschen, ohne jedoch als Kopie daherzukommen. Western Lows bieten nichts innovatives, nichts musikrevolutionäres, sondern einfach ein gutes Stück Musik.

„Glacial“ überrascht somit nicht, sondern verharrt auf einem konstant angenehmen Hörniveau ohne jegliche frappierenden Ausreißer. Das könnte man als Kritikpunkt sehen, erscheint allerdings im Kontext der produzierten Stimmung als sinnvoll. Manchmal findet sich eben auch in der Gleichförmigkeit und Monotonie eine gewisse Stärke.

01. Grapevine
02. Last Known Rivers
03. Swan Fields
04. I Will
05. Icicles
06. Lazy
07. Gave Away
08. Tall Glas Church
09. Floods
10. Sanctuary

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