Am Wochenende ist Zeit für die angenehmen Dinge des Lebens. Kekse, Mopedtouren und am Lieblingsplatz auf nem Hügel in der Sonne sitzen und in die Weite starren. Ja, und dabei dann noch die neue Weekend hören.

Nachdem auf dem letzten Album großartigen Album „Sports“ bereits mein Sommerhit des Jahres enthalten war (Monongah, WV), interpretieren die Jungs aus San Francisco ihre Art von Post-Punk auch diesmal eher sommerlich und weniger herbstlich als so manche Kollegen.

Wo bei „Sports“ aber größtenteils noch der Lo-Fi Sound und die Feedbacks im Vordergrund standen, wird hier zwar das Tempo nicht rausgenommen, aber die Produktion und die Melodien sind doch deutlich poppiger geworden. Das erinnert in vielen Bereichen doch sehr an Killing Joke’s „Brighter than a thousand suns“. Die Produktion ist ähnlich klar wie beim Klassiker, ohne allerdings ganz so viel Schmonz drauf zu pappen. Der fehlende Schmonz liegt wohl vor allem am herrlich dreckigen Bass, der dem von den australischen Postrockern Heirs nicht unähnlich ist und einen schönen Gegenpart zum poppigen Rest bildet, ein klares Plus gegenüber KJ. (Oder war das kratzig Knirschende doch eher die Kaugeräusche beim Kekse futtern als der Bass?)

Wenn man genauer hinhört entdeckt man sogar beim Gesang Ähnlichkeiten. Beide Sänger haben das hypnotische Etwas in der Stimme, wenn auch Jaz Coleman deutlich mehr Wahnsinn vorzuweisen hat als sein Kollege Shaun Durkan von Weekend. Wer auf hypnotische Vocals steht, sollte die Stimme mögen. Kollege Bartsch fand die Stimme allerdings gelinde gesagt nicht so prickelnd. O-Ton: „Der Sänger macht in keinem Song Gebrauch von mehr als drei Tönen.“ Da hat er sicher nicht ganz unrecht, aber wen stört das, angesichts der Tatsache, daß deutlich mehr als 3 Effekte auf den Gesang gelegt werden? Mich jedenfalls nicht.

Amber Crain, Chefin beim Shoegazer Blog „When The Sun Hits“ und Moderatorin der gleichnamigen Webradio Sendung scheints auch nicht zu stören. Der hitverdächtige Eröffnungssong „Mirror“ und das fantastische „Scream Queen“ standen in den letzten Wochen bereits auf ihrer Playlist und sie zeigte sich durchaus begeistert.

Für Höchstwertungen wie bei „Sports“ bin ich allerdings dann aber auch nicht bereit, da der Pop mitunter vielleicht doch etwas übertrieben wird und so der kindliche Charme des Vorgängers etwas verloren geht. Einige Melodieläufe sind teilweise denen der französischen Stadionrocker Indochine (mein guilty pleasure) nicht unähnlich, die ja eine Entwicklung vom 80er Depeche Mode inspirierten Synthie Pop und New Wave zum frankophilen Gegenstück zu Placebo geschafft haben.

Wie dem auch sei, wer noch ne Platte für Gebäck, Sonne und Lieblingsplätze am Wochenende braucht, der wird hier fündig. Und wenn er dann noch beim Ritt in den Sonnenuntergang auf dem motorisierten, zweirädrigen Gaul-Ersatz die Westerngitarren aus „Rosaries“ im Ohr hat, dann fühlt er sich sicher ganz und gar nicht wie ein Jinx, sondern eher wie Lucky Luke.

1. Mirror
2. July
3. Oubliette
4. Celebration, FL
5. Sirens
6. Adelaide
7. It’s Alright
8. Rosaries
9. Scream Queen
10. Just Drive

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