Kellerwein und Grusellack! ….Was haben wir denn hier? Das dritte Album der Amerikaner Tu Fawning ist nicht allzu einfach zu beschreiben. Irgendwie ist’s irgendwas zwischen Folk, Rock, Indie, Ethno und noch irgendwas experimentellem. Jeden- und keinesfalls glattpolierter Partypop. Schlagzeug, Bass, Synthesizer, ein Paar Gitarren, aber auch etwas obskurere Instrumente, die man eher auf einer Weltmusikplatte erwarten würde. Obendrauf dann zumeist eine Sängerin. Und ganz in der Ecke steht noch irgendwo ein leicht verstimmtes Klavier. Alles zusammen vermutlich in irgendeinem verstaubten Keller.Wie beschreibt man das ganze den nun?

Schwer zu sagen, aber über die Stimmung kann man definitiv ein Paar Worte verlieren: Düster, aber irgendwie auch treibend. Das könnte man als Ersteindruck von A Monument durchaus festhalten. Vor allem aber gespenstisch – das passt da als Umschreibung der Gesamtstimmung vermutlich auch gut. Schon das erste Stück, ‘Anchor’, ist hier keineswegs eine Ausnahme, sondern definiert schonmal den Ton des ganzen Albums. Das rumpelt erstmal zur Einstimmung ein wenig rum, konzentriert sich melodisch aber eher auf die Stimme von Corrinna Repp, es klimpert und klingelt im Hintergrund aber munter und eben vor allem treibend rum. Hier zeigt sich auch eine der Kernkompetenzen: Irgendwie wirkt das ganze in seiem Sound angestaubt, aber keineswegs negativ, eher wie die gute Flasche Wein, die man im Keller entdeckt. Hier ist nichts sauber, glatt, stattdessen teilweise sperrig, ungewohnt, aber eben trotzdem interessant. Vielleicht durch die exotische Instrumentalisierung eher wie ein fremdes Gericht als wie eine Flasche Wein?

Alle Vergleiche beiseite, eins kann man festmachen: Es poltert, knarzt, trötet und quietsch – und gefällt. Trotz aller Düsternis, allem Schleppenden und aller Entrücktheit verliert A Monument im Gesamten nämlich nie sonderlich viel an Fahrt – hier wird sich nicht mit langsamen Passagen oder ausgedehnten, progressiven Songstrukturen aufgehalten, die vermeintlichem Stimmungsaufbau dienen, eher aber avantgardistischem Showcasing dienen, dem gelegentlichen Hörer aber vor allem auf die Nerven fallen könnten. An sich bleibt hier alles unerwartet konventionell, mit einer Menge an den richtigen Stellen gebeugten Regeln.

Anstelle von Avantgardeklanpassagen scheint man Gefallen am Lauterwerden gefunden zu haben. Da schaut man auf einmal irritiert, als mitten auf dem Album im Stück ‘Skin and Bone’ ein gefälliges Gitarrencrescendo daherkommt, das man eher bei Explosions In The Sky oder ähnlichem erwartet hätte. Und wo wir gerade bei Vergleichen sind: Ein wenig erinnert Stück Nummer 3, Wager, von Sound und Gesang her an Portugal. The Man – das wird aber wohl eher an letzeren als an Tu Fawning liegen. Fans besonders der älteren Alben der Alaskaner (ja, so heißen Menschen aus Alaska wirklich) mit ihrem etwas vertrackteren Sound könnten hier auch durchaus Gefallen finden. Die verstreuten Stilanleihen aus verschiedensten Richtungen geben dem Album eine zusätzliche Würze.

Eine weitere Stärke des Albums: Irgendwie haben alle Lieder auf A Monument einen ziemlich eingängigen Groove, was sich vor allem beim zweiten Stück, ‘Blood Stains’, zeigt. Diese stringente, wenn auch mit dezenter Gruselstimmung lackierte Beschwingtheit ist charakteristisch für die Platte, auch wenn nach hinten hin ein wenig die Luft auszugehen scheint, die Stücke ein kleinwenig leiser und langsamer werden. So schleppt sich das siebte Stück, ‘In The Center Of Powder White’, doch schon relativ behäbig aus den Lautsprechern – aber entspannung muss ja auch mal sein. Insgesamt bleibt alles aber noch flott genug, um den Hörer nicht in Langspielzeit zu langweilen. Ein wenig flotter wird’s dann zum Ende mit ‘Bones’ aber nochmal – hier klingt es dann anfangs auch wieder mächtig nach Ethno, um dann später mit einigen fast schon souligen Passagen einem Abschiedslied gleich langsam zu verklingen. Insgesamt schaffen Tu Fawning es ziemlich gut, innerhalb einiger Konventionen zu bleiben und trotzdem ungewöhnlich und interessant genug zu sein, um den Hörer durchaus in ihren Bann zu ziehen, die Balance zwischen Pop und experimentellem Was-Auch-Immer genau richtig zu halten.

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