Die Brüder Scott und Seth Avett sind wieder da, wo ihre musikalisch Reise vor mehr als 20 Jahren begann. Als Trio zusammen mit dem Bassisten Bob Crawford veröffentlichen sie den letzten Teil ihrer Gleam-Trilogie.

Nach den EPs The Gleam (2006) und The Second Gleam (2008) kommt mit The Third Gleam eine erweiterte EP mit 8 Songs heraus, die fast genauso klingen, wie die Vorgänger. Akustisch und roh mit sehr intimen aber auch gesellschaftlich relevanten Texten.

Im Gegensatz zu den beiden letzten Alben True Sadness (2016) und Closer Than Together (2019), die eine bunte Mischung aus Folk und Indie-Pop geboten hatten, ist das aktuelle Album eine musikalische Rückbesinnung. Hatte man zuletzt auf eine Bandformation mit Mike Marsh am Schlagzeug, Paul DeFiglia an Klavier und Orgel sowie Tania Elizabeth an der Violine gesetzt, so sind es nun wieder fast immer nur die Akustikgitarren und der Bass, die als Instrumente glänzen können. Das verleiht den Songs eine positive Intimität, die niemals aufgesetzt wirkt sondern den gemeinsamen Wurzeln entspricht.

Mit dem Opener Victory, der auch als Vorab-Single veröffentlicht wurde, ist direkt die Stimmung des ganzen Albums zusammengefasst. Zweistimmiger Gesang und eine akustische Gitarre, begleitet von Bass und Banjo oder einer weiteren Gitarre. Das reicht vollkommen, um Gefühle und Stimmungen zu transportieren.

Sicher wird es den einen oder anderen geben, der die elektrischen Aspekte der letzten beiden Alben vermisst aber darauf nehmen die The Avett Brothers zurecht keine Rücksicht. Manchmal kann eine Rückbesinnung auch ein Fortschritt sein.

Die Mischung der 8 nachdenklichen, selbstkritischen Songs auf dem Album, die man problemlos am Stück durchhören kann, wirkt auf den ersten Blick angesichts der musikalischen Selbstbeschränkung sehr einheitlich aber doch findet sich in jedem Song eine andere Botschaft und auch das Gefühl beim Hören ist zu keinem Zeitpunkt eintönig. Ein rundum gelungenes Folk-Album in der Tradition der 50er Jahre mit der Aufnahme-Qualität des 21. Jahrhunderts, das auf mehr Hoffnung macht.

Nach Angaben im Pressetext ist das Album vor Beginn der verheerenden Corona-Pandemie und auch vor den Rasse-Protesten und den Protesten gegen Polizei-Gewalt entstanden, dennoch ist es ein leises Zeitdokument, das mit dem Amerika der Gegenwart nicht immer gnädig ist.

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