„Ich möchte das tragen / nur ich und mein Wahn / will mich nie wieder fragen / was hätte Han Solo getan“. Ständig suchen wir irgendwas. Unseren Heldenmut, unser Laserschwert, oder auch nur die Lesebrille. Wahrscheinlich liegt alles irgendwo in der selben staubigen Abstellkammer irgendeiner Paralleldimension vergraben, zu der uns der Schlüssel fehlt. Spacemann Spiff knackt auf seinem dritten Album „Endlich Nichts“ keine Schlösser. Aber er hat einen Plan B parat: „Scheiß auf die Helden / weil sowieso niemand so ist / wie das alle erzählen“.

Drei Jahre sind vergangen, seit das Vorgängeralbum „…Und Im Fenster Immer Noch Wetter“ des Hamburger Singer-Songwriters Hannes Wittmer erschien. Auf ausgiebigen Touren erspielte er sich eine treuherzige Fangemeinde, die seine Texte auf Twitterschwingen weit getragen hat. Warum, wird schnell klar: Spaceman Spliffs Wortwendungen knirschen und qietschen auf angenehme Art und Weise, man hört ihnen an, dass sie in mühsamer Kleinstarbeit zusammengesetzt wurden, ohne sich bei mit Kitsch geölten Fertigbauteilen zu bedienen. Um sie zu verstehen, braucht es weder Lexika noch Star Wars Insider Wissen (obwohl das, wenn es nach Hannes geht, wohl niemandem schaden kann). Sie sind bestechlich direkt und lassen Lücken an den richtigen Stellen, die darauf warten, mit eigenen Erfahrungen und Gedanken gefüllt zu werden.

Ein Großteil der Songs, die „Endlich Nichts“ bilden, haben ihren Ursprung in Neuseeland. Hier legte das Schiff von Spaceman Spiff einen Zwischenstop ein, um das Navigationssystem neu warten zu lassen, isoliert von Zeitdruck, Erwartungen und anderen verwirrenden Dingen. Ein Eintrag aus dem Logbuch (und dem Song „Oh Bartleby“): „Irgendwer hat versucht / ein niemand zu werden / von Namen befreit / nun endlich bereit / rumzuexistieren“. Das Sein als Experiment, zufrieden sein, mit dem was man hat. Es könnte alles so einfach sein, wäre nicht… Und wieder hat der Konjunktiv gewonnen. Spaceman Spiffs Songs erzählen vom Kampf des Sehnens nach Autarkie und des Strebens nach einem Ort zum Bleiben: „Dir fehlt, was du verschleuderst / Dir bleibt was du behältst“.

Neben Han Solo stehen Hannes außerdem Felix Weigt (Die Höchste Eisenbahn) und Jonny König (Stoiber On Drums) zur Seite. Was die Instrumentalisierung angeht, haben die Drei sich glücklicherweise gegen den Vorsatz „Endlich Nichts“ entschieden. Klavier, Streicher, Bässe und das ein oder andere verirrte Xylophon geben Spaceman Spliffs melancholischen Texten die warme und versöhnliche Klangfarbe, die sein Raumschiff braucht, um die Weltschmerz-Gravitation hinter sich zu lassen. Wer eine Runde mit ihm dreht, lernt, die Augen offen zu halten für neue Möglichkeiten im Hier und Jetzt. Und vielleicht taucht sogar das Laserschwert oder die Lesebrille wieder auf.

1. Vorwärts Ist Keine Richtung
2. Teesatz
3. Mind The Gap
4. Was Wir Anders Wollen
5. Oh Bartleby
6. Bevor Der Konjunktiv gewinnt
7. Wände
8. Milchglas
9. Der Tag An Dem Ich Nicht Verrückt Wurde
10. Nichtgeschwindigkeit
11. Die Ruhe Selbst
12. Han Solo

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