Und schon wieder Regen. Immer schön, wenn das Wetter sich entscheidet, die passende Kulisse zur gerade laufenden Platte zu bieten.

Wenn es danach geht, hätte ich jetzt aber gerne ein paar Reggae-Scheiben hier – mit einer Spielzeit von mehreren Monaten.

Jedenfalls: Der erneut gegen die Fensterscheiben prasselnde Regen passt wunderbar als Deckel auf den Topf namens The Box von Rhoads. Vorherrschend ist hier nicht das typische Traurige von sonstiger vermutlich am besten als solche bezeichneter Regenmusik, sondern klanglich doch düstere, graue, aber auch warme Tristesse – noch dazu mit ganz ansehnlichen Texten versehen: „Don’t be afraid / to follow me down / don’t be afraid / to finally hit the ground / it’s rockbottom / it’s rockbottom / made of candyfloss / where suns and moons collide / where our ways will always cross“.

Die Hörer:innen brauchen hier also keine Trauermärsche zu erwarten, dafür aber handwerklich und emotional sehr schön gesetzte Akzente auf einem dunklen Teppich aus Melancholie.

Trotz einiger progressiver Elektroausflüge klingt das Album der Bayern doch vor allem erdig und intim, handgemacht und warm – und schön.

Das mit der Tristesse kriegen die drei aus Schondorf (am Ammersee, laut Wikipedia durch seine Kirchen und eine historische Zugorgel in einer von ihnen interessant) nämlich wunderbar hin, noch dazu mit einer erstaunlichen Fingerfertigkeit, die hoffen lässt, dass man von Rhoads in Zukunft noch mehr zu hören bekommt. Hier passen alle Elemente und Bausteinchen zusammen und ergeben ein Gesamtbild, das irgendwo im Spannungsfeld zwischen Indie, Post-, alternative oder progressive Rock, ein wenig Folk und Trip-Hop und ähnlichem umhermäandert und einen durchaus schon beim ersten Hören einzuwickeln vermag.

Dass nicht nur die Instrumentalisierung sondern auch Gesang und Text auf sehr hohem Niveau ausgeführt sind, macht das Ganze umso schöner. Dabei klingt das für eine deutsche Band doch erstaunlich international und – ich hoffe, ihr verzeiht mir das – unbayrisch. Viel mehr vermutet man hier eine britische Herkunft, erinnert das ganze doch irgendwie an Archive und ähnliche Vertreter britischer Musik abseits von Pop á la Oasis oder Coldplay. Kommt aber bestimmt nicht von ungefähr – ein deutscher Sommer hat scheinbar nicht weniger Regen zu bieten als der auf den britischen Inseln. Kein Wunder, dass also aus beiden Ecken ähnlich hochwertige Musik mit ähnlich intensiver Stimmung kommt.

Aber sich darauf zu beschränken, zu sagen, „Rhoads klingt wie wer auch immer“, tut dem ganzen auch Unrecht.

Das Album ist mit seinen fünf Songs ein eigenständiges und originelles, hochwertiges Stück Musik, das hoffen lässt, dass die drei Bayern die deutsche Musikwelt in Zukunft noch ein wenig mehr bereichern. Und vielleicht kommt dann bald auch mal einer auf die Idee, bei Wikipedia die Liste der interessanten Persönlichkeiten aus Schondorf am Ammersee um einen Eintrag für Rhoads zu ergänzen. Denn da steht bisher nur: „Künstler und Musiker wie Heinz Rose, nach dem der Roseweg benannt ist, und Hans Pfitzner, dem zu Ehren die Seeanlage gestaltet wurde, suchten in Schondorf nach Inspiration und verbrachten viele Jahre vor Ort.“ – eine eigene, erfolgreiche und vor allem auch gute Band würde dem beschaulichen Örtchen doch sehr gut zu Gesicht stehen.