Erschienen ist die selbstbetitelte EP von Raum Kingdom bereits im April – allerdings nur online und kostenlos. Seit Ende Juni gibt es die CD der 4 Iren nun auch als physikalischen Datenträger via Bandcamp zu kaufen, höchste Zeit also sich einmal näher mit den Jungs zu beschäftigen.

Nach mehrmaligen Durchläufen muss gesagt werden: Wer nur im entferntesten etwas mit der Musik von Amenra, Cult of Luna oder Omega Massif anfangen kann, sollte sich diese Platte anhören.

„Wounds“ startet recht schnörkellos direkt ins Geschehen, präzise sägend und kratzend arbeiten sich die Riffs langsam in das aus insgesamt 5 Songs bestehende Labyrinth der Finsternis. „Cross Reference“ ist im Grunde genommen ein langsames Instrumentalstück, welches mit der legendären Rede des Charakters Bingham „Bing“ Madsen aus der britischen Serie „Black Mirror“ unterlegt wurde. Mir fiele auf Anhieb kaum ein Monolog ein, der sich besser zur sich ständig wiederholenden, atmosphärischen Melodie eignen würde.

Langsam, mit flanger und delay unterlegte Riffs sorgen ohnehin für die atmosphärischsten Momente des Albums. Und wenn wir schon einmal dabei sind: Optimalerweise hört man sich diese CD nachts alleine bei Kerzenschein über Kopfhörer an, damit sich die Musik, wie im fast 10-minütigen intensiven Finale „This Sullen Hope“voll entfalten kann.

Der Gesang ist bei Raum Kingdom ein großer Pluspunkt, welcher nicht wie bei vielen anderen Bands einfach nur ein durchschnittlich klingendes Mittel zum Zweck darstellt, Sänger Dave Lee arbeitet mit einer sehr viel größeren emotionalen Bandbreite, die sich von aggressiv-wütend über melancholisch-naiv bis verzweifelt-resignativ erstreckt.

An manchen Stellen fehlt es jedoch vielleicht musikalisch noch ein wenig an eigener Identität und Überraschungseffekten. Die Band sollte sich in Zukunft noch mehr auf eigene Stärken berufen um aus dem Schatten stilistisch ähnlicher Bands wie Amenra heraustreten zu können. Auch das Schlagzeug könnte bei der ansonsten tadellosen Produktion noch ein wenig mehr Durchschlagskraft vertragen, was aber sicherlich nicht an den Fähigkeiten von Drummer Marc Gilchrist festzumachen ist, der sein Instrument mit genretypisch minimaler, aber treibender Präzision beherrscht.

Wenn sich Raum Kingdom bei der nächsten Veröffentlichung trauen mehr eigene Pfade zu gehen und vielleicht auch ein wenig mehr zu experimentieren und trotzdem das Niveau dieses Erstlings halten können, spitze ich bereits meinen imaginären Bleistift um die Höchstwertung zu geben.

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