Trippen mit Nils Frahm… Da möchte man dabei sein, mit einschmeißen, mit losreisen, aber gerne doch!

Der Ausnahmekünstler Nils Frahm hatte vergangenes Jahr, in einem Land vor unserer Zeit, in sein Heimstudio, im Funkhaus in Berlin zum Konzert geladen, das – Normalzustand für Frahm – innerhalb weniger Stunden ausverkauft war. Und das hat er mitschneiden lassen, der Film ist ab 3. Dezember, die CD/LP dann ab Ende Januar über Erased Tapes erhältlich.

Um gleich richtig im dichten Klangnebel der Frahm’schen Kompositionen versinken zu können, hat er das Intro, das so auch auf dem Konzert lief, mit auf Tripping with Nils Frahm gepackt. Und so ist von Sekunde eins an Atmosphäre pur, Augen schließen, nicht Meditations-CD, nicht Klangkunstwerk, auch nicht Plastik-Sounds á la Schiller, nur Performance, nur sich verlieren. Und dann geht es rein in Sunson, dem Epos von All Melody, der dort schon ordentliche neun Minuten lang war und den Frahm nun auf über elf aufbläst. In stilleren Momenten jubelt das Publikum, eine längst vergessene Zeit – gemeinsam einer Stimmung hingeben, man möchte mitjubeln.

Dann sorgt Frahm erst für kurze Verwirrung, dann für wohliges Grinsen. Fundamental Values? Müsste da nicht A Place oder wenigstens My friend in the forest kommen? Wir haben uns doch so in All Melody festgehört, wie kann er nur?! Aber wie langweilig wäre das für Nils Frahm, einfach sein Album runter zu spielen. Und man hat sich ihm ja eh schon ab Sekunde eins ergeben. Macht er halt aus drei Minuten fünfzig Fundamental Values mal eben knapp vierzehneinhalb, jammt, experimentiert, spielt seine Instrumente nicht, sondern mit ihnen. Dann aber doch My friend in the forest. Nur Klavier, nur Nils, voller Tragik, die Kehle ist zu geschnürt, man kann buchstäblich eine Stecknadel fallen hören.

In derselben Intensität geht es weiter. Mal nur Frahm und sein Klavier, mal wunderschöne Frickeleien an seinem Modularsynth-Monster, mal beides. Aber nichts wirkt beschönigt, bearbeitet, man ist schon im Kopfhörer so nah an Frahm und seiner Performance, den Film braucht es fast nicht mehr. The Dane von All Encores unterbricht das All Melody-Reigen, unterstreicht die Stille, die „My friend in the forest“ so wunderschön aufgebaut hat. Und dann „All Melody“. Schließt man die Augen (wer hat die denn bitte jetzt noch auf?!), kann man das Publikum vereinzelt fast jauchzen hören, in besonders stillen oder besonders treibenden Momenten. Sonnenauf- und -untergänge, Minuten wie Jahre, und das alles von einem Mensch auf der Bühne.

Zur Abwechslung hält sich Frahm mal an die Tracklist, #2 folgt direkt, erzählt die Geschichte weiter. Noch elektronischer, vertrackter, nicht weniger intensiv. Und dann schließt der Trip mit Ode – Our own Roof. Vorhang zu. Wahrscheinlich perfekt ausgefadet, um mit Enters direkt wieder von vorne loszulegen. Was auch sonst.

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