Kennt ihr das? Da hört ihr ein Album und habt direkt Bilder im Kopf. So erging es mir sofort bei den ersten Klängen des selbst betitelten Albums der Band neànder, die sich aus Mitgliedern von Earthship, Ånd und Live-Musikern von Casper zusammensetzt.

Vö: 22.02.2019Through Love RecordsLP kaufen

Klanglich perfekt in Szene gesetzt, lädt neànder zu einer Reise ein, bei der alles passieren kann.

Langsam geht die Sonne hinter den Wipfeln des Gebirges auf. Die ersten Strahlen wärmen mein Gesicht. Noch etwas müde und angeschlagen von der kalten Nacht fange ich an mich auf meinen Weg zu begeben. Wind zieht auf. Er pfeift durch die Bäume im Tal und wird immer stärker. Plötzlich kommen dunkle Wolken auf und bringen Regen und Sturm mit. Schritt für Schritt versuche ich der Witterung stand zu halten. Mein Atmen wird immer schwerer und es fällt mir nicht leicht nach Vorne zu kommen. Ich stolpere immer wieder zwischendurch auf Steinen. Der Himmel zieht sich weiter zu. Schneeflocken fallen langsam herab, je höher ich gehe. Doch so plötzlich, wie das Unwetter gekommen ist, so plötzlich lichtet sich die Wolkendecke und die Sonne kommt langsam wieder raus. Endlich kann ich die majestätischen Berge um mich herum sehen. Wie Monolithen erscheinen sie. Eine Wärme durchflutet mich, Ehrfurcht und auch ein wenig Angst. Wie wird mein Weg werden? Schaffe ich die Durchwanderung des Gebirges? Eine kurze Rast wird nicht schaden. So habe ich außerdem noch etwas Zeit, die grandiose Aussicht in mir aufzunehmen.

Nach einiger Zeit habe ich genug Kraft geschöpft und kann mich weiter auf meinen Weg machen. Das Plätschern eines Flusses ist in etwas Entfernung zu hören. Ich versuche dem Geräusch zu folgen und näher heran zu kommen. Als ich den Fluss erreicht habe, folge ich seinem Lauf einem Stück. Nach einer langen Zeit komme ich an eine Stelle, an der der Fluss einen Abhang hinab fällt. Einige Meter tief, entlang der Felsen, landet das Wasser in einer Wolke aus großen Tropfen. Die Sonne spiegelt sich in allen Farben des Regenbogens in ihnen. Ich fühle mich plötzlich frei und verweile ein wenig, um diesem wunderschönen Schauspiel beizuwohnen. Als es Zeit wird weiterzugehen, wandert die Sonne langsam hinter die Berge. Die Abenddämmerung setzt allmählich ein. Die Wolken am Horizont leuchten in einem zarten Rosa. Es wird kälter und ich suche mir eine geeignete Stelle für mein Nachtlager. Der Mond scheint und hüllt die Berge in ein mystisches Licht. Ich schließe mein Zelt und falle erschöpft in einen tiefen Schlaf.

Geweckt werde ich von dem Ruf eines Adlers in der Nähe. Die Sonne hat den Mond abgelöst und hüllt die Berge in ihr warmes Licht. Meine Knochen schmerzen, doch ich mache mich auf den Weg. Alles ist schwer und ich habe Mühe einen Fuß vor den anderen zu setzen. Nachdem ich ein Weile gegangen bin, entdecke ich eine Höhle, die einladend auf mich wirkt. Ein paar Meter kann ich in sie hinein gehen. Innen höre ich den Wind pfeifen, doch als ich um eine Biegung gegangen bin sehe ich Tropfsteine von der Decke hängen. In einem großen Raum scheinen sie seit Jahren zu wachsen. Tropfen erfüllen den Raum mit nicht enden wollenden Klängen. Hypnotisch wirken sie auf mich. Ich vergesse alles, was vorher war. All die Pein durch das Unwetter sind wie weggeblasen. Eine unbeschreibliche Kraft durchströmt mich. Eine gewisse Ehrfurcht erfüllt mich. Und ich fühle mich traurig. Sind wir wirklich so klein? Ich muss weitergehen, raus aus der Höhle.

Gedanken schießen mir durch Kopf. Schwer zu fassen und doch klar. Habe ich alles richtig gemacht? Und was ist überhaupt richtig? Was ist falsch? Und wer bestimmt das überhaupt? Langsam finde ich zurück zu mir. Ich bin mir sicher, dass alles richtig ist. Und auch wenn es schwierig war, so ergibt es doch einen Sinn. Alles fügt sich irgendwann zum Guten.

Langsam komme ich in die höheren Regionen. Es hat angefangen zu schneien. Dicke Flocken werden durch den Wind in mein Gesicht geweht. Jetzt kann ich nicht aufgeben. Der Gedanke an meine Lieben wärmt mich. Ich halte mich daran fest und kämpfe gegen die Uhrgewalten der Natur. In der Ferne höre ich Geröll abgehen. Zu weit weg, um mich zu gefährden. Jedoch sehe ich die Brocken langsam den Hang an der gegen überliegenden Seite herab fallen. Ich werde schneller, durchbreche die Wolkendecke. Und als ich auf dem Wipfel angekommen bin, lichtet sich das Dunkle. Sonnenstrahlen erhellen das Gebirge. Hier oben bin ich ganz weit weg. All die Quälerei ist vergessen. Ich bin bei mir angekommen.

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