„ Just like you wanted me to do“

Nach 22 Jahren musikalischer Abstinenz sind My Bloody Valentine endlich wieder zurück und das (verdammt nochmal) druckvoll. Zumindest ist das mein erster Eindruck des neuen Albums „m b v“. „She Found Now“, der Opener. Man wird direkt weggedrückt von einer Lawine, nicht kalt, sondern extrem warm. Erstaunt über derart viel Wärme der sonst so zerstörerisch anmutenden Band, befinde ich mich gerade in den 90ern. Extrem viel Distortion, ein flirrender Klangteppich, dazu die sanften Stimmen von Kevin Shields und Bilinda Butcher, da kann man nichts sagen: MBV sind ihrem Stil linientreu geblieben. Dennoch, irgendwas ist anders und ich werde zurück ins Jahr 2013 gebeamt. Genau, „New You“, der sechste Song der Platte: So klar haben MBV noch nie geklungen. Was soll das? Und wo ist der Punch, die Zerstörung geblieben, die so schön hat gebrannt in der Fresse des Pop? Ich denke da an Vorangegangenes, besonders an „You Made Me Realise“.

Man weiß es nicht.

Immerhin, sie haben es geschafft einen fast nahtlosen Übergang von „Loveless“ zu „m b v“ rauszuhauen und das nach 22 Jahren Pause. Respekt!

Aber was habt ihr in der Zwischenzeit gemacht, dass ihr uns jetzt ein Album hinwerft, welches an den vergangenen Zeiten der 90ern festhält, einen in Nostalgie versinken lässt, die ganzen tollen Bands in Erinnerung ruft (wie z.B. die Swirlies) die, das muss man sagen, doch alle bei MBV abguckten? Die britisch-irische Band definierte so den Sound der späten 80er und der 90er, zumindest bis an den Rand des absoluten Mainstreams – Andererseits scheint kaum eine stilistische Evolution hinter dem Album zu stecken. Ich meine ja nur. Stellt euch doch mal folgendes vor: Das ist ein bisschen so wie dieser Kiffer-Freund den man vor zehn Jahren hatte, dann wiedertrifft und merkt, dass sich nichts geändert hat außer der Frisur.

„Come back it’s not tomorrow ‚cause

Always today hanging on

Just like you wanted me to do“

Der Stoff aus dem die Band und doch vor allem Mastermind Shields die musikalische Energie zieht, scheint derselbe geblieben zu sein, nur ist dieser Stoff wohl reiner geworden, was auch im Sound durchkommt. Das Album wurde komplett analog aufgenommen. Was hätte man auch anderes erwartet, gehört es doch zum guten Ton einer ordentlichen Produktion. „Das Material, aus dem nun „m b v“ entstand, geht bis auf Aufnahmen aus dem Jahre 1996 zurück“, so der Musikexpress. Das hört man auch.

Und nachdem nun auch „Die Welt“ MBV als relevante Band wahrnimmt, frag ich mich wie viele Jahre die verschlafen haben müssen: „Endlich hört sich zeitgenössisch an, was vor zwanzig Jahren wie Science-Fiction klang“ Wir sind zeitgenössisch doch mittlerweile schon ganz woanders angelangt. Vielleicht liege ich auch falsch, doch das Slackertum erlebt sein Revival, so ist mein Gefühl.

Abschließend ist dieses Album doch irgendwie eine wärmende Decke oder ein langersehntes Lebenszeichen und so sehr ich MBV vorwerfe, sie seien nicht so richtig aus ihrer Höhle gekrochen, ist es ein wirklich fantastischer, gut riechender, dampfender Brocken, der da ausgeschieden wurde.

22 Jahre ist viel Zeit…

…eben gut gereift!

01 She found now
02 Only tomorrow
03 Who sees you
04 Is this and yes
05 If I am
06 New you
07 In another way
08 Nothing is
09 Wonder 2

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