Mit “Ones And Sixes” legen Low aus Duluth, Minnesotta ihr bereits 18. Album vor. Schnell wird klar, dass die vorherrschende Gefühle in Alan Sparkhawks und Mimi Parkers Welt weiter Kummer und Sorge sind. Dabei verfallen sie nicht in Selbstmitleid. Bereits der erste Song “Gentle” beruft sich auf elektronische Pulsschläge und einem geradezu choralen Gesang und zementiert ihren Ruf als grandiose Slowcore-Band, auch wenn sie dieses Label selbst ablehnen.

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Vö: 11.09.2015

Sub Pop

Eben jener chorale Gesang, wunderbar dargeboten von Sängerin Mimi Parker, beweist den geistlichen Charakter, den ihre Musik öfters annimmt, ohne dabei belehrend zu sein. Das Ehepaar, die praktizierende Mormononen sind, bedient sich aber zumeist weltlicher Themen. Dennoch drückt die Musik Glauben aus, ist aber keine religiöse Korsage. Vielmehr schwebt sie durch Raum und Zeit, die in dem Song “Spanish Transition” gen musikalischen Himmel schwebt. Zwar auch grüblerisch, aber wenn das Schlagzeug einsetzt, die Gitarre lauter wird, das Tempo sich erhöht, Mimi ihren Mann Alan gesanglich anschließt und das Ganze am Ende mit leichten Klavierklängen abgerundet wird, dann hat das eine maßgebliche, emotionale Kraft.

Die immer wieder auftauchenden Musikelemente aus poliertem Rauschen und Störgeräuschen tragen dazu bei, dass das Album nicht zu glatt wirkt. Vielmehr trägt es zum Charakter des Albums bei. Manchmal mehr im Hintergrund, manchmal im Vordergrund setzt dieses Störelement einen hochgradig positiven Kontrapunkt zu Mimi Parkers sehr engelhafte Stimme. Reizvoll ist, dass sich die beiden gesanglich gut abwechseln oder gegenseitig unterstützen. Auf diese Art ist eine mögliche Monotonie des Albums nicht möglich. Harmonisch wirkt es.

Low würde sich sicher gegen eine Definition stellen, aber das Lied “No End” ist Pop, ohne dabei Pop zu sein. Es ist wie die Band Air, gemixt mit Dröhnen und einer eingängigen Gesangsmelodie. Ganz zu Recht schrieb mal ein Musikjournalist, dass ihre gemeinsamen Gesangseinlagen einen so wie die Duette von Gram Parsons und Emmylou Harris erstarren. Das heißt nicht, sie wären Country, aber sie kommen genauso von Herzen. Müsste das Album für einen Vergleich mit einem Metall herhalten, dann wäre das Aluminium. Die Musikkulisse eines chemischen Elements korreliert wunderbar mit dem ansprechenden Gesang. Produzent BJ Burton sei an dieser Stelle großes Lob ausgesprochen.

Insgesamt lässt sich sagen, dass sämtliche 18 Lieder des Albums gut miteinander funktionieren und das Low mit „Ones And Sixes“ den Titel Konzeptalbum verdient hat. Die oft spartanische Produktion der Lieder trifft auf warmen Gesang. Das Album lebt von diesen Kontrasten. Auch wenn Gitarre und Tasteninstrumente der Band vorhanden sind, so stehen sie doch in zweiter Reihe hinter den elektronischen Elementen des Albums. Auch wenn die mürrische Schönheit der Band immer wieder aufflammt, so kommt das Album nicht an ihre Vorgänger heran.

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