Eine durchaus gelungene Verneigung und Re-Interpretation des 90s Emo/Hardcore, in der LIRR. ihr volles Potenzial jedoch erst im Schlusstrack unter Beweis stellen kann.

Nachdem die 2010er Emo-Revival-Welle die Independent-Kultur des angelsächsischen Raums bereits eingenommen und grandiose Vertreter wie The World Is A Beautiful Place, Empire! Empire! (I Was A Lonely Estate) oder Seahaven hervorgebracht hat, wagen mit LIRR. nun auch die ersten deutschen Vertreter zaghafte Versuche in das wiederbelebte Genre und bringen mit „Rituals“ ihre erste Veröffentlichung über Through Love Records heraus.

Etwas verwirrend beginnt der Opener „Teeth“, dessen Gitarrenlinien eine Weile Interpol-artig in der Luft herumstochern.

Erst nach mehr als 3 Minuten bekommt der Song zum ersten Mal Bodenkontakt und treibt sein Spiel dann im bekannten laut-leiste-Muster fort: Er lässt die bittersüße Wehleidigkeit kurz durchscheinen und reißt sie prompt mit Gitarrenwänden, zerbrechlich schimmernden Melodien und erhobener Hand ein – und das Ganze wieder von vorne im zweiten Song „Skin“.

Spätestens jetzt sollten sich für alle Fans des Genres Heimatgefühle ausbreiten.

Danach folgt mit „Floor“ die notwendige Verschnaufspause, wenn auch die erste kleine Ernüchterung, da die Band das laut-leise Spiel etwas zu sehr auf die Spitze treiben möchte und so die ersten Minuten arg ereignislos dahin waben. Zum Schluss belohnen LIRR. sich selbst und den Hörer doch noch mit dem grandiosen „Tongue“, welches vom Gitarren-Gesang-Intro, dem explosiven Instrumental-Chorus bis hin zur kraftvollen Bridge liefert und ebenso gut ein Highlight-Track bekannter Genre-Vertreter sein könnte. So trägt der Frontmann in tiefster Wehleidigkeit vor: „and all our friends will sink into their coffee / although they’ll spend most of their time asleep /and I know that it won’t stop itching in your arm / so hold fast”– danach gibt es kein Halten mehr.

Damit ist LIRR. die wohl geplante Verneigung vor dem 90s Emo/Hardcore auf „Rituals“ durchaus gelungen.

Der bekannte Wechsel von härteren und poppigen Passagen wird um interessante bandeigene Aspekte ergänzt und ergeben so 21 kurzweilige Minuten Musik. Zwar fehlen noch die ganz großen Melodien und eine gewisse Finesse im Songwriting, dennoch sollte man darauf hoffen, dass LIRR. ihre Musik bald auch auf Albumlänge vertonen.

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