Berlin entwickelte sich in letzter Zeit wieder zu einer Bastion in Sachen „Retro trifft Moderne“, wie aktuelle Bands mit Namen Pigeon, Aus, Diät oder auch Die Letzten Ecken eindrucksvoll zeigten.

Die Hamburger Häfen sind auch gut befahren und bevor überhaupt die Ebbe einsetzen kann steuern Grundeis in Richtung Mittelmeer. Hierbei liegen die Referenzen hörbar weniger direkt in den deutlich punkigeren Gefilden der Berliner Zone, sondern setzen auf ein volles Maß an Atmosphäre, die zusätzlich mit Shoegazer und Rock aufgewogen wird. Laura Müllers Gesang gesellt sich mit melodischen Gesangslinien passend in den sehr elektronischen Gesamtsound.

Tomas Rommel, Tobias Rutkowski und Nils Pfannenschmidt an den Saiteninstrumenten und Schlagzeug und lassen keine Zweifel aufkommen, hier liegt ein durchdachtes, eigenständiges Debütalbum vor.

Zuvor veröffentlichte die erst 2018 gegründete Band diverse Singles, die sich nun auch auf dem Album wiederfinden. Grob beschrieben rücken Grundeis vielmehr in die Nähe von Skeletal Family, späten X-Mal Deutschland, erinnern mit ihrem Bassspiel auch mal an die ersten Veröffentlichungen von The Cure.

Blood To Water fusioniert zu Beginn Wave-Rock-Elemente mit schillernden Dream-Pop-Gitarren, die Laura stimmlich variabel agierend abrundet. Bereits hier fällt auf, eintönig, monotone Shouts sind nicht ihr Ziel, es geht ihr um Gesangslinien bis in die Hochtöne.

Vain drückt das Gaspedal etwas nach unten, nimmt Fahrt auf, verweilt im Midtempo mit schillernder Melodie und das groovende Bassspiel umhüllt alle Protagonisten:innen.

Ein nochmals gesteigertes Tempo macht dem Run alle Ehre, kontrastiert mit leicht ravig, noisigen Sequenzen die melodische Überfahrt, darf sich spät entspannend, elektronisch ausladen und in eine instrumentale Interlude münden.

Grundeis lassen das Tempo wieder etwas sacken, bringen in Never Got Away erneut ein an The Cure erinnernde Basskonturen auf das Deck, bevor Vex komplett in die Zeitlupe verfällt.

Song sieben namens Tormented offenbart die hohe Kunst der schillernden Gitarrenleads wie ich sie sehr bei The Chameleons und Sad Lovers & Giants zu schätzen weiß. Schlagzeugspiel und Bass rücken in den Hintergrund, überlassen Gesang und Gitarre das Spielfeld, bevor sie ihren Druck in der letzten Minute wieder erhöhen, ohne komplett auszubrechen. Kurzzeitig verschiebt Bleed die Komponente in Richtung Cold Wave aber mit Einsetzen der Gitarre wird dann die Rückkehr zur eigentlichen Intention eingeleitet.

Getrost kann Bleach als der schnellste und euphorischste Track des Albums eingeordnet werden, der mit Tribal Drums ordentlich über das Eis wirbelt. Die letzten beiden Songs verharren in den unteren Zeitzonen, wobei abschließend Break eine lupenreine wavige Ballade darstellt.

Hamburg trägt mehr als eindeutig seinen Beitrag an achtziger beeinflusster Musik bei und von Grundeis sollte noch viel zu hören sein in naher Zukunft.

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