Die monotone Zeit der Pandemie hat der überaus produktive Songwriter und Produzent Gary Louris, der im wahren Leben Kopf, Sänger und Songwriter der stilprägenden Alternative-Folk-Country-Band The Jayhawks ist, dazu genutzt sein zweites Solo-Album Jump for Joy im Heimstudio komplett allein einzuspielen. Nur Paul Q. Kolderie (Mischung) und Pete Weiss (Mastering) haben noch etwas Hand angelegt ansonsten ist das gesamte Album mit seinen 10 Songs eine Gary Louris-Eigenproduktion.

War Louris bei seinem ersten Solo-Album Vagabonds (2008), das von Black Crowes-Frontman Chris Robinson produziert worden war, noch durchaus experimentell in Sachen Rock und Folk unterwegs, so ist Jump for Joy das eine Spieldauer von 40 Minuten hat und bei Sham Records/Thirty Tigers veröffentlicht wird, ganz klar ein Oldschool-Folk-Album im Stil der letzten Alben von The Jayhawks.

Getragen wird das Album auf den ersten Blick von den wunderbaren Liebesliedern, die Gary Louris für seine Frau (Almost Home) und für die Hochzeit seiner Nichte (Follow) geschrieben hat. Der Rest der Songs ist laut Presseinfo die Ausbeute aus vollendeten und unvollendeten Songs, die Gary Louris über die Jahre in seinem privaten Archiv gesammelt hat und die bei Produktionen für The Jayhawks keine Verwendung fanden.

Die 10 Tracks auf dem Album sind allesamt wunderbar eingespielt, wobei Gary Louris mit Gitarren, Bass, Schlagzeug und Keyboards ein musikalisches Universum erschafft, dass vom ersten bis zum letzten Ton Spaß macht und beeindruckt.

Der schwungvolle Opener Almost Home, der als zweite Single vorab veröffentlicht wurde, ist eine sich im Kreis drehender Gute-Laune-Song im Stil von Tom Petty, der seiner Frau Stephanie gewidmet ist. Man kann zu einem Liebeslied offenbar auch gut gelaunt tanzen gehen.

Living in between ist ein Song, der jedem The Jayhawks-Album gut zu Gesicht gestanden hätte. Ein wunderbarer Monolog über den Sinn des Lebens mit klassischer Instrumentierung und einem Touch von The Beatles. Der Lalala-Chor als Begleitung und das schöne Gitarren-Solo machen den Song zu einer – bisher nicht ausgekoppelten – sehr radiotauglichen Single.

Während White Squirrel eher unauffällig ist und wenig Höhen bietet, ist die zuerst ausgekoppelte Single New Normal wieder einmal ein klassischer The Jayhawks-Song. Gradlinig im Songwriting und Gesang, klassisch in der Instrumentierung und im Arrangement. Ein möglicherweise auf dem Album leicht zu überhörender Song, der aber eindeutig seinen Reiz in dem ausgedehnten verzerrten ausufernden leicht progressive angehauchtem Gitarren-Solo hat.

Ebenso gradlinig kommt der Track Mr. Updike daher. Das klassische Songwriting und ein angemessenes Folk-Rock-Arrangement machen den Song zu einem guten Album-Titel, der weder besonders hervorsteht noch qualitativ abfällt, während der Track Follow ganz sicher ein Höhepunkt auf dem Album ist. Der im Stil von Tom Petty arrangierte Song ist als dritte Single ebenfalls voraus ausgekoppelt worden und eine wunderbare gradlinige Liebeserklärung sowie laut Pressetext der Ursprung des Albums, nachdem sich Gary Louris entschieden haben soll, seiner Nichte anstelle eines Blumenstraußes einen Song zur Hochzeit zu schenken. Im Anschluss war sein Ehrgeiz geweckt aus seiner Song-Sammlung ein Album zusammenzustellen.

Eine eher unauffällige Perle auf dem Album ist der Track Too Late The Key, der sowohl durch sein wunderbares Arrangement als auch das schöne anspruchsvolle Gitarrenspiel und den gehauchten Hintergrundgesang bezaubert.

Bei dem Song hat Gary Louris wieder einmal eindrucksvoll bewiesen, dass er auch komplizierte und ineinander verwobene Lieder entwerfen kann. Das ist bei One Way Conversation nicht ganz so gelungen auch wenn der Song als Album-Titel recht gut funktioniert.

Auch der Titeltrack des Albums Jump for Joy ist eher ein weniger anspruchsvoller Song, der zwar interessant aber leider zu keinem Zeitpunkt spannend ist. Da können auch mal 3 Minuten sehr lang sein.

Das absolute Sahnestück des Albums gibt es dann ganz zum Schluss zu entdecken. Beginnend mit Akustikgitarren überrascht Gary Louris bei dem Track Dead Man´s Burden mit einem nach The Beatles klingenden anspruchsvollen Arrangement, das in seiner Tiefe und Breite und der überraschend weitgefassten Instrumentierung einen wunderbaren Abschluss für dieses gute Album bietet.   

Wären da nicht die zwischenzeitlichen leichten Durchhänger in der zweiten Album-Hälfte, dann könnte sich das zweite Solo-Album von Gary Louris problemlos in die Reihe der ausgesprochen guten The Jayhawks-Alben einreichen.

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