Mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks schafft es Damien Jurado tatsächlich jedes Jahr mindestens ein neues spannendes Album herauszubringen. Für sein 17. Album hat er sich sogar den Luxus eines eigenen Labels gegönnt, das nach seinem 2012er Album Maraqopa Records benannt ist.

The Monster Who Hated Pennsylvania ist eine wahre Freude für Freunde des wunderbaren Songwritings von Damien Jurado, der jedem der 10 Songs eine eigene Geschichte zugesteht, die er mit Hilfe fiktiver Personen erzählt. So werden Helena, Tom, Joan, Jennifer und auch Jonny Caravella sehr bald gute Freunde der Hörer:innen.

Musikalisch ist das Album eine Danksagung an die sehr produktive und inspirierende Zusammenarbeit mit seinem Ko-Autor, Ko-Produzenten und langjährigen im Jahr 2019 verstorbenen Freund Richard Swift, der einen maßgeblichen Anteil an der künstlerischen Entwicklung Jurados hat.

Nach dem letztjährigen Album What’s New, Tomboy?, das in Teilen deutlich dunkler und intimer ausgefallen ist, wirkt die musikalische Reise im aktuellen Album offener, lebhafter und vor allem wie befreit. Da gibt es oft den dominierenden Bass, wie in Tom und das stoische Schlagzeug im Hintergrund aber immer die Akustikgitarre und – als würde Damien Jurado zu nah am Mikrophon sitzen – die omnipräsente und jeden Song tragende wunderbare Stimme, die problemlos Emotionen erzeugen kann.

Mit Blick auf den Albumtitel könnte man spekulieren, dass Damien Jurado sich einen Seitenhieb auf Donald Trump erlaubt habe, der vor dem Oberste Gericht der USA gegen den Wahlausgang in Pennsylvania geklagt und verloren hat, denn Pennsylvania galt bei der US-Präsidenten-Wahl als Schlüsselstaat. Aber das mag auch nur der europäische Blick aus der Ferne sein, der durchaus falsch liegen kann. Bisher hatte sich Damien Jurado stets von politischen Statements ferngehalten.  

Das 17. Album ist durchzogen von wunderbaren Songs, die die Hörer:innen mit einer unglaublichen Leichtigkeit davontragen und bereits der Opener Helena und auch der zweite Track Tom sind wahre Höhepunkte auf dem Album. Da scheint die Sonne strahlend durchs Fenster während Jurado mit augenzwinkerndem Herzschmerz klagt „I was never as big as the world“.

Man kann sich das Schmunzeln nicht verkneifen, so wenig ernst nimmt sich der Songwriter hier und lässt sein Publikum keine Sekunde von der Angel. Seine Protagonisten sind Verlierer aber Kämpfer, die noch nicht begriffen haben, dass der Kampf bereits verloren ist. Wunderbare Looser wie Tom, der auf der Bühne steht, während ihm das Publikum wegläuft.  

So geht es von Song zu Song, eine Tragödie/Komödie nach der anderen. Besonders erwähnenswert, schön und getragen mit Orgel, Bläsern, Streichern und Chorgesang ist Song For Langston Birch, eine zarte Liebeserklärung, die berührt. Aber es ist kaum zu schaffen die Besonderheiten der jeweiligen Songs hervorzuheben, denn jeder ist auf seine Art und Weise einzigartig schön und nachhaltig.

Das Finale des Albums bildet der Track Male Customer 1, der zum Schluss tatsächlich nochmal ganz eindringlich mit einem Liebeslied die Emotionen bedient. Es ist aber kein Liebeslied im herkömmlichen Sinne sondern der Abgesang auf eine verlorene Liebe, die ganz offenkundig tiefe Wunden hinterlassen hat.

Mit gepresster aber standhafter Stimme singt Damien Jurado: „The loneliest place I’ve ever been is in your arms. Second chances. There are no second chances. The thrill of romance is gone. And don’t you know. It’s time that we let go? The loneliest place I’ve ever been is in your arms“.

Das ausgezeichnet selbstproduzierte Album kommt auch wegen der bildgewaltigen Sprache offener und einnehmender daher als so manches rockige Frühwerk von Damien Jurado und zeigt dadurch die musikalische Reife des Songwriters.

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