Das nordöstlich von München gelegene Landshut ist nicht dafür bekannt Heimat berühmter Musiker:innen zu sein. Ob sich das ändert, wird nicht unerheblich von Rudi Maier, der unter dem Pseudonym Burkini Beach gerade sein zweites Album Best Western veröffentlicht hat, abhängen, denn sowohl der Multiinstrumentalist, der musikalisch mit Elliott Smith und Sufjan Stevens verglichen wird, als auch seine musikalischen Erzeugnisse haben das Potential dazu.

War das Debütalbum Supersadness Intl. (2017), das in einer für Rudi Maier schwierigen Zeit geschrieben und aufgenommen wurde, noch sehr von den zentralen Themen Einsamkeit, Depression und Selbstzweifel geprägt, so ist Best Western deutlich fröhlicher und sonnengetränkte flotte Melodien durchziehen die meisten Songs wie eine Gute-Laune-Formel.

Um diesen Stimmungswandel auch optisch umzusetzen hat Rudi Maier den Strauß, der beim Debütalbum den Kopf noch in den Belag der Küche gesteckt hat, vervielfältigt und auf dem Cover des neuen Albums recken vier Strauße ihre Köpfe über die davorstehenden Gebäude.

Unzweifelhaft hat Maier ein Händchen für gute Arrangements und schöne Melodien, die sich direkt in den Gehörgang kuscheln. Beim Hören der neuen Songs, machen sich schnell Assoziationen von warmen Sonnentagen und unbeschwerten Zeiten breit, die von Maiers angenehm harmonischer Singstimme noch verstärkt werden.

Und eines hat Rudi Maier auch. Ein Händchen dafür, sich mit kreativen Köpfen zu umgeben, die dem Album einen besonderen Schliff geben. Zuvorderst ist hier natürlich Simon Frontzek zu nennen, der sich bei vielen Songs um die Keyboards, den Bass und die Percussions kümmerte und mit dem Maier das Album aufgenommen, abgemischt und produziert hat. Im Gegenzug saß Maier bei Frontzeks unter dem Pseudonym Sir Simon ebenfalls gerade erschienenem Album Repeat Until Funny an den Reglern.

Aber an Best Western sind auch noch andere Helden deutschsprachiger Tonkunst beteiligt. Sven Regener (Element of Crime) an der Trompete veredelt so manchen Song mit wehmütigem Spiel. Thees Uhlmann, zu dessen Kernband Rudi Maier seit Jahren gehört, und Sebastian Madsen (Madsen) an den Gitarren, Sönke Torpus (Torpus & the Art Directors) an der Pedal Steel sowie Maiers Bandkollege bei The Dope, Franz Neugebauer an den Drums und nicht zu vergessen die wunderbare Emma Elisabeth Dittrich an den Vocals.

Die drei sehr unterschiedlichen vorab veröffentlichten Singles Crying at the Soundcheck (27.04.2021), Life Might Be A Deep Fake (08.07.2021) und Virtual Reality (22.07.2021) haben die Vorfreude auf Best Western nur gesteigert.

Der elektrisierende an Lana Del Rey erinnernde Song Crying at the Soundcheck ist eine flotter Tanz-Track, der richtig gute Stimmung verbreitet. Life Might Be A Deep Fake dagegen ist ein gemächlicher im Drei-Viertel-Takt dahinschunkelnder Song, der sich Zeit für den anspruchsvollen Text nimmt, während Virtual Reality sehr technisch und Synthesizer-lastig daherkommt.

Auf dem Album finden sich aber auch langsamere und gefühlvolle Songs wie der Opener The Same Procedure oder die Tracks Sad Songs, Get over You (Soon) und Not Coming Home, die mit getragenem Gesang an Supersadness Intl. erinnert aber einen durchgehend positiven Grundton haben. Auch der Titeltrack Best Western ist ein wunderbar harmonischer Song bei dem sogar Streicher untergemischt sind. 

Zum Ende des Albums werden die Songs insgesamt sehr harmonisch, persönlich und vertraut. I Could See Myself könnte aus der Feder von Paul Simon (oder Sufjan Stevens) stammen und The Load Out ist ein sehr gut gelungenes Jackson Browne-Cover, das dieses bemerkenswert internationale Album nochmal aufwertet.

Mit Best Western hat Rudi Maier die Erwartungen an zukünftige Alben nochmal deutlich gesteigert. Burkini Beach sollte man auf dem Zettel haben, wenn es darum geht, musikalisch in die Zukunft zu sehen und Trends vorzufühlen. Dieses Album gehört zweifellos zum Besten, was dieses Jahr bisher erschienen ist.

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